Lammersdorf - Lammersdorfer Kirchenchor ist allen Wendungen gewachsen

Lammersdorfer Kirchenchor ist allen Wendungen gewachsen

Von: Josef Schreier
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Führten ein anspruchsvolles Programm zum Erfolg: Dirigentin Gabriele Scheidweiler-Pleines, der Lammersdorfer Kirchenchor und die Instrumentalisten. Foto: Josef Schreier

Lammersdorf. Die kirchenmusikalischen Aktivitäten des Lammersdorfer Kirchenchores unter der Leitung von Gabriele Scheidweiler-Pleines sind immer wieder erstaunlich. Die Dirigentin hat es in der Tat geschafft, aus dem Chor mittlerweile ein angesehenes Ensemble zu formen, das vor keiner Herausforderung zurückzuschrecken braucht.

Diesmal hatte man sich einiger Werke eines der bekanntesten zeitgenössischen Komponisten für geistliche Musik angenommen, des Engländers John Rutter. Allgemein bekannt wurde Rutter hierzulande sicher am meisten durch eine Komposition anlässlich der britischen Prinzenhochzeit im Jahre 2011. Eben dieses Werk – die Psalmenkompilation „This is the day“ – war auch Bestandteil des Lammersdorfer Konzerts. Hinzu kam die „Suite Lyrique“ für Harfe und Orchester sowie, als Hauptwerk, das große „Magnificat“ aus dem Jahre 1990.

Rutters Stil ist freilich nicht in dem Sinne herausfordernd, dass er in irgendeiner Weise avantgardistisch wäre. Er schließt sich der englischen Tradition einer gemäßigten Moderne (etwa nach Ralph Vaughan Williams) an, wobei er vielleicht noch eine Spur mehr ins Folkloristische oder gar Populäre tendiert.

Das ist der Attraktivität und Beliebtheit seiner Werke naturgemäß keineswegs abträglich, man könnte allenfalls bemängeln, dass er in dieser Hinsicht des Guten manchmal zu viel tut. So hat die erwähnte „Suite Lyrique“ bei allem angenehmen Wohlklang einen ganz leichten Zug ins Kitschige.

Mit spürbarer Freude

Die Ausführenden dieses Werks, mit dem der Abend in Lammersdorf begann, genossen aber das Ganze mit spürbarer Freude. Der Harfenpart wurde auf zwei Solistinnen aufgeteilt; man hörte das Lammersdorfer Jungtalent Lea Pleines sowie ihre Lehrerin, Renske Tjoelker, die sich das Werk satzweise aufteilten und nur im Schlusssatz zusammenwirkten.

Alles ohne Fehl und Tadel; besonders zu erwähnen ist aber das außerordentlich abgerundete Zusammenspiel des Streichorchesters. Leider konnte man zu dem Orchester, das sich zum „Magnificat“ noch vergrößerte, dem Programmheft keinerlei Informationen entnehmen, was der besonderen Leistung der Musiker nicht gerecht wird.

Nach der erwähnten Psalmkomposition „This is the day“ gab es dann das „Magnificat“. Die Textgrundlage ist der Lobgesang Mariens aus dem Lukasevangelium, der schon von vielen Komponisten vertont wurde. Bei Rutter ist nicht recht ersichtlich, wieso der Komponist mit dem Bibeltext nicht zufrieden war, sondern noch ein längeres englisches Gedicht aus dem 15. Jahrhunderts sowie einige liturgische Texte einfügte.

Die Gefahr dabei ist, dass Struktur und Stringenz des Werks ein wenig aus den Fugen geraten; immerhin hat dies selbst Großmeister Bach gespürt, da er die erweiterte Frühfassung seines „Magnificat“ später auf den biblischen Originaltext reduzierte. Im vorliegenden Falle war es so, dass sich im Lauf des Konzerts gewisse Ermüdungserscheinungen zeigten, vielleicht sogar bei den Ausführenden selbst.

Dies ändert jedoch nichts daran, dass die Lammersdorfer Interpretation des bedeutenden Werks, so wie es nun mal vorliegt, aller Bewunderung und Anerkennung wert ist.

Der Chor war allen Wendungen und Schwierigkeiten der Partitur gewachsen. Selbst die Tatsache, dass der weibliche Teil des Chors erheblich in der Überzahl ist, konnte das Gleichgewicht der Stimmen nicht beeinträchtigen; hier eine Ausgewogenheit zu erzielen, mag nicht der geringste Erfolg der Dirigentin gewesen sein. Bei einigen solistischen Passagen konnte die Sopranistin Nuria Vinyals glänzen.

So endete dieses Konzert vor einer die Lammersdorfer Kirche bis auf den letzten Platz füllenden begeisterten Zuhörerschaft mit einem großen Erfolg und lässt auf weitere Unternehmungen der verdienten und kundigen Inspiratorin Gabriele Scheidweiler-Pleines hoffen.

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