Monschau - KuK Monschau: Augenblicke gegen die Gleichgültigkeit

KuK Monschau: Augenblicke gegen die Gleichgültigkeit

Von: avl
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Die Macher der Monschauer Ausstellung von World Press Photo 2014 (v.l.): Nina Mika-Helfmeier, Henning Schmitz, Mitarbeiter der Städteregion Aachen, Jurre Jansen und Bernd Mathieu vor dem Siegerbild. Foto: Bert van London

Monschau. Mit nichts Geringerem, als einer Ausstellung der weltweit besten Pressefotos des Jahres 2014, eröffnete das Kunst- und Kulturzentrum (KuK) der Städteregion Aachen in Monschau die neue Saison seiner Veranstaltungsreihe.

„Es ist schon eine Sensation, dass eine international viel beachtete Ausstellung, wie die World Press Photo-Ausstellung, die rund um den Globus in Weltmetropolen wie zuletzt in Shanghai und Tel Aviv gezeigt wird, auch in Monschau zu sehen ist. Zum zweiten Mal und – für die Besucher kostenfrei. Das ist wieder das Verdienst der KuK-Leiterin, Dr. Nina Mika-Helfmeier“, so Prof. Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung bei seiner Ansprache.

„Es ist nur ein Augenblick, den der Fotograf festgehalten hat. Der Bruchteil einer Sekunde, in dem sich der Verschluss einer Kamera öffnet und wieder schließt“, so Dr. Nina Mika-Helfmeier bei der Eröffnung.

„Es gibt dennoch Aufnahmen, die erfüllen das Sprichwort vom Bild, das mehr sagt als tausend Worte: Sie erzählen Geschichten, ganz ohne Worte“, so Nina Mika -Helfmeier weiter. Wie das Foto von Phan Thi Kim Phúc, das nach mehr als 40 Jahren seines Entstehens, immer noch weltberühmt ist. Am 8. Juli 1972 ist es entstanden, als das damals neun Jahre alte Mädchen nach einen Napalm-Angriff aus ihrem Heimatdorf in Vietnam flieht. Schreiend, nackt und mit verbrannter haut. Das Bild wurde das Pressfoto des Jahres 1972. Heute erzählt Phan Thi Kim Phúc ihre Geschichte als UnescoBotschafterin.

World Press Photo, 1955 in Amsterdam gegründet, zeichnet jedes Jahr ein Bild aus, das „nicht nur die fotojournalistische Verkörperung des Jahres darstellt, sondern auch ein Thema, eine Situation oder Ereignis von hoher journalistischer Bedeutung zeigt und dies in einer Weise, die ein außergewöhnliches Maß an visuellem Wahrnehmungsvermögen und Kreativität beweist“. So lautet die Anforderung, die die Stiftung stellt.

Unvorstellbare 98671 Bilder von über 5754 Fotografen aus 132 Ländern standen im Jahr 2014 der Jury zur Auswahl. Die besten davon sind in der Auftaktveranstaltung des KuK zur Saison 2015 zu sehen.

Im letzten Jahr wurde das Foto von Jahn Stanmeyer aus den USA zum besten Pressefoto des Jahres 2014 gekürt. Es wurde für National Geographics gemacht und zeigt afrikanische Migranten am Strand von Dschibuti, die nachts ihre Handys in die Luft halten, um ein preisgünstigeres Signal aus dem Nachbarland Somalia aufzufangen – eine schwache Verbindung zu fernen Verwandten.

Die aktuellen Siegerbilder sind mal unfassbar schön wie die Naturfotos von fliegenden Trottellummen (im Norden Norwegens) oder das Foto eines vom Aussterben bedrohten Pumas, der gerade zwei stark befahrene Highways in der Nähe von Los Angeles überquert.

Oft aber sind die gezeigten Fotos unsagbar erschütternd, wie das Bild von Christopher Vanegas aus Mexiko, das den 3. Preis in der Kategorie Aktuelle Themen/Einzelfotos gewann: Am 8. März treffen Polizisten in den frühen Morgenstunden in Saltillo, einer Stadt im Nordosten Mexikos an einer Straßenüberführung ein, unter der fünf Leichen gefunden wurden. In Mexiko schicken sich rivalisierende, organisierte Verbrecherbanden und Drogenkartelle oft Botschaften durch derartige öffentliche Zur-Schau-Stellungen, die auf den ersten Blick wie Theaterinszenierungen wirken.

„Diese Art von Qualitäts-Journalismus regt dazu an, die Welt besser verstehen zu können. Die Bilder sprechen ihre eigene Sprache. Diese Dokumentation von Fakten sind oft aufregender als die Wirklichkeit, obschon sie nichts mit Effekthascherei zu tun haben und wurden im vergangenen Jahr von 6500 Besuchern im Monschauer KuK gesehen“. Für Bernd Mathieu erzeugen die Fotos Betroffenheit, Ratlosigkeit und Empörung. „Wir sehen hier inhaltliche wie auch formale Qualitätsarbeiten, die immer mit einer gnadenlosen Objektivität hinter das Vordergründige zielen“, so Bernd Mathieu weiter.

Der Chefredakteur ließ es sich nicht nehmen auch Bezug auf die aktuelle Pegida-Bewegung zu nehmen: Ja, es gebe gelegentlich Übertreibungen oder Verkürzungen in Berichterstattungen, aber nicht immer. Neben dem oft belanglosen Umgang mit Fotografien bei der Boulevardpresse, Twitter, Facebook & Co. hätten sich die Fotografen des World Press Photo Wettbewerbs die Qualitätsarbeit bewahrt. Sie zeigen fotografierte, journalistische Kunst“, so das Urteil von Bernd Mathieu.

Der Niederländer Jurre Jansen von der World Press Photo Foundation sagte, dass so manche Hintergrundinformation, die er von Fotografen selbst erfuhr, ihn „erschüttert und auch fasziniert“ hätten. Durch die Fotos könne man den Dingen nicht mehr gleichgültig gegenüber stehen. Jansen: „Lasst uns den Mut der Fotografen begreifen und ihnen dafür danken.“

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