Simmerath - Kummerkasten für kleine und größere Sorgen

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Kummerkasten für kleine und größere Sorgen

Von: Heiner Schepp
Letzte Aktualisierung:
Das Beratungsangebot von Sozia
Das Beratungsangebot von Sozialpädagogin Nadja Baum erfreut sich auch an den Grundschulen in Lammersdorf und Steckenborn großer Beliebtheit und soll nach dem Willen der Politik fortgesetzt werden.

Simmerath. „Schade, dass Sie nur einen Tag die Woche da sind”, beurteilt Sandra Arnolds, Leiterin der Kalltalschule Lammersdorf, die noch junge Kooperation zwischen der Erziehungsberatungsstelle (EB) Monschau und den Grundschulen.

Seit 2010 ist die Caritas-Einrichtung mit diesem Angebot auch in der Gemeinde Simmerath tätig, nachdem schon seit 2005 die Kinder an den Grundschulen Konzen und Höfen beraten werden.

Michael Leblanc, Leiter der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Monschau, berichtete kürzlich im Simmerather Generationenausschuss von den ersten Erfahrungen und der Akzeptanz des Angebots an der Kalltalschule in Lammersdorf und an der Grundschule Steckenborn.

Leblanc stellte den Unterschied zur Schulsozialarbeit heraus, die beispielsweise an den größeren Grundschulen in Simmerath oder Roetgen durch eine feste Stelle geleistet werde: „Die Erziehungsberatung erfolgt zunächst vor Ort und mit einem multidisziplinären Team im Hintergrund”, erläuterte der Beratungsstellenleiter und verwies auf die Grundprinzipien des Angebots: Freiwilligkeit, Schweigepflicht und Kostenfreiheit und eine fachlich wie inhaltlich unabhängige Beratung, da der Angebotsträger nicht der Schule angegliedert ist.

Nach der Test- und Einführungsphase des Beratungsangebots läuft die Kooperation mit den beiden Simmerather Schulen nun seit Februar 2011. Während die Kooperation mit den beiden Monschauer Schulen mittlerweile fester Bestandteil der Erziehungsberatungsstelle und unbefristet ist, ist das Angebot in Simmerath bislang bis Januar 2013 befristet, weil die Finanzierung danach noch nicht gesichert ist.

Derzeit finanziert sich die halbe Stelle der Diplom-Sozialpädagogin Nadja Baum durch den Verein zur Förderung der Caritasarbeit im Bistum Aachen (35), die Caritasgemeinschaftsstiftung (28) und die Städteregion Aachen (37). Die Sachkosten und Sachmittel stellen die Beratungsstelle und die jeweilige Schule.

An den Schulen in Steckenborn und Lammersdorf wurde das Projekt nach Vorgesprächen mit der Schulleiterin im Kollegium, in weiteren Schulgremien und schließlich bei Elterabenden und in den Klassen vorgestellt.

Anlaufstelle in den beteiligten Schulen ist ein Briefkasten, in den die Kinder (und auch andere Ratsuchenende der Schulfamilie) einen Zettel mit dem Beratungswunsch einwerfen können. Nadja Baum nimmt dann Kontakt mit den Kindern auf und lädt sie einzeln oder auch in Gruppen zum Gespräch ein. Neben der Kindersprechstunde und Kinderberatung können aber auch LehrerInnen, Eltern und Betreuerinnen der OGS die Sozialpädagogin in Anspruch nehmen.

Michael Leblanc erläuterte den Ablauf der verschiedenen Beratungsgruppen und nannte die Themen, die seit Einrichtung des Angebots an den nunmehr vier Eifeler Grundschulen zur Sprache gekommen sind: „Neben Streit mit anderen Kindern, Schulproblemen und Schulangst oder Problemen mit Lehrern sind das häufig auch Probleme im familiären Umfeld”, zählte der Leiter der Beratungsstelle Trennung/Scheidung und Suchtprobleme der Eltern oder Geschwisterstreit und -rivaliät auf. „Auch der Tod oder Suizid(versuch) eines Elternteils oder sexuelle Handlungen wurden in der Beratung bereits thematisiert”, berichtete Leblanc.

Die Inanspruchnahme des Angebots ist enorm, wie Michael Leblanc aufzeigte. In Konzen und Höfen werden jährlich rund 450 Kinder einzeln beraten, hinzu kommen bis zu 250 Beratungen in Kleingruppen, 200 Elternanfragen und rund 60 Sitzungen oder Beratungen mit LehrerInnen, Lehrergruppen oder OGS-Betreuerinnen. Auch ein Dutzend Aktionen mit ganzen Klassen hat es im Rahmen der Beratungsarbeit schon in Konzen und Höfen gegeben.

„In Steckenborn und Lammersdorf sind die Zahlen naturgemäß noch niedriger, weil es das Angebot erst seit April 2011 gibt”, erläuterte der EB-Leiter die Simmerather Zahlen: In Steckenborn wurden seither 67 Kinder, 16 Elternteile und elf Lehrerinnen einzeln beraten, dazu kamen 41 Kindergruppen und drei Kinderbeobachtungen. In Lammersdorf wurden im gleichen Zeitraum 36 Kinder, 13 Elternteile und vier Lehrerinnen einzeln beraten, dazu kamen 29 Kindergruppen.

Mittels Fragenbogen und Interviews erfolgte in Höfen und Konzen eine Qualitätskontrolle, die ein äußerst positives Ergebnis der Arbeit aufzeigte: Die Beratung wurde von den Hilfesuchenden mit sehr hohen Prozentsätzen als hilfreich und nützlich bewertet, über 90 Prozent der jungen Klienten fühlten sich nach der Beratung gut, nachdem sie vor dem Kontakt nach eigenen Angaben „noch Wut, Angst oder Trauer empfunden” hatten. „Und 97 Prozent der Kinder würden sich bei einem ähnlichen Fall wieder an Frau Baum wenden”, freut sich Michael Leblanc über die positive Resonanz. Auch die Lehrerinnen und Betreuerinnen gaben positive Rückmeldungen, berichteten von rückläufigen Störungen im Unterricht und gewachsenem Vertrauen.

„Die Beratung bietet den Schulen Entlastung im Umgang mit Problemen, es sind effektive Kooperationsstrukturen entstanden”, zog der Leiter der Familienberatungsstelle ein Fazit der bisherigen Erfahrungen. „Und es werden Kinder und Familien erreicht, die sonst keine Hilfe in Anspruch genommen hätten”.

Verlängerung erwünscht

Josef Mohren, Lehrer im Ruhestand, lobte für die CDU das Angebot: „Das ist eine wirklich tolle Sache, vor allem weil hier typische Probleme durch jemanden von außerhalb der Schule gelöst werden”. Einmütig befand der Generationen-, Schul- und Sozialausschuss, dass man auf eine Verlängerung dieses Angebots hinwirken müsse. „Denn”, so Josef Mohren, „es wäre jammerschade, wenn es wegfällt”.
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