KTK-Dutzend läuft zu Hochform auf

Von: P. St.
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Gut drauf und musikalisch  wie
Gut drauf und musikalisch wie optisch ein Erlebnis: Keuners Tanzkapelle, ein Dutzend Musiker aus der gesamten Nordeifel, spielte aus Anlass des 30-jährigen Bestehens der Band zum Jubiläumskonzert in der Monschauer Markthalle auf. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Ein ungewöhnlich gestaltetes Plakat an Ampelmasten und Straßenlaternen zog in den vergangenen Wochen in der Nordeifel die Blicke der Vorbeifahrenden auf sich. Dunkle Gestalten zeigen ihre Rückansicht und schauen in die Ferne. Sollte hier vielleicht eine Neuverfilmung von „Spiel mir das Lied vom Tod” angekündigt werden?

Mit Musik hatte die optisch mutige Präsentation schon zu tun, und auch mit einem Blick zurück: „Keuners Tanzkapelle” (KTK), die nach eigenen Worten „witzigste Ska-Band der Eifel”, startete mal wieder zu einem Revival durch, und zum 30-jährigen Bestehen der Gruppe war der Anlass ja auch würdig und recht.

Ausverkaufte Markthalle

KTK ist zwar ständig präsent, aber leibhaftig zu sehen bekommt man die komplette Mannschaft dennoch nur ganz selten. Das Jubiläumskonzert zum 30. Gründungstag führte Fans und das Dutzend Musiker jetzt wieder zusammen. Rund 300 Besucher füllten die ausverkaufte Markthalle inmitten der Altstadt Monschau, ein wunderschöner Platz für Live-Musik.

„Alle paar Jahre gibt es ein Comeback”, lacht Dirk Neuß aus Imgenbroich, einer der KTK-Gründer. „Wir schaffen das aber noch ohne Sauerstoffzelt”, schmunzelt der Vollblutmusiker, der sich freut, dass die vor drei Jahrzehnten gegründete Zufallstruppe so viele treue Anhänger hat, die die Band und ihre bewegte Geschichte begleitet haben.

Das Jubiläumskonzert ging mit einem enormen technischen Aufwand über die Bühne; schließlich sollte den bereits vorhandenen CDs jetzt mit der Aufzeichnung des Monschauer Auftrittes noch eine eine DVD-Veröffentlichung hinzugefügt werden. Nicht weniger als acht Kameras zeichneten das Geschehen auf, und damit die Live-Atmosphäre auch pointiert vermittelt wird, hatte der schwungvolle Moderaor André Frédéric aus Eupen das Publikum zuvor entsprechend eingestimmt.

Doch ehe KTK die in blaues Licht getauchte Bühne stürmte, gab es eine erwärmende Einstimmung durch den Lovely Mr. Singing Club, ein Gesangsquartett aus Roetgen, das auch bereits seit zwei Jahrzehnten eine feste musikalische Größe in der Region ist. Perfekter vierstimmiger Gesang, im Wechsel mit ein wenig Musik-Kabarett, machten den Auftritt der Gesangskünstler zu einem ebenso originellen wie kurzweiligen Vergnügen.

Mit „Ees” wurde das Vorpogramm dann fortgesetzt und die Vorfreude noch einmal gesteigert. Wohl nur Insider und Anhänger der Kwaito-Musik kennen den jungen Sänger aus Namibia, der in seinem Heimatland die Charts stürmt und die Hallen füllt. Seine mitreißende Performance südafrikanischer Popmusik versetzte auch das Publikum in Monschau in Bewegung und Begeisterung.

Nicht minder war die Begeisterung, als Keuners Tanzkapelle, die ihren Namen einer vom Schriftsteller Bertold Brecht geschaffenen Parabelfigur entliehen hat, mit Volldampf loslegte. 12 Musiker gehören aktuell der Truppe an, der jüngste ist Anfang 20, andere stehen bereits in der späten Blüte des Berufslebens.

„Bei uns treffen Generationen aufeinander”, erzählt Dirk Neuß, der sich noch genau an den 14. August 1981, die Geburtsstunde von KTK, erinnern kann. Es war der erste Donnerstag in den Sommerferien und im früheren Probelokal des Musikvereinigung Imgenbroich, im alten Wernershof, startete der Spaß. Das erste Stück, eine eigenwillige Version des US-Folksongs „Tom Dooley”, ließ die vier 16 bis 18 Jahre alten Gründungsmitglieder, allesamt Anhänger von Ska-Musik, in jugendlicher Begeisterung fortan am Projekt KTK abrbeiten.

Den ersten Titel gibt es auch heute noch in einer krächzenden Kasttenrecorder-Aufnahme im Original zu hören. Die Gründer Dirk Neuß (Orgel), Heiner Schepp (Posaune), Rudi Kapellmann (Mundharmonika) und Bernd Mathar (Schlagzeug) drückten der Band ihren musikalischen Stempel auf. 20 Musiker sind es bis heute gewesen, die konsequent die musikalische Linie fortführten.

Die Mischung aus Klassikern des Reggae- und Ska-Repertoires und Eigenkompositionen hat sich bewährt und bildete auch beim Jubiläumskonzert den roten Faden durch ein Konzert mit zeitlos guter Musik, für das die Musiker, durchaus nicht frei von Lampenfieber, sich in zahlreichen Proben seit dem Sommer gewissenhaft vorbereitet hatten.

So war es auch nachvollziehbar, dass Frontmann Heiner Schepp gegen Ende des ersten Teils seine Bandkollegen ausgiebig präsentierte. Dass diese Mannschaft in der Markthalle ein musikalisches Feuerwerk abbrannte, als Schülerband gegründet wurde und in dörflichen Musikvereinen das Einmaleins der Noten erlernte, erstaunt dabei umso mehr, zeigt aber, welches Potential auch in Amateurmusikern steckt.

Die Freude an der Musik, eine gezielt ausgewählte Besetzung mit starker Rythmusabteilung und präzisen Bläserphrasen machen den KTK-Sound aus, der sofort in die Beine geht. Bei Eric Claptons Klassiker „I shot the Sheriff” (im Original von Bob Marley) oder Jimmy Cliffs Edel-Reggae „You can get it if you really want” konnten KTK ihre ganze Spielfreude und musikalische Reife offenbaren, die sich auch sogleich auf das Publikum übertrug.

Nach der Pause lief das in Fahrt gekommene KTK-Dutzend mit einem Medley aus frühreren Jahren zu Hochform auf - ganz originalgetreu in deutscher Sprache versteht sich. Verbunden war dieses Stück Nostalgie mit ein paar Bandgeschichten, wie zum Beispiel dem ersten öffentlichen Auftritt in einem Schuppen im Leyloch.

Kurz vor Mitternacht musste KTK dann nach zwei Zugaben Schluss machen, doch in diesen Ausklang mischte sich auch verstärkt der Wunsch des Publikums nach einem Wiederholungskonzert. Ein solches Konzert soll es geben, aber bis zum nächsten Band-Jubiläum will man damit nicht warten.
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