Landschaftsmaler Manfred Hilgers: Kleinigkeiten machen das Bild

Von: P. St.
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Im Reich der Bilder: Der Höfener Maler Manfred Hilgers zeigt Heimatverbundenheit in seinen Bildern. Landschaften und Dorfszenen sind seine bevorzugten Motive. Foto: P. Stollenwerk

Höfen. Bilder - wohin man schaut empfangen den Betrachter, wenn er das Ausstellungsatelier des Höfener Landschafts- und Porträtmalers Manfred Hilgers betritt. Mitten in der Eifel fühlt man sich in diesem Raum. Die Narzissen des Perlenbachtals grüßen neben dem goldener Oktober bei Rohren. Nicht weit davon treiben dichte Regenwolken über das Venn, die typischen Monschauer Hecken haben hier ebenso ihren Platz alte schneebedeckte Fachwerkhäuser. Auch Katze und Pferde fehlen nicht in der Sammlung.

Aber für alle 150 Motive, die Manfred Hilgers derzeit kann, ist kein Platz. In einer Ecke des Raumes gestapelt finden sich die etwas älteren Arbeiten. Sie zeigen vielfach typische Szenen des Landlebens auf dem Dorf in der Nachkriegszeit, als die Höfe noch nicht gepflastert waren, Hühner und Schweine munter umherliefen und die Menschen vereint aber glücklich in ihrer Bescheidenheit und Zufriedenheit waren.

Solche Kindheits- und Jugenderinnerungen sind es, die die Motive des 75-jährigen prägen. Die detailgenau gearbeiteten Motive zeigen eine friedliche und harmonische Welt, auch wenn gerade in den Jahren nach dem Krieg oft auch große Armut zum Alltag der Menschen in der Eifel gehörte. Jetzt in der Weihnachtszeit hat sich Manfred Hilgers auch noch einmal an ein Bild erinnert, das er im Jahr 2004 malte.

Er hat es „Weihnachten 1944“ genannt. Das Motiv zeigt einen zerschossenen Winterwald im Hintergrund und davor einen Feldschuppen. Rechts und links stehen deutsche und amerikanische Soldaten in Uniform und schauen auf die zwei Menschen im Schuppen. Das Bild erinnert auf den ersten Blick an eine typische Krippenszene, aber es sind nicht Maria und Josef, die sich an einem kleinen Feuer wärmen sondern zwei Zivil-Flüchtlinge, die ihre Heimat verlassen mussten.

Das Bild ist für Manfred Hilgers ebenfalls mit vielen Erinnerungen verbunden. Auch wenn er damals noch ein kleines Kind war, haben ihn einige Begebenheiten aus der Kriegszeit geprägt. Neben dem elterlichen Haus in Dreiborn befand sich der Tanzsaal; hier auch ein Lazarett untergebracht. „Da habe ich jeden Morgen Tote gesehen“, erinnert sich Hilgers, der damals sieben Jahre alt war.

Immer wieder sind es eigene Erinnerungen und Erzählungen aus dem dörflichen Leben in früherer Zeit, die Manfred Hilgers zu Motiven inspirieren. „Man muss in dieser Zeit groß geworden sein, sonst kann man sie nicht malen.“ Viele Szenen habe er in seinem Kopf gespeichert, „und über das Malen fallen mir dann noch einige Details ein,“ erzählt er. Altes Handwerk, die Heuernte oder der Scherenschleifer kehren da zwangsläufig als damalige Alltagsbegleiter in Bildern wieder.

Vor 15 Jahren hat er viele dieser Geschichten aus seiner Familien in einem Buch zusammengefasst, und damit auch über den eigenen Familien-Horizont hinaus ein lebendiges, heimatgeschichtliches Porträt verfasst. Das seinerzeit begehrte Buch ist leider nicht mehr erhältlich.

Seit 1963 lebt Manfred Hilgers in Höfen. Viele Jahre war er bei der Firma Weiss-Druck als Metteur beschäftigt. Sein Talent zum Malen, das er von der Mutter geerbt hat, verfeinerte er aber erst zu Beginn der 1980er Jahre. Sein erstes Motiv war die Burg Dreiborn, und als das Ölbild fertig war, „habe ich gleich gesehen, dass es mit dem Malen klappen könnte und immer mehr Freude daran gefunden“, erzählt der Autodidakt.

Mit den Jahren schärfte er seinen Blick für die Farben und das Licht und entwickelte sich zum genauen Beobachter der Natur. „Es sind die Kleinigkeiten, die ein Bild ausmachen“, erzählt er, doch auch diese Fähigkeit entwickelte sich erst mit fortschreitender Ausübung seines Hobbys. Seine Motive sind nicht mit Farben überschüttet sondern orientieren sich an der Wirklichkeit. „Fichten sind nicht grün“, behauptet Manfred Hilgers.

Je weiter man sich entferne, um so mehr Farben erzeuge der nur auf den ersten Blick eintönige Wald. Hilgers versucht ein realistisches und naturgetreues Bild der Landschaft zu zeichnen. „Ich habe immer nur geschaut“, beschreibt er seine Art des Lernens. Fast alle seine Motive entstehen aufgrund von Fotovorlagen oder Skizzen. Dass dies nicht von Beginn an perfekt funktionierte, ist ihm sehr wohl klar, und so betrachtet er viele seiner frühen Arbeiten auch am liebster aus einer selbstkritischen Distanz heraus. „Da schaue ich am liebsten gar nicht mehr hin. Das würde ich heute anders machen.“ Für seine Arbeiten darf auch der richtige Rahmen nicht fehlen. Hier gibt es für ihn absolut keine Kompromisse.

Mitunter verlässt Manfred Hilgers auch das sichere Terrain der heimatlichen Landschaftsmalerei, und wendet sich der Porträtmalerei zu. Eines seiner Lieblingswerke entstand im Jahr 2007. Es zeigt eine weinende Mutter Gottes, die den Erdball in ihren Händen hält und Tränen des Leids darüber vergießt. Dieses Bild hat ihn auch wegen seiner schwierigen Ausführung sehr beschäftigt, und Pastor Karl-Heinz Stoffels hat es später sogar gesegnet.

Soeben fertig gestellt hat Manfred Hilgers ein Motiv, das die Rur bei Dedenborn zeigt. Die nächste nicht ganz leichte Auftragsarbeit wartet unterdessen schon auf ihre Umsetzung. Von einer Fotovorlage soll er ein Brautpaar malen. „Das ist ziemlich aufwendig“, sagt der 75-Jährige, der aber vor allem die heimische Natur weiterhin im Blick behalten will, zumal ihm die Wintermotive die liebsten sind. Dann ist ihm die Landschaft am nächsten.

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