Künstlerbuch: „Im Sichtbaren zeigt sich Unsichtbares”

Von: js
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Künstler Gerhard Mevissen ste
Künstler Gerhard Mevissen stellte am vergangenen Samstag sein neues Künstlerbuch „Zurufe” in Monschau vor. Foto: Josef Schreier

Monschau. Schon seit neun Jahren lebt der aus dem Heinsberger Land stammende Maler Gerhard Mevissen in Monschau, ist aber wohl im übrigen Rheinland bekannter als in seiner neuen Heimat.

Am Samstag lud er in der Monschauer Schlosskapelle zu einer Vorstellung seines neuen Künstlerbuches ein und konnte sich dabei über einen regen und ermunternden Zuspruch freuen.

Sein Buch trägt den Titel „Zurufe” und enthält neben den eindrucksvollen Drucken seiner Bilder auch Texte, die seinen eigenen spirituellen Lebensweg skizzieren.

Spiritualität ist heute sicherlich eine Art Modewort geworden. Aber in dieser Mode zeigt sich doch auch - darauf legte Mevissen in seiner Begrüßung einen besonderen Akzent - ein Defizit des heutigen Menschen.

Ihm fehlt es an Stille, die es ihm ermöglichen könnte, seine eigene Mitte und seine Identität zu finden. Mevissens Bilder möchten dem Betrachter eine Art Asyl in der alltäglichen Hektik anbieten, um dort eigene Wege zur Mitte zu finden. „Zurufe” sind daher Ansprachen an den Betrachter, der zum Gespräch mit den Bildern eingeladen wird.

An den Bildern Mevissens fällt auf, dass sie zunächst ganz abstrakt erscheinen - ohne unmittelbaren Anhaltspunkt dafür, „worum” es eigentlich geht. Das mag für manchen Betrachter eine Schwierigkeit sein, der sich erst einmal zum Bild selber einen Weg bahnen muss. Aber gerade dadurch wird ihm sein eigener Weg deutlich. Im Sichtbaren - so sagte es Mevissen - zeige sich Unsichtbares. Das, was zu sehen ist, muss also über sich hinausführen, darf nicht nur auf sich selbst verweisen. Auffallend auch, dass Mevissens Bilder, obwohl religiös inspiriert, keineswegs dogmatisch festzulegen sind. Der Betrachter erhält die Freiheit, eigene Erfahrung zu machen, - sowohl mit dem Bild selbst wie auch mit der Welt jenseits des Sichtbaren.

Am Samstagabend in der Schlosskapelle ging es aber nicht nur um Bilder. Es wurde vielmehr sozusagen ein Gesamtkunstwerk inszeniert. Es gab die Bilder. Dazu kamen aber auch die Texte Mevissens, die von ihm selbst, seiner Frau Brigitte Mevissen und von Birgit Röseler gelesen wurden.

Die gedichtartigen Texte sind Notationen eigener innerer Erfahrungen. Sie sind dem Leser wohl unmittelbarer zugänglich als es die Bilder sind, hie und da wirken sie dadurch freilich auch eher eindeutig und festlegend. Andererseits können sie Hilfen geben für die Betrachtung der Bilder, mit denen zusammen sie entstanden sind.

Musikalischer Beitrag

Ganz entscheidend für den Gesamteindruck des Abends war aber der musikalische Beitrag, den die Flötistin Simone König und Birgit Röseler am Flügel gestalteten. Da war es schon erstaunlich, wie sehr die Auswahl der Kompositionen - überwiegend neuere französische Musik, etwa von Francis Poulenc und Albert Roussel - und die Art der Darbietung mit dem offenen spirituellen Ansatz von Gerhard Mevissen korrespondierten.

Simone König mit einem bis in die Höhen absolut sicheren Ton und die bewährte Begleiterin Birgit Röseler rundeten dadurch ein Gesamtkunstwerk ab, das sicherlich in Monschau noch nachwirken wird.
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