Krankenhaus Simmerath: Am Anfang waren vier Zellitinnen

Von: dm
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So sah das Simmerather Krankenhaus früher aus: Die Aufnahme (vermutlich um 1920) ist nicht genau datiert.

Simmerath. Mit dem Zug nachmittags gegen drei kamen die vier Schwestern der Zellitinnen aus dem Mutterhause in Köln am Bahnhof in Lammersdorf an. Dann wurden sie „unter dem Beiern der Glocken” zur geschmückten Kirche nach Simmerath geleitet. Pfarrer Peter Toussaint-Quadflieg begrüßte die Schwestern an „ihrer neuen Wirkungsstätte”.

Die „neue Wirkungsstätte” - das waren Räume in der früheren Pastorat und Vikarie (heute Altbau des Pfarrheims), die „Wirkungsstätte” war aber vor allem das Krankenhaus in Simmerath.

Eingeweiht wurde das Haus vor nunmehr 100 Jahren - am 1. Oktober 1909. Das neu errichtete Schwesternhaus wurde bereits einige Tage zuvor, am 28. September, eröffnet. Nach einer Andacht in der Kirche werden die Schwestern in einer Prozession zu ihrem neuen Haus geleitet.

Das Ereignis der Einweihung des Krankenhauses wurde mit einem großen Fest gefeiert, dazu hatten sich „viele Bewohner der Umgegend” versammelt, „besonders stark” vertreten war die hohe Geistlichkeit; auch Landrat Dr. von Kesseler und der Kreisarzt Dr. Peren waren gekommen, dazu etliche Bürgermeister, so auch Simmeraths Bürgermeister Gerards, wie dem Montjoie„r Volksblatt vom 2. Oktober 1909 zu entnehmen ist.

In seiner Rede würdigte der Landrat Pfarrer Quadflieg der sich besonders „für das Zustandekommen des Krankenhauses” eingesetzt habe. Den Grundstein für das Krankenhaus aber hatte der damalige Landrat Dr. von Kesseler schon im Jahr 1908 gelegt: Als er im weit ausgedehnten Eifel-Kreis Monschau die Wohlfahrtspflege einrichtete, entschied er sich für einzelne Stützpunkte.

So entstand 1909 im alten Pfarrhaus von Simmerath ein provisorisches Krankenhaus. Vier Ordensschwestern der Zellitinnen traten für den zehn Gemeinden zählenden Bezirk ihren Dienst an; sie leisteten ambulante Krankenpflege, Tuberkulosen- und Säuglingspflege, unterhielten eine Haushalts- und Kinderbewahrschule und eine Suppenküche für auswärtige Schulkinder.

Die Räume waren bald zu eng, und im Winter 1913 stand das neu errichtete St. Brigida-Krankenhaus an der Kammerbruchstraße mit 35 Betten, der Grundstein dazu war am 15. Juni 1913 gelegt worden, die Einweihung erfolgte am 24. Mai 1914. Für den Neubau, so ist überliefert, spendete die Simmerather Bevölkerung 40.000 Mark.

Zunächst als Belegkrankenhaus geführt, stellte die Gemeinde das Haus ab Beginn des ersten Weltkrieges für verwundete Soldaten zur Verfügung. Zeitweilig wurden dort bis zu 120 Soldaten, vorwiegend aus dem Monschauer Land, versorgt.

1927 ging St. Brigida in den Besitz der Zellitinnen über. Das ständige wachsende Vertrauen in die Medizin und die dadurch ansteigende Patientenzahl führten mit Unterstützung der Bezirksregierung zum Ausbau des Krankenhauses.

Nachdem in den 50er Jahren der erste Seitenflügel, die Kapelle, ein Operationstrakt und die Aufstockung des Altbaus fertig gestellt wurden, folgten 1959/60 der Ausbau der 50 Betten zählenden Abteilung für Innere Medizin und der Neubau eines Schwesternwohnheimes.

1977 war die Bettenzahl, begleitet von entsprechenden Um- und Erweiterungsbauten, auf 224 Betten gestiegen. Durch die Rahmen- und Strukturveränderungen im Gesundheitswesen verfügt das Krankenhaus seit dem 1. Januar 2003 über 135 Planbetten. Trotz starker Reglementierung im Gesundheitswesen sind stets weitere Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt worden, wie z. B. den Neubau einer interdisziplinären Intensivstation oder die Komplettsanierung der Wahlleistungsstation.

Nach über 80-jähriger Trägerschaft übergaben die Zellitinnen angesichts rückläufiger Schwesternzahlen das Krankenhaus im Januar 1997 an die Malteser.

Zu den besonderen Stärken des Krankenhauses, eine Akut-Klinik der Grundversorgung mit 137 Betten, eingerichtet sind vier Hauptabteilungen: Chirurgie, Gynäkologie, Innere Medizin und Intensivmedizin) ) gehört heute vor allem auch die Interdisziplinäre Notfallambulanz (Zentralambulanz), die rund um die Uhr für die Bürger der Region geöffnet ist. Dort gab es im Jahr 2007 mehr als 12000 Patientenkontakte. Im Jahr 2007 wurden 5134 Patienten stationär behandelt, die Zahl der Operationen lag bei 1172.

Die Gesundheitsreformen der letzten Jahre haben neue Entwicklungen im Krankenhauswesen eingeleitet. Durch Kostendruck, steigende Qualitätsansprüche und Zulassungsregelungen besteht für kleinere Krankenhäuser die Gefahr, vom Markt verdrängt zu werden. Das erklärte Ziel der Eifeler Kommunalpolitiker aller Parteien ist der unbedingte Erhalt des Krankenhauses in Simmerath.
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