„Kulturfestival X“: Die Stimmen stehen im Mittelpunkt

Von: Maggie Jung
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Der Mangel an Instrumenten und Muttis Widerstand hat sie werden lassen, was sie sind: Muttis Kinder (v.l.n.r.): Christopher Nell, Claudia Graue, Marcus Melzwig. Foto: Maggie Jung

Lammersdorf. Stehende Ovationen erntete das Trio „Muttis Kinder“ nachdem es mit ihrem Auftritt fertig war. Die Ohren des Publikums mögen kaum glauben, dass es sich bei den Künstlern um ein A-capella-Trio handelt: Sie imitieren – aufgrund des „Mangels an Instrumenten“ (Chrisopher Nell) – mit ihren exzellenten Stimmen Gitarre, Piano, Streicher und alles, was die Pop-, Rock- und Schlagerwelt normalerweise braucht, um Sounds zu produzieren.

Das Wesentliche zu fokussieren durchzieht wie ein roter Faden ihr gesamtes Programm. Gleich zu Beginn lenken Muttis Kinder die Blicke des Publikums auf essenzielle Dinge: Da ist dieser Shaker – ein mit etwas Reis befülltes Glas , das Christopher Nell aus seiner Jackettasche zieht, eine unspektakuläre Wasserflasche, die Claudia Graue mittig auf den Boden stellt und ein zusammengefalteter Notizzettel, den Marcus Melzwig in aller Seelenruhe aufklappt.

Die beiden anderen werfen einen kurzen Blick darauf, alle drei lächeln sich an – vor einem einzigen Mikrofon stehend. Ein leiser Ton, der stetig anschwillt, bildet den Auftakt zu einer Show, die mimische und gesangliche Perfektion eint.

Wenn Claudia Graue den traditionellen Negro-Spiritual „Sometimes I feel like a motherless child“ grandios anstimmt und ihre beiden „Brüder“ einfallen, wenn Christopher Nell Queens „Bohemian Rhapsody“ (nicht nur) theatralisch hochqualitativ inszeniert, wenn Marcus Melzwig ein Gitte-Haenning-Medley („Jetzt kommt der härteste Song des Abends“) gesanglich meisterhaft präsentiert, vergessen die Zuhörer alles um sich herum; es geht eben um das Essenzielle: die Stimmen, die Mimik, die Gestik, um diesen unvergleichlichen und in der A-capella-Welt noch nicht dagewesenen Mix aus Gesang, Comedy und Theater.

Doch bescheiden und schüchtern wirkend treten sie auf, die Kinder von Mutti. Auch, als sie sich zwischendurch vorstellen: „Claudia ist die Altstimme“, sagt Christopher Nell (dabei tiriliert seine „Schwester“ in den höchsten Tönen, brummt in den tiefsten Bässen), „ich bin der Tenor“, untertreibt er weiter, und Marcus sei „die andere Stimme“.

Allerdings und zu recht nicht ohne Stolz erklären sie: „Wir machen alles selber: Das Programm ist von uns, die Kostüme, die Maske, das Licht, das Bühnenbild…“ Allein bei letzterem könnte Mutti schelten, es handele sich um pubertäres Angeben. Mit geschliffenem Humor („Wir singen nun ein trauriges Liebeslied. Viel Spaß.“, Claudia Graue), grandioser Schauspielkunst (bei Chris Isaaks bekennendem „Wicked Game“) und hinreißendem Gesang – meist harmonisch, doch bisweilen auch bewusst kakophonisch – begeistert das Trio sein Publikum.

Jubelrufe, tosender Applaus und Standing Ovations lassen nicht zu, dass die „Kinder“ ohne mehrere Zugaben die Lammersdorfer Kirche verlassen.

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