Kreissynode: Nicht nur übers Sparen reden

Von: Udo Kals
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Aachen. Ob drohender Personalengpass, Finanzprobleme oder die sinkende Zahl von Gemeindemitgliedern - die evangelische Kirche im Kirchenkreis Aachen steht auch in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen.

Superintendent Hans-Peter Bruckhoff spricht von einer „bleibenden Kirchenreform” und ist zugleich zuversichtlich, dass mit notwendigen Strukturveränderungen die Kirche in eine sichere Zukunft geführt werden kann.

Doch er betont vor der am Freitag in Aachen beginnenden Kreissynode: „Bei allem kaufmännischen Denken, das nötig ist, darf nicht nur ein Weg des Sparens beschritten werden. Wir müssen mit den Gemeinden vor Ort gemeinsam Ideen entwickeln und den Menschen Angebote machen, damit sie mit uns mitgehen. Denn unser Ziel ist, eine Kirche aus lebendigen Steinen zu erhalten.”

Dass diesem Ansinnen durchaus Steine zum Opfer fallen können und Kirchen eventuell geschlossen werden müssen, ist Bruckhoff bewusst: „Wir müssen unsere Gebäude - ob Kirchen, Gemeindesäle oder andere Immobilien - auf den Prüfstand stellen und uns fragen, wo wir effektiver werden können. Wobei natürlich allen klar ist, dass der Gottesdienst das Zentrum des kirchlichen Lebens ist.”

Und so betont der Geistliche: „Wir müssen schauen, in welchen Bereichen wir noch enger kooperieren können.” So steht etwa Anfang 2011 eine Fusion der Gemeinden Roetgen und Monschau an. Und auch im Nordraum mit den Gemeinden Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath, Hoengen-Broichweiden, Merkstein, Setterich-Siersdorf und Würselen stehen Veränderungen an.

„Wichtig ist, dass die Reformen von der Basis kommen.” Wie etwa in Aachen, wo sich die Protestanten schon seit Jahrzehnten zu einer großen, gegliederten Gesamtgemeinde zusammengeschlossen haben.

Dass vor dem Hintergrund weiter ständig sinkender Einnahmen der Handlungsspielraum nicht größer wird, macht Bruckhoff auch deutlich. „Zwar ist der Einbruch der Kirchensteuereinnahmen im Krisenjahr 2009 nicht so stark gewesen wie befürchtet. Doch Jahr für Jahr haben wir 1,5 bis drei Prozent weniger Geld zur Verfügung - und dies bei steigenden Personalkosten.”

Dabei sieht er eine parallele Entwicklung mit Sorge: Die Pfarrer werden knapp. „Viele Kollegen gehen bald in Pension, spätestens im Jahr 2020 droht ein großes Nachwuchsproblem, weil die Zahl der Theologiestudenten seit Jahren rasant sinkt.” Dem sieht die Kirche indes nicht tatenlos zu. „Die Landeskirche geht etwa an die Gymnasien heran, um dort auch den Beruf des Pfarrers ins Spiel zu bringen”, sagt Bruckhoff und hofft auf eine Trendwende.

Auch in anderen Bereichen spricht der Kirchenkreis mit seinen 84.000 Gemeindemitgliedern zwischen Baesweiler und Blankenheim in Zeiten des demographischen Wandels die Menschen an, um sie für die Kirche zu gewinnen. „Brücken bauen” heißt die bereits Ende der 90er Jahre gestartete Kampagne, in deren Rahmen etwa die Initiative „Engagiert älter werden” läuft.

Ein anderes Projekt ist die Stadtakademie Aachen, die vor fünf Jahren ins Leben gerufen wurde. Bruckhoff: „Wir müssen auf die Menschen zugehen und wollen ihnen gleichzeitig Orientierungspunkte geben, ohne sie bevormunden zu wollen.”

Inhaltliches Hauptthema der Kreissynode, die am Freitag und Samstag, 12. und 13. November, im Haus der evangelischen Kirche, Frère-Roger-Straße 8-10 in Aachen, stattfindet, ist der Krieg in Afghanistan. „Gerechter Krieg - gerechter Friede: Was geschieht (in unserem Namen) in Afghanistan” lautet der Titel einer Podiumsrunde, die am Samstag um 9.30 Uhr mit zwei Impulsreferaten von Landeskirchenrätin Christine Busch und Dr. Thomas Griese, Staatssekretär a.D. und Grünen-Chef in der Städteregion, beginnt.

Danach haben die Teilnehmer ab 10.30 Uhr die Möglichkeit, in Arbeitsgruppen mit Experten zu diskutieren, darunter die evangelischen Militärseelsorger Dr. Dirck Ackermann und Ulrich Höltershinken, der Journalist Paul Elmar Jöris und Oberstleutnant Thomas Sohst vom Bundeswehrverband. Ein Schlusspodium mit den Experten schließt sich um 12.15 Uhr an.
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