Kulturabend ehrt Wirken von „Eifeldichterin” Clara Viebig

Von: Johannes Mager
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Rückten der Dichterin Clara V
Rückten die Dichterin Clara Viebig an ihrem 60. Todestag noch einmal in den Mittelpunkt der Betrachtung: Sieglinde Schneider (v.l.), Clara Wahl und Katia Franken beim Viebig-Abend im Freilichtmuseum. Foto: Mager

Kommern. Auch wenn Clara Viebig heute oft als „Eifeldichterin” bezeichnet wird - nicht immer waren die Eifeler gut auf sie zu sprechen. In ihren Romanen und Novellen bevorzugte die 1860 in Trier geborene Schriftstellerin eine direkte Sprache und charakterisierte die Eifeler recht unverblümt.

Beim literarisch-musikalischen Abend im Freilichtmuseum Kommern machten WDR-4-Moderatorin Katia Franke, Clara Wahl und Sopranistin Sieglinde Schneider dies deutlich. Als sie aus dem Roman „Das Kreuz im Venn” vorlasen, wurde ebenso klar, dass Clara Viebig auch die Handlungsorte - etwa Heckenbroich - beim Namen nannte. „Wir wollen hier das Eifeler Leben präsentieren. Dann gehört das dazu”, betont Museumsleiter Dr. Josef Mangold. Anlass für den Abend im historischen Saal Pingsdorf war der 60. Todestag der Schriftstellerin.

Ein Tisch mit dem Porträt Clara Viebigs, ein Sofa und ein Sessel aus der Zeit etwa zu Beginn des 20. Jahrhunderts - die Bühnendekoration mit Möbeln aus dem Museumslager mutete besonders gelungen an. Die üppige Blumenpracht rundete das Bild ab.

Der Saal, der durch einen grünen, schweren Vorhang unterteil worden war, bildete mit seinem rustikalen Charme die richtige Kulisse für das Werk der Eifeldichterin. Bevor Katia Franke aus einem von Viebigs bekanntesten Eifel-Büchern - „Das Kreuz im Venn” - vorlas, stellte sie die Schriftstellerin zunächst vor.

Die mundartlichen Passagen der Roman-Protagonisten sprach Clara Wahl in monotoner Eifler Sprechweise. Die Gesangsvorträge von Sieglinde Schneider, die vor allem Volksweisen darbot, die zu Viebigs Lebzeiten bekannt waren, hatten einen weiteren Bezug zur Schriftstellerin. Denn auch sie wollte sich ursprünglich dem Gesang widmen. Doch nachdem sie in Berlin an der Hochschule für Musik Gesang studiert hatte, habe sie erkannt, dass ihr Talent dazu nicht ausreiche, erzählte Franke.

Sie habe schließlich damit begonnen, kleinere Erzählungen zu schreiben, da nach dem Tod ihres Vaters die Haushaltskasse knapp gewesen sei. 1895 lernte sie Theodor Fontane kennen. Dessen Verleger Friedrich Cohn sei von den Schriften begeistert gewesen. Diese habe sie unter dem Namen „C. Viebig” bei ihm eingereicht. „Diesen Mann möchte ich kennenlernen”, habe Cohn gesagt. Ein Jahr später heirateten die beiden. Das Pseudonym habe Clara Viebig 20 Jahre lang beibehalten, da Frauen als Schriftstellerinnen nicht ernst genommen worden seien.

Das Hintergrundwissen über die Menschen der Eifel, die in ihren Werken vorkamen, hatte sie im Rahmen von Dienstgeschäften ihres „Onkel Mathieu”, Trierer Landgerichtsrat und alter Freund des Vaters, bei dem Clara Viebig nach der Schulzeit ein Pensionsjahr verbrachte, kennengelernt. Wie pointiert sie die Eifeler in ihren Romanen skizzierte, wurde bei den Ausschnitten aus „Das Kreuz im Venn” deutlich.

Statt einer Wasserleitung hat der Bürgermeister den Eifeldom bauen lassen, was wiederum dem Landrat missfällt. Ein Leutnant des in der Nähe stationierten Militärs will die Tochter des Industriellen Schmölder heiraten, was dessen Bruder gar nicht gefällt, da es dem Soldaten seiner Meinung nach um das Geld gehe.

Die schöne Helene, Witwe und Wirtin des Gasthofs „Zum weißen Schwan”, macht den Soldaten gerne mal schöne Augen. „Bärb” will mit dem Zug zur Echternacher Springprozession, um für ihren zurückgebliebenen Bruder zu beten, nähert sich aber auf der Fahrt einigen Soldaten recht eindeutig. Dies alles sind Handlungen des Romans „Das Kreuz im Venn”, die an Deutlichkeit nichts vermissen lassen.

Ebenso trugen Katia Franke und Clara Wahl Ausschnitte aus dem Buch vor, die deutlich zeigten, wie Viebig sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts politischen und gesellschaftlichen Themen annahm.

„Schwarz ist Trumpf” ist damals die erklärte politische Einstellung. „Sie wollen doch gar keine Aufklärung”, wirft der Landrat dem Bürgermeister vor.

Nicht nur literarisch, auch kulinarisch war die Eifel übrigens an diesem Abend vertreten. In der Pause konnten die Gäste sich mit „Eifeler Ähzezupp” und „Hövelsche op Fleesch” - also Weideschwein-Schnitzel mit Kartoffelsalat - stärken.
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