Krimi in der Eifel: In Ruhe im Lammersdorfer Wald fahnden

Von: Isabelle Hennes
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Ein roter Bus mitten im Lammer
Ein roter Bus mitten im Lammersdorfer Wald: Hier hatte das Filmteam des WDR für einige Tage sein Lagezentrum eingerichtet. Foto: Isabelle Hennes

Lammersdorf. Am Rande des Lammersdorfer Waldes sieht zunächst nichts ungewöhnlich aus. Lediglich zwei rot-weiß gestreifte Hütchen stehen am Straßenrand und sollen Ortsunkundigen den Weg weisen. Nach rund drei Kilometern folgen weitere Hütchen - eine „Kreuzung” mitten im Wald.

Dann taucht plötzlich aus dem Nichts eine Flotte weißer Lastwagen auf, es folgen Pavillons, Zeltgarnituren und schließlich ein großer roter Bus.

Das ist die Basis des WDR-Filmteams, das jetzt im Lammersdorfer Wald seine Zelte aufgeschlagen hatte. Ein paar Meter Luftlinie entfernt stehen Kameraleute, Schauspieler und Assistenten dicht gedrängt unter einer Plane: Der Dreh musste wegen des Regens unterbrochen werden.

Hier, auf einer Lichtung, entstehen Szenen für einen historischen Fernseh-Krimi. Noch trägt er den Arbeitstitel „Der Fall Hagedorn”. Hans Erwin Hagedorn war ein Sexualstraftäter und mehrfacher Kindermörder. Trotz einer langwierigen Fahndung, die später eingestellt wurde, kam man dem Täter lange nicht auf die Spur. Der Krimi spielt Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR).

Der Grund, warum das Team um Edgar Kochs, Produktionsleiter, in die Eifel gekommen ist, hat Gründe. Es gibt hier noch mehrere Bunker. „Der Bunker ist im Film eine Art Ausgangspunkt für die polizeilichen Ermittlungen”, sagt Kochs. Die Kinder, die Hagedorn zum Opfer fallen, spielen im Film an einem Bunker. Eine Art Abenteuerspielplatz, wenn man so will. Der Täter hat auf diese Weise die Möglichkeit, die Kinder in den Wald hinein zu locken.

Außerdem ist der Lammersdorfer Wald weitläufig. „Hier müssen wir nicht befürchten, dass uns ständig ein Wanderer über den Weg läuft”, sagt Kochs. Das Team wird nicht gestört und stört nicht - optimale Voraussetzungen. Bis auf das Wetter. „Und, dass es ein bisschen sehr weit weg von Köln ist”, sagt Kochs schmunzelnd.

Da die Dreharbeiten begonnen wurden, als es trocken war, muss nun beim Regen eine Pause eingelegt werden. Das wäre ja sonst nicht authentisch. Wie Zeitzeugen hingegen wirken vier Trabis, die am Wegrand stehen. Die pastellfarbenen, extra für den Dreh herbeigeschaffte Wagen sind sonst quer durch die Republik verteilt.

Aus kriminaltechnischer Sicht ist es vor allem die Erstellung eines Täterprofilings (Täterprofils), das den Film interessant macht. Die Kommissare Heinz Gödicke und Stefan Witt, Major des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), sollen den bestialischen Mord an zwei neunjährigen Jungen aufklären. Herkömmliche Verfahren wie Zeugenaussagen bringen sie nicht weiter.

Als ihn der Staatsanwalt auf die Parallelen zum westdeutschen Fall Jürgen Bartsch aufmerksam macht, will er die Ermittlungen in eine neue Richtung lenken. Im historischen Fall fertigt der Berliner Gerichtspsychiater Hans Szewczyk in der DDR ein Täterprofil an, das zu dem Ergebnis kommt, der Täter müsse ein pädophiler Sadist sein. Anschließend führten großangelegte Befragungen in Schulklassen die Kripo zum Erfolg.

Die Kosten für den Streifen liegen bei 1,75 Millionen Euro. Das ist schon eine größere Produktion. Zudem wird die WDR-Produktion noch mit 450 000 Euro von der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen gefördert. „Bei uns ist immer das Thema entscheidend”, sagt Erna Kiefer von der Stiftung. Außerdem müssen von jedem geförderten Euro mindestens 1,50 Euro in Nordrhein-Westfalen ausgegeben werden. Das wird von einer unabhängigen Prüfungsgesellschaft der Filmstiftung kontrolliert.

Hinzu kommt, dass Stephan Wagner Regie führt. Er wurde bereits 2004 mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Auch die Schauspielbesetzung kann sich sehen lassen: Ronald Zehrfeld („Im Angesicht des Verbrechens”, „Im Dschungel”, „Die Grenze”), Ulrike Tscharre („Im Angesicht des Verbrechens”, „Weniger ist mehr”) und Florian Panzner („Der Preis”, „Die Wölfe”, „Weiße Stille”).

Laufen soll der Krimi frühestens 2013. Für das Team geht es in den kommenden Tagen weiter nach Köln und Solingen. Dort stehen die nächsten Szenen an. Im Lammersdorfer Wald kehrt dann die übliche Ruhe ein.
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