Nordeifel - „Krimihotel”: Sven Kraatz wird zu 1200 Euro Geldstrafe verurteilt

„Krimihotel”: Sven Kraatz wird zu 1200 Euro Geldstrafe verurteilt

Von: Klaus Pesch
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Mit Handzetteln und Plakaten hat Sven Kraatz wiederholt gegen Hotelprojekte in Vogelsang protestiert. Jetzt wurde er wegen Hausfriedensbruchs verurteilt und hat Berufung angekündigt. Foto: Pesch

Nordeifel. Mit einem leichten Lächeln wohnte der 40-jährige Sven Kraatz aus Dreiborn seiner Verhandlung im Gemünder Amtsgericht bei. Wegen Hausfriedensbruch in sieben Fällen auf dem Gelände Vogelsang stand der Kaufmann vor Gericht. Etliche Zuschauer waren erschienen, um das Verfahren zu beobachten. Außerdem waren acht Zeugen geladen, von denen schließlich fünf gehört wurden.

Kraatz, der auf die Unterstützung durch einen Rechtsanwalt verzichtete und seine Verteidigung selbst in die Hand nahm, konnte Richterin Claudia Giesen nicht von seiner Unschuld überzeugen. Sie verurteilte ihn wegen Hausfriedensbruchs in drei Fällen zu einer Geldstrafe in Höhe von insgesamt 1200 Euro. Nach der Verhandlung kündigte Kraatz an, dass er in Berufung gehen werde.

Führungen auf eigene Faust

Thomas Fischer-Reinbach, Geschäftsführer der Standort-Entwicklungsgesellschaft Vogelsang, sagte als Zeuge gegen den ehemaligen Referenten aus. Man habe ihm am 11. April vergangenen Jahres Hausverbot erteilt, weil er auf eigene Faust auf dem Gelände Führungen veranstaltet habe. Aus Protest gegen das ehedem geplante Krimihotel habe Kraatz Handzettel und Plakate verteilt und aufgehängt, obwohl ihm dieses untersagt worden sei. Dies wurde von mehreren Zeugen bestätigt.

Fischer-Reinbach nahm dabei Bezug auf eine Hausordnung aus dem Jahr 2006, die an zwei Stellen auf dem Gelände auch öffentlich einsehbar sei. Kraatz habe sich außerdem in der Öffentlichkeit als „Freier Referent” bezeichnet, der auf eigene Faust Führungen durchführe. Dazu habe er jedoch keine Berechtigung.

Daraufhin wollte Kraatz von dem Geschäftsführer wissen: „Was ist denn eine Führung?” Ob man das freie Wort in Vogelsang verbieten wolle? Richterin Claudia Giesen zeigte Verständnis für diese Fragestellung, erklärte aber, dass diese für den Strafvorwurf nicht von Belang sei. Die Kontrahenten könnten sich in dieser Frage ja außergerichtlich einigen. Sven Kraatz verfolgte in seiner Verteidigung die Strategie, dass das Vogelsang-Gelände unbefriedet sei.

Es gebe keine Zäune und durch Schilder werde man willkommen geheißen, was Kraatz mit Fotos, die er der Richterin und der Staatsanwältin überreichte, dokumentierte. Er beantragte, freigesprochen zu werden.

Die Staatsanwaltschaft schenkte jedoch den Ausführungen Fischer-Reinbachs Glauben. Vogelsang dürfe nur über offizielle Wege betreten werden. Einer Umzäunung des Gelände bedürfe es nicht, um ein Hausverbot aussprechen zu können. Sie beantragte eine Strafe von 40 Tagessätzen zu je 30 Euro.

Dem schloss sich das Gericht an. Richterin Claudia Giesen erklärte, alleine schon durch das Gebäude-Ensemble von Vogelsang werde deutlich, dass es sich um einen eingefriedeten Bereich handele. Ein dafür ausgesprochenes Hausverbot müsse beachtet werden.

Kraatz hatte zwar argumentiert, dass ihm damit das durch das Grundgesetz garantierte Recht auf freie Meinungsäußerung genommen werde. Doch das wollte Richterin Giesen nicht gelten lassen. Er dürfe auch dort seine Meinung frei äußern, solange er kein Hausverbot habe. Den Verantwortlichen gehe es nicht darum, Meinung zu beschränken, sondern sie wollten bestimmte Vorgänge nicht dulden.

Thomas Fischer-Reinbach sagte vor Gericht aus, er habe Kraatz das Hausverbot mittels normaler Postzusendung zukommen lassen. Dies konterte der Angeklagte damit, das ihn der entsprechende Brief nie erreicht habe. Und per Einschreiben sei auch nichts bei ihm eingegangen.

Dieses Faktum hatte Einfluss auf das Urteil. Denn einer der Zeugen, ein 33-jähriger Betriebswirt, sagte aus, er habe Kraatz am 21. Mai damit konfrontiert, dass er Hausverbot in Vogelsang habe. „Der wollte das zunächst ignorieren, fragte dann aber nach: ,Was für ein Hausverbot?”, sagte der Mann.

Richterin Giesen machte klar, dass die Erteilung eines Hausverbots keiner besonderen Form bedürfe. Spätestens seit diesem Vorfall habe der Angeklagte Kenntnis vom Hausverbot haben müssen. Alle Übertretungen, die sich danach ereignet hatten (es handelte sich um drei Fälle), wurden deshalb für das Urteil herangezogen.
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