Kuchen-Wettbewerb zum Pflaumenfest

Von: rpa
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Einruhr. Statt Hefe Wasser aus der Heilsteinquelle - dann wird der Pflaumenkuchen besonders gut gelingen. Vielleicht können die Pflaumenkuchen-Bäcker dieses „Geheimrezept” aus einer Notiz von 1850 über das Heilsteinwasser einmal ausprobieren.

Der Pflaumenkuchen-Wettbewerb zum Pflaumenfest am Sonntag in Einruhr bietet eine gute Gelegenheit dazu. Und Heilstein-Wasser gibt es ja reichlich und bequem aus dem Brunnen im Heilsteinhaus, dort beginnt um 11 Uhr das Pflaumenfest. Und die Pflaumenkuchen (Pruumetaat, Prommetaat) werden prämiert - um 13 Uhr. Danach können die Kuchen (und andere Köstlichkeiten) probiert werden.


Ausgerichtet wird das Fest im Heilsteinhaus vom Orts- und Verkehrsverein, der damit eine alte Tradition pflegt und daran erinnert, dass der Obstanbau im Rurtal einst eine besondere Bedeutung hatte.

Die Kirschen vor allem waren es, die Einruhr und Rurberg einst zur beliebten und viel besuchten „Sommerfrische” machten. Die Rurtal-Orte waren ehemals ein Zentrum der Streuobstwiesenkultur im Aachener Raum. Tausende von hochstämmigen Pflaumenbäumen umgaben die Orte Dedenborn, Einruhr, Erkensruhr, Hammer, Rurberg und Woffelsbach. Doch auch die Kirschen gehörten zur Obstbaum-Landschaft in den Rur-Orten: „Besonders die Kirschen gedeihen in diesem Teil des Rurtales vorzüglich.”

So schreibt Hermann Rehm in seinem Buch „Montjoie und das Ruhrthal”, das anno 1886 veröffentlicht worden ist. „Dieser Teil des Ruhrtales” ist Rurberg, „hier befinden wir uns in einer sehr fruchtbaren Gegend”.

Hermann Rehm, 1859 in Aachen geboren, war Journalist und Schriftsteller, er verfasste heimatkundliche Werke über die Eifelregion und Reiseberichte über seine Wanderungen durch ganz Deutschland, er war Herausgeber der Zeitschrift „Das Eifelland”, die ab 1896 in Monschau erschien.

Hermann Rehm berichtet, dass von Rurberg aus Kirschen in „erstaunlich großen Mengen” versandt werden. Tatsächlich wurden von den Dörfern entlang der Rur die Märkte der größeren Städte in der Umgebung bedient. In einem Handbuch über den „Landkreis Monschaus”, 1958 herausgegeben, heißt es: „Rurberg ist gerade zu berühmt wegen seiner reichen Zwetschgenernten.”

Im Jahr 1931, also vor nunmehr 75 Jahren, wurde in Rurberg sogar eine Obst- und Gemüseverwertungs-Genossenschaft mit mehr als 50 Mitgliedern gegründet. Aufgabe der Genossenschaft war es, den Absatz des Obstes und des Gemüses zu fördern und die Preise dafür zu gestalten. Zu den Spezialitäten aus dem Rurtal gehörte damals auch die „Eifeler Platte”, eine weithin bekannte (und heute längst vergessene und verschwundene) Kartoffelart, die nur in einigen Orten des Rurtales gedieh.

Allerdings ist in einer Bilanz von 1935 zu lesen: „Die ihr ursprünglich zugedachte Aufgabe konnte die Genossenschaft nicht zur Zufriedenheit der Beteiligten erfüllen, weil die Produkte aus den entlegenen Eifelorten infolge der rapiden Preisstürze und der allgemeinen katastrophalen Lage der deutschen Landwirtschaft auf dem Aachener und Dürener Markt nicht konkurrenzfähig waren. Der Absatz von Obst und Gemüse aus dem Rurtal lohnte sich „auf den entfernten Märkten” nicht.

Folglich musste die Genossenschaft ihre Tätigkeit „auf eine andere Grundlage”stellen. Dies geschah bereits 1932: Schüttel- und Fallobst wurden zu Most verarbeitet - dies mit gutem Erfolg. In einer Notiz von August 1936 ist zu lesen: „Heute hält der in Rurberg hergestellte Süßmost einen Vergleich mit jedem Erzeugnis dieser Art aus. Absatzschwierigkeiten ergaben sich nicht.”

„Der Obstbau im Kreise Monschau ist, der herben, nasskalten Natur zufolge, im allgemeinen recht unbedeutend”, heißt es allerdings im Handbuch weiter. Dies gilt vor allem für die Hochflächen. „Die wärmeren, niederschlagsärmeren und geschützteren Gemarkungen sowie die Dörfer des Rurtales weisen hingegen eine verhältnismäßig dichte Obstbaumbestockung auf.”

Die Obstbäume wurden sogar gezählt und statistisch erfasst: Die meisten Obstbäume gab es damals in Rott, nämlich 18,8 pro Hektar Fläche, die landwirtschaftlich genutzt wurde.

Dann folgte gleich Rurberg mit 12,7 Bäumen pro Hektar. In Steckenborn wurden 6,6 Obstbäume je Hektar gezählt. Zum Vergleich: Auf der Hochfläche von Kalterherberg gab es pro Hektar Nutzfläche nicht einmal einen „ganzen” Obstbaum, statistisch gesehen nur 0,6 Baum.

Obstwiesen waren und sind ein wichtiger Bestandteil der Kulturlandschaft der Eifel und der Voreifel. Die Biologische Station engagiert sich stark, die Streuobstwiesenkultur wieder stärker ins Bewusstsein bringen und für das Anpflanzen neuer Obstwiesen zu werben.

Streuobstwiesen sind ein wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen, sie gehören zu den „Schätzen” in der Natur der Region.

Zum Schluss noch ein Geheimrezept für alle Pflaumenkuchen-Bäcker beim Wettbewerb am Sonntag in Einruhr aus einem Buch, das 1850 erschienen ist: „Das Wasser gebrauchten die Bewohner der umliegenden Dörfer früher statt der Hefe zum Kuchenbacken, ferner gegen Verstopfung, schlechte Verdauung und Unterleibskrankheiten.”

Vielleicht wird morgen ein neues Rezept entdeckt: Pflaumenkuchen mit Heilsteinwasser.
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