Monschau - Kreuzotter flüchtet vor den Radfahrern

Kreuzotter flüchtet vor den Radfahrern

Von: Heiner Schepp
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Gut 50 Zentimeter lang war die Kreuzotter, die Gabi Vogelsberg-Pinnow und ihr Mann Hajo auf dem Vennbahnradweg zwischen dem Monschauer Bahnhof und Konzen entdeckten und fotografierten. Während die Giftschlange sich auf dem Asphalt nur langsam bewegte, war sie auf dem Schotter flugs im hohen Gras verschwunden. Foto: Gabi Vogelsberg-Pinnow
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Die Kreuzotter interessierte sich nicht großartig für ihre „Entdecker“ und veranstaltete auch keinerlei Drohgebährden, im Gegenteil: Rasch flüchtete das Tier ins schützende Gestrüpp am Wegesrand.

Monschau. Gabi Vogelsberg-Pinnow traute ihren Augen nicht: Was sich da auf dem Asphalt des Vennbahn-Radweges zwischen Monschau und Konzen schlängelte, war keine Blindschleiche, wie man sie in unserer Gegend häufiger antrifft. „Dafür war das Tier einfach zu groß.“ Die Rohrenerin dachte schon eher an eine Ringelnatter, die da den Radweg kreuzte.

Geistesgegenwärtig stieg sie vom Rad und rief ihren Mann Hajo zurück, der vorausfuhr und das Tier offenbar nicht bemerkt hatte. Rasch kramte die Radlerin ihre Kamera hervor und schoss ein paar Bilder von ihrer Entdeckung. „Das musste sehr schnell gehen, denn als die Schlange erst mal den Schotterbelag am Wegrand erreicht hatte, verschwand sie blitzschnell im Gebüsch, während sie sich auf dem Asphalt nur sehr langsam fortbewegt hatte“, berichtet Gabi-Vogelsberg-Pinnow, die sehr fasziniert war vom wunderschönen Zick-Zack-Muster des Tieres. Angst habe man nicht gehabt, „die Schlange hat ja keinerlei Drohgebährden gemacht, sondern schien eher Angst vor uns zu haben“, sagt die Leserin aus Rohren.

Zuhause recherchierten die Eheleute zunächst im Internet, um welches Tier es sich da gehandelt haben könnte, fanden aber keine eindeutigen Hinweise. „Deshalb haben wir gleich am nächsten Tag die Fotos an zwei Experten gemailt“, erzählt Gabi Vogelsberger-Pinnow.

Gerhard Ahnert, beim Nationalpark Eifel unter anderem für Biotop- und Wildtiermanagement zuständig, mochte sich aber zunächst auch nicht hundertprozentig festlegen. „Die Zeichnung spricht für eine Kreuzotter, in der Nordeifel meines Wissens noch nie beschrieben, die Wahrscheinlichkeit eher für eine Schlingnatter“, antwortete Ahnert und kündigte an, sich weiteren fachlichen Rat einzuholen.

Dieser kam schließlich von Dr. Lutz Dalbeck von der Biologischen Station Düren, der nicht nur der Biberfachmann der Einrichtung ist, sondern sich auch nach Vorlage der Bilder vom Vennbahnradweg sicher war: Es handelt sich um eine Kreuzotter. Im vergangenen Jahr, so Dr. Dalbeck, sei ein sehr ähnliches Foto einer Kreuzotter im Hohen Venn entstanden.

Auch Dr. Heinz-Eike Lange vom Nabu-Kreisverband Aachen ließ keine Zweifel. „Es handelt sich um eine Kreuzotter, der der warme Bodenbelag gefallen hat. Sie hat Glück vor rasenden Radfahrern der Ravel-Route gehabt“, unkte der örtliche Naturschutz-Bund-Vorsitzende und gratulierte zum seltenen Schnappschuss.

In der Tat wurde die Kreuzotter in unserer Region bislang nur selten gesichtet. Zwar ist die unter Naturschutz stehende Giftschlange aus der Familie der Vipern laut Naturlexikon in weiten Teilen Europas und auch Deutschlands zu finden, fehlt aber in den klimatisch geeigneten westlichen Mittelgebirgen, also auch in der Eifel, nahezu vollständig.

Umso überraschender nun die Entdeckung des radelnden Paares aus Rohren. „Wir möchten aber mit unseren Bildern und Berichten keineswegs Angst und Schrecken verbreiten“, stellt Gabi Vogelsberg-Pinnow klar. Vielmehr appelliere man an alle, die beim Radeln, Wandern oder Joggen ebenfalls einem solchen Tier begegnen sollten, sich einfach ruhig zu verhalten und sich nicht auf die Schlange zuzubewegen.

Denn: „Kreuzottern sind sehr scheu. Bei Gefahr flüchten sie sofort. Ein Zubiss erfolgt nur dann, wenn man sie massiv bedroht, sie anfasst oder auf sie tritt“, ist bei „Wikipedia“ nachzulesen. Und dort ist auch vermerkt, dass der Biss einer Kreuzotter zwar schmerzhaft, aber höchst selten lebensbedrohend ist, da die ausgeschiedene Giftmenge recht gering ist und auf die kleinen Beutetiere wie Mäuse oder kleine Reptilien ausgelegt ist. Danach wären bei einem Erwachsenen erst die Bisse von fünf Kreuzottern lebensgefährlich, heißt es in dem Artikel, der aber auch darauf hinweist: „Nur für Kinder und alte Menschen kann der Biss einer Kreuzotter je nach Begleitumständen und körperlicher Konstitution gefährlich werden.“

Hysterie ist also ebenso wenig angezeigt wie eine Schlangenjagd. Die Experten und die Radler aus Rohren sind sich nach der überraschenden Begegnung einig: Man sollte sich darüber freuen, dass sich offenbar nun auch ein bislang hier nicht vorkommendes Tier in unserer artenreichen Natur wohlfühlt.

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