Lammersdorf - Lammersdorfer erfindet meisenfreundliches Vogelhäuschen

Lammersdorfer erfindet meisenfreundliches Vogelhäuschen

Von: P. St.
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Einfach und gut: In der von Ludwig Förster aus Lammersdorf konstruierten Futterstelle haben Kohl- und Blaumeisen klar das Vorrecht. Foto: P. Stollenwerk

Lammersdorf. „Im Einweckglas liegen nun die Körner, die Spatzen stoßen sich die Hörner. Denn das Loch ist viel zu klein, und sie passen da nicht rein. Es ist eine Freude zuzusehen, wie die Meisen da aus und ein gehen,“ dichtete zwar nicht ganz perfekt im Versmaß, aber mit 100-prozentiger Begeisterung der 92-jährige Ludwig Förster ein kleines Loblied auf seine jüngste Entwicklung.

Der Tüftler aus Lammersdorf hat auch im hohen Alter noch eine kolossale Freude daran, mit Phantasie und Erfindungsreichtum oft kompliziert erscheinende Dinge des Alltags zu vereinfachen oder diese auszutricksen. Diesmal ging es um die gerechte Verteilung des Futters in seinem Vogelhäuschen.

Jetzt im Herbst wird es Zeit, dass die Vogelhäuschen wieder mit Futter bestückt werden, damit die Piepmatze sich einprägen, wo sie im Winter versorgt werden. Aus seinem Küchenfenster in der Bahnhofstraße beobachtete Ludwig Förster mit wenig Sympathie, wie die vorwitzigen Spatzen sich der im Vogelhäuschen ausgelegten Sonnenblumenkerne bemächtigten und den Blau- und Kohlmeisen das Nachsehen gaben.

Diesem Treiben wollte Ludwig Förster nun ein Ende bereiten und entwickelte in seiner Werkstatt eine ebenso einfache wie simple Konstruktion, die den Meisen klare Vorteile bei der Futterbeschaffung im Vogelhäuschen einräumt. Ein handelsübliches Konservenglas mit Metallschraubdeckel genügte dafür. In das Glas kommt nun das Futter, und in den Deckel bohrte er ein kreisrundes Loch. Dann wird das Glas auf die Seite gelegt, und die Meisen können ein und aus fliegen. Beim Naturschutzbund hatte Ludwig Förster zuvor eine Bauplansammlung für Nistkästen und Wohnhöhlen bestellt. Hier stand exakt beschrieben wie groß das Schlupfloch für Meisen sein muss.

Das Prinzip funktioniert in der Praxis perfekt, die Meisen passen exakt durch das Loch, die Spatzen leider nicht. Die Spatzen gehen dennoch nicht ganz leer aus, denn auch in das Vogelhäuschen selbst legt Ludwig Förster ein paar Sonnenblumenkerne. Er hat ja eigentlich nichts gegen Spatzen, nur die Meisen sind ihm eben lieber.

Kleine und große Basteleien waren schon immer das Steckenpferd des 92-jährigen rüstigen Rentners, der früher als Maschinenschlosser bei den Firmen Junker und Dürr beschäftigt war.

Im Lammersdorfer Bauernmuseum waren seine Fertigkeiten gefragt als es beispielsweise darum ging, den historischen Steinknacker wieder in Gang zu setzen. Er repariert Nähmaschinen und Schreibmaschinen, aber vor allem Uhren. Wenn Ersatzteile nicht mehr zu beschaffen sind, dann denkt er sich Hilfskonstruktionen aus: „Ich habe jeden Tag etwas zu tun“, lacht Ludwig Förster, denn regelmäßig kommen noch Ratsuchende mit ihren kleinen technischen Problemen zu ihm.

Und wenn in der Werkstatt mal Pause ist, dann greift er zur Feder und notiert seine Lebenserinnerungen. Die Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg, als er in einer 30-tägigen Zugfahrt von Stalingrad nach Köln zurückkehrte oder der mit eigenen Augen beobachtete Besuch von Adolf Hitler im Bunker an der Ecke Hahner Straße, sind mindestens so spannend wie seine technischen Raffinessen.

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