Kritische Situationen auf dem Vennbahnweg nicht selten

Von: P. St./hes
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Belebt und beliebt ist der Vennbahnweg in der Ortslage Roetgen: Nicht nur Radfahrer, sondern auch Reiter sowie viele andere Freizeit-Akteure müssen sich das Vergnügen teilen. Foto: P. Stollenwerk
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Rettungseinsatz am Radweg: Ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem Radfahrer und einem Auto ereignete sich kürzlich wieder auf dem Vennbahnweg in Roetgen an der Kreuzung Neustraße. Anwohner haben an dieser Stelle schon häufig kritische Situationen beobachtet. Foto: Louis Hermanns

Roetgen. Als im September 2013 der 130 Kilometer lange Radweg auf der ehemaligen Vennbahntrasse zwischen Aachen und Luxemburg, die Ravel-Route, eröffnet wurde, standen die Radfahrer bereits in Wartehaltung. Der grenzüberschreitende Premiumradweg zog aber nicht nur die Zweiräder an.

Skateboardfahrer (gerne mit Stöpsel in den Ohren) und Inlineskater, Jogger und Fußgänger sowie manchmal auch Reiter und Rollstuhlfahrer müssen sich das Vergnügen auf dem 2,50 Meter breiten Asphaltband teilen. Besonders an schönen Tagen ist die Frequentierung des Radwegs enorm.

Lexi Hermanns aus Roetgen spricht von „modernem Zehnkampf“, wenn sie in ihrem Garten sitzt und das Geschehen auf dem unmittelbar an ihrem Grundstück vorbeiführenden Weg betrachtet. Sie wohnt in der Kirschfinkgasse/Ecke Neustraße und wundert sich, dass nicht noch mehr passiert ist als bisher, vor allem an den Kreuzungspunkten des Vennbahnweges mit öffentlichen Straßen. Am vergangenen Wochenende trat wieder einmal dieser Ernstfall ein.

Ein Radfahrer aus Aachen wurde bei einer Kollision auf dem Radweg schwer verletzt. Der Radler kam aus Richtung Lammersdorf und stieß auf dem Übergang Neustraße mit einem Kleinbus zusammen. Der Mann wurde schwer verletzt, der Rettungshubschrauber landete, und schon bald hatte sich eine Menschentraube gebildet, die heftig über das Geschehen diskutierte. Die belgische Polizei nahm den Unfall auf. Und daher teilte die deutsche Polizei auch nichts über den Unfall in Roetgen mit.

Auch Lexi Hermanns hat sich schon häufiger Gedanken gemacht, wie man die Situation an den zahlreichen Querungsstellen mit Straßen in der Ortslage Roetgen entschärfen könnte. Nicht weniger als elf Mal kreuzt der Vennbahnweg Fahrbahnen. Nur auf den Kreuzungen mit der Faulenbruchstraße und der Bundesstraße (zweimal) haben die Autofahrer Vorrang, ansonsten haben die Benutzer des Vennbahnweges freie Fahrt. Der jüngste Zusammenstoß ist aber bei weitem nicht der erste Unfall auf dem Vennbahnradweg.

Wenn sich ein Unfall auf der Vennbahn ereignet, ist das rechtlich gesehen das Gleiche als würde der Unfall mitten in Brüssel passieren, da es sich beim Vennbahnweg um belgisches Hoheitsgebiet handelt. In der Theorie sind also die belgische Polizei und der belgische Rettungsdienst für solche Fälle zuständig. In der Praxis ist es aber so, dass man beim Absetzen eines Notrufes meistens bei den deutschen Behörden landet. Das hängt davon ab, in welchem Mobilfunknetz man sich gerade befindet. Der deutsche Rettungsdienst fährt dann los, um Erste Hilfe zu leisten, weil er am schnellsten vor Ort sein kann. Informiert werden aber auch immer die belgischen Behörden.

Lexi Hermanns hat einmal an einem schönen Sonntagnachmittag in einer Stunde rund 70 Personen gezählt, die den Vennbahnweg nutzten. Die Beinahe-Unfälle hat sie nicht gezählt. Auf mehreren Kreuzungen in Roetgen zeige sich immer wieder das gleiche Problem: „Als Autofahrer sieht man die Radfahrer einfach zu spät.“ Im Fall Neustraße sorge beispielsweise eine Hecke für eine strake Sichtbehinderung. „Die Autofahrer müssen sich regelrecht in die Kreuzung hineintasten.“ Ein Verkehrsspiegel würde die Situation bereits stark entschärfen, glaubt Lexi Hermanns: „Wenn man auf der Himmelsleiter einen Tunnel baut, dann müsste doch auch für einen Spiegel an der Neustraße das Geld reichen.“

Eigentlich sei der Vennbahnradweg ja eine tolle Idee, aber die Verkehrssicherheit sei noch verbesserungswürdig. Manchmal, so ihre Feststellung, sei es „unfassbar“, was sich auf dem Vennbahnweg abspiele. Die Verwirrung habe wohl auch damit zu tun, dass auf dem belgischen Gebiet der Ravel-Route der Radfahrer grundsätzlich Vorfahrt habe. Auch die Beschilderung, die an jeder Straßenkreuzung das Ende des Radweges markiere, sei nicht verständlich.

Bei der Städteregion Aachen teilt man die Auffassung, dass vor allem die Kreuzungspunkte gut einsehbar sein müssen. „Dazu müsste aber an einigen Stellen das Grünzeug noch besser und regelmäßiger zurückgeschnitten werden“, so Sprecher Detlef Funken. Die Straßenverkehrsbehörde in Aachen sei aber einer Meinung mit der Polizei, dass „ein Spiegel nur irritiert und in falscher Sicherheit wähnt“, da sei es besser, auf beiden Seiten anzuhalten und vorsichtig auf den Kreuzungsbereich zuzufahren, sagt der Städteregionssprecher.

Von den geschehenen Unfällen hat die ansonsten für den Radweg zuständige Städteregion Aachen keinerlei Kenntnis erhalten, „müssen wir auch nicht, weil es Belgien ist“, bestätigt Funken.

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