Kraniche legen Schlechtwetter-Stopp in der Eifel ein

Von: hes
Letzte Aktualisierung:
kranichebild
„Ein imposantes Naturschauspiel” hielt unser Leser Jörg Habel am Montagnachmittag in Schmidt-Kommerscheidt mit seiner Kamera fest, als er die notgelandeten Kraniche vor die Linse bekam.

Nordeifel. Scharen von Kranichen haben am späten Montagnachmittag und in der Nacht zum Dienstag einen außerplanmäßigen Stopp in der Nordeifel eingelegt.

Vermutlich aufgrund des trüben Wetters mit tief hängenden Wolken, Schneegriesel, Nebel und Kälte verloren mehrere Formationen die Orientierung und mussten sich immer wieder am Boden und in der Luft sammeln.

Die Tiere flogen laut schreiend im Kreis, um sich neu zu formieren und zu orientieren. Durch die Kräfte zehrenden Suchflüge bei nass-kaltem Wetter setzten einige Kranichtrupps an verschiedenen Plätzen zur Landung an und rasteten.

So landete ein großer Verbund von mehr als 1000 Vögeln gegen 16 Uhr am Montag auf den Wiesen unterhalb der Reichensteiner Straße in Mützenich.

Mehr und mehr kleine Gruppen, die sich offenbar ebenfalls verirrt hatten, gesellten sich - angelockt durch die weit reichenden Rufe ihrer Artgenossen - zum Riesenschwarm auf den Wiesen in Verlängerung des Weilersbroich. Nach knapp einstündiger Pause und trotz hereinbrechender Dunkelheit erhoben sich die Kraniche wieder in die Lüfte. „Das war wie eine graue Wand”, zeigte sich eine Beobachterin beeindruckt.

Auf ihre Route fanden die Zugvögel anschließend offenbar aber zunächst nicht gleich zurück, denn bis tief in die Nacht meldeten Beobachter in Mützenich, Imgenbroich, Höfen und im Raum Simmerath immer noch die unverwechselbaren Trompetenrufe offenbar großer und sehr tief fliegender Kranichgruppen.

Fast zeitgleich zu den rastenden Kranichen in Mützenich machte unser Leser Jörg Habel sehr ähnliche Beobachtungen in Schmidt-Kommerscheidt. „Hunderte Kraniche landeten hier, nachdem sie zuvor orientierungslos durch Schneefall und Nebel stundenlang über Schmidt gekreist waren”, berichtete der Augen- und Ohrenzeuge von einem „imposanten Naturschauspiel”, das er auch mit der Kamera festhielt.

Während hier und im Raum Monschau im Laufe der Nacht wieder Ruhe einkehrte, meldete unser Leser Roland Schultner auch am Dienstagmorgen gegen 9 Uhr noch einmal einen Trupp Kraniche über Rott. „Die Formation kam aus Richtung Nordost und zog nach Südwest, kam aufgrund des heftigen Schneeregens jedoch nach fünf Minuten wieder zurück.” Der Schneeregen habe die Kraniche offensichtlich irritiert, vermutet der Rotter.

Kilometerweit zu hören

Im dichten Nebel und Schneetreiben waren die Kraniche dann am Dienstag über Tag nur noch zu hören, nicht aber mehr zu sehen. Das laute „Trompeten” ist ein unverwechselbares Merkmal des Kranichs. Im offenen Gelände und je nach Witterung sind rufende Altvögel zwei Kilometer und weiter zu hören. Ihr gewaltiges Stimmvolumen verdanken sie dem besonderen Bau und der enormen Länge ihrer Luftröhre, die das Brustbein als Doppelschlinge durchzieht und die bis zu 1,30 Meter messen kann. Jungvögel lassen dagegen nur ein hohes Fiepen hören.

Brutreviere im Norden

Die Kraniche, die unseren Raum überfliegen, nehmen die westliche Route und kommen zumeist aus ihren Brutrevieren in Skandinavien, den baltischen Staaten und auch in Norddeutschland. Auf dem Weg in ihre Winterquartiere durchqueren die Kraniche Deutschland auf einem recht schmalen Korridor von der vorpommerschen Boddenlandschaft via Weserbergland, Ruhrgebiet, Siegerland, Eifel, Bonn und Moseltal.

Die Vögel verbringen die Wintermonate überwiegend im sonnigen Spanien oder in Frankreich. Ihr wichtigstes Überwinterungsgebiet liegt in der Extremadura im Westen Spaniens. Dort suchen die Vögel traditionell in den lichten mediterranen Eichenwäldern nach den Früchten der Stein- und Korkeichen. Dort sammeln sich dann von Januar bis März wieder Zehntausende zum Abflug nach Nordosten. Manchmal jedoch mit Hindernissen ...
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert