Krötenwanderungen: Alle Wege führen zum Straßentunnel

Von: P. St.
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Ein weiter Weg ist es für die Erdkröten, um zu ihren Laichgewässer, wie hier am Menzerather Weiher, zu gelangen. Selbst die Leitzäune aber können nicht verhindern, dass manche Amphibien versuchen die Straße selbstständig zu überqueren. Foto: P. Stollenwerk
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Allein 1600 Meter Krötenschutzzaun wurde in der vorigen Woche rund um das Laichgebiet Menzerather Weiher errichtet. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Einige Wochen früher als sonst gehen die Kröten in diesem Frühjahr auf Wanderschaft. Die warmen Tagestemperaturen der vergangenen Tage und der ausgebliebene Winter haben auch bei den Amphibien einen Frühstart ausgelöst. Doch noch sitzen die Kröten in den Startlöchern, denn die Nachtfröste in Verbindung mit anhaltender Trockenheit haben die Tiere bisher zurückgehalten.

Das weiß auch Udo Thorwesten von der Unteren Landschaftsbehörde der Städteregion Aachen, der wie in jedem Jahr die Errichtung der Amphibien-Schutzzäune koordiniert. Dennoch wird die große Massenbewegung zu den Straßentunneln und Eimern nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Entlang der alten Monschauer Straße (Eschbachstraße) und des Erlenweges im Bereich Menzerather Weiher wurden in der vorigen Woche bereits die etwa 40 Zentimeter hohen Leitzäune auf einer Länge von insgesamt 1600 Metern errichtet. Danach folgte eine weitere Maßnahmen im Bereich Reichenstein. Die Gesamtkosten belaufen sich auf knapp 8000 Euro. Ausgeführt werden die Arbeiten durch Beschäftigte des Diakonischen Netzwerkes „WABe“ aus Aachen.

Keine Sammel-Eimer mehr

Von einem Arbeitsschritt aber sind die Helfer seit einigen Jahren befreit. Entlang der grünen Schutzzäune im Bereich Menzerath müssen keine Sammel-Eimer mehr eingegraben werden, seitdem auf der Eschbachstraße Amphibientunnel eingebaut wurden.

Die in die Straße eingebauten monolitischen Bauteile halten laut Thorwesten „sogar einem Schneepflug“ stand. Aus alten Eimer-Sammelzeiten weiß man, dass sich die Aktion zum Schutz der Kröten auch langfristig lohnt, wurden doch rund um das Einzugsgebiet Menzerather Weihers bis zu 2000 Kröten gezählt.

Die Amphibien begeben sich aus den Bereichen Grünental-straße und Bundesstraße/Hargard in Richtung ihres gemeinsamen Zieles, dem Menzerather Weiher bzw. zu den unterhalb liegenden ehemaligen Fischzuchtteichen.

„Wichtig ist, dass der Zaun auf seiner gesamten Länge funktionsfähig bleibt“, sagt Udo Thorwesten und hofft gerade im Bereich rund um den Menzerather Weiher auf das Verständnis der Anwohner. Die Zufahrten zu den landwirtschaftlichen Flächen lasse man nach Möglichkeit offen.

Am Montag wurde dann mit dem Aufstellen der Zäune im Bereich des Reichensteiner Weihers und der Vennbahntrasse begonnen. Hier werden in den nächsten Tagen rund 1300 Meter Amphibienzaun errichtet. Die Betreuung der Amphibien erfolgt noch traditionell.

Ein Team von freiwilligen Naturfreunden, das von Kurt Holtvoeth aus Mützenich organisiert wird, sorgt dafür, dass die Kröten regelmäßig aus dem Eimern genommen und dann über die Reichensteiner Straße, die Landstraße 106, getragen werden und selbstverständlich auch später wieder zurück.

An den Gewässern angekommen, bleiben die Weibchen zum Ablaichen hier zwischen drei und sieben Tagen; dann wird schon wieder der Rückweg angetreten. Bis Anfang Mai ist die der Fortpflanzung dienende Aktion gelaufen. Dann haben alle Kröten die Laichgewässer wieder verlassen, und die Schutzzäune werden auch wieder abgebaut.

Tunnel auch bei Reichenstein

Die Zahlen der gesammelten Amphibien ist in Reichenstein in den letzten Jahren kontinuierlich rückläufig. Waren es 2009 noch etwa 1500 Tiere (Kröten, Frösche, Lurche und Molche), so sank der deren Zahl im vergangenen Jahr auf 950. Dass rund um Reichenstein in den zurückliegenden Jahren umfangreiche waldbauliche Maßnahmen vorgenommen wurden, könnte für Udo Thorwesten den Rückgang erklären oder dazu geführt haben, dass die Kröten sich neue Wanderstrecken ausgesucht haben.

Da der Bereich um den Reichensteiner Weiher aber nach wie vor ein bevorzugter Lebensraum der Erdkröte ist, plant die Untere Landschaftsbehörde auch auf der Reichensteiner Straße weitergehende Maßnahmen zum Artenschutz. Auch hier ist der Einbau von Amphibientunneln geplant. Etwa fünf bis sechs Querungsstellen sind vorgesehen.

Aufgrund der Beobachtungen der vergangenen Jahre „wissen wir genau wo die Hauptwanderströme sind“, sagt Udo Thorwesten, dem allerdings auch bewusst ist, „dass diese Maßnahme gut vorbereitet sein muss, da vorübergehend Straßensperrungen erforderlich sein werden“. Mit der Planung soll in Kürze begonnen werden. Fraglich ist, ob auch die Umsetzung noch in diesem Jahr gelingt.

Keine Amphibienschutzmaßnahmen mehr gibt es übrigens in Erkensruhr. Hier hat sich laut Udo Thorwesten die Biotop-Situation in letzter Zeit so verschlechert, dass es sich für die freiwilligen Helfer nicht mehr lohne hier eine aufwendige Handsammelaktion zu organisieren.

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