Kriegsende in Kesternich: Als der Widerstand brach

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Winter 1945: Der Schnee überdeckte vor 70 Jahren die vielen Zerstörungen in Kesternich.

Kesternich. Gerhard Kristan berichtete in einem spannenden und fundierten Vortrag über die Einnahme Kesternichs vor genau 70 Jahren. Das Pfarrheim in Kesternich war voll besetzt und der Heimatverein Kesternich freute sich als Veranstalter über das rege Interesse.

Gerhard Kristan hatte bereits während seiner beruflichen Tätigkeit bei der Nato und später auch durch die Betreuung amerikanischer Kriegsveteranen an den Kriegsschauplätzen in der Eifel einen engen Bezug zum Thema. Er war auch mehrfach zu Besuchen und Recherchen in den Vereinigten Staaten. Schwerpunkt der Ausführungen waren die Ereignisse in Kesternich. Der Referent stellte zwar die Bezüge zur politischen und militärischen Gesamtlage 1944/45 her, ging dann aber im Detail auf die Kämpfe in Kesternich ein.

Besatzung zweimal gewechselt

Im Laufe der Kriegsgeschehnisse wechselte die militärische Besatzung im Dorf zweimal. Als es zum entscheidenden Angriff der Amerikaner kam, hatte man sich exakt vorbereitet. Die Amerikaner hatte in einer Karte jedes Haus vermerkt und durchnummeriert, um eine Grundlage für den anstehenden Häuserkampf zu haben. Der Widerstand der deutschen Soldaten, die der 272. Volksgrenadier-Division angehörten, war verbissen.

Die Amerikaner brauchten vom 31. Januar bis zum 2. Februar 1945, um das gesamte Dorf einzunehmen, obwohl die deutschen Verbände schon erheblich geschwächt waren. Die genauen Kampflinien zum Ende jedes Tages ließen sich anhand des amerikanischen Kartenmaterials und der Zuordnung der Gebäude ihren Bewohnern zuordnen, was bei den Zuhörern auf lebhaftes Interesse stieß.

Eine besondere Rolle auf amerikanischer Seite spielte ein Sergeant Kelly, der, obwohl er bereits am Rücken und einer Hand verletzt war, in einer verzweifelten Aktion im Alleingang eine deutsche Maschinengewehr-Stellung angriff und ausschaltete. Er überlebte diesen Angriff ebenso wenig wie vier deutsche Verteidiger. Aber damit war der Weg ins Unterdorf Kesternich frei. Posthum wurde er mit den höchsten amerikanischen Kriegsauszeichnungen geehrt und wurden in Stuttgart eine Kaserne, in den USA eine Brücke und ein Kriegsschiff nach ihm benannt.

Ein weiteres Beispiel für Zivilcourage war dann die Haltung eines amerikanischen Kompaniechefs, der sich geweigert hatte, ohne weitere Unterstützung seine Leute in hoffnungsloser Lage in den Kampf zu schicken. Deshalb wurde er von seinem Posten abgelöst. Im Anschluss an den Vortrag stand Gerhard Kristan noch für Fragen und Anmerkungen persönlich zur Verfügung.

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