Konzener startete beim Ultratraillauf in Rumänien

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Nordeifel. Durch den Hinweis von einem Freund ist Holger Lapp aus Konzen auf den Lauf „Transylvania 100k” in Rumänien aufmerksam geworden. Das ist ein Ultratraillauf über 100 Kilometer mit über 6000 Höhenmetern im Anstieg. Start und Ziel sollten am Fuße des Schlosses Bran sein, das auch als Dracula-Schloss bekannt ist. Holger Lapp hatte „Blut geleckt”.

Rumänien ist ein Land, für das er sich vorher nur sehr wenig interessiert hatte und über das er noch weniger wusste, nur die üblichen Vorurteile waren ihm bekannt. Aber diese wurden ziemlich schnell ausgeräumt. Durch seine Werbung für den Lauf in den sozialen Medien wurden schnell noch weitere Läufer aus Deutschland und Belgien auf diesen Lauf aufmerksam, und so brach er mit den beiden belgischen Ultratrailläufern Arno Lux und Stephan Peters in ein Abenteuer auf.

Trillerpfeife gegen Bären

Freitagabend versammelte sich die kleine Läufergemeinde in der Turnhalle von Bran. Die Anzahl der Teilnehmer verteilte sich in gleichen Teilen auf die 100- und 50-Kilometer-Strecke. Die Teilnehmer kamen überwiegend aus Rumänien, Deutschland und England. Alle waren gespannt, denn erst Anfang der Woche hatte es in den Karpaten wieder geschneit und es hieß, die Läufer müssten eine andere Strecke nehmen.

Das Orgateam hatte die beiden Tage kaum geschlafen und die neuen Strecken erkundet, markiert und in letzter Minute noch Karten drucken lassen. Noch eine Besonderheit wartete auf die Teilnehmer. Jeder wurde mit einer Trillerpfeife ausgestattet mit dem Hinweis, sie im Wald unbedingt permanent zu benutzen. Denn nur so könnten die häufig vorkommenden Bären ferngehalten werden.

Nach der Vorstellung der Strecke und der Besonderheiten wurden die Pflichtausrüstung jedes Teilnehmers genauestens überprüft. Vorgeschrieben waren 500 Gramm Notfallproviant, Erste-Hilfe-Set, Regenbekleidung, Handschuhe, Mütze, Handy, Notfalldecke, 1 Liter zu trinken, Kompass und Karte. So kamen schnell fünf Kilogramm zusammen.

Der Startschuss viel dann vor der eindrucksvollen Kulisse im Schatten des Schlosses Bran. Das Wetter war gut. Nicht zu kalt und trocken, doch der Blick auf die Berge war noch verhangen. Nach rund etwa zwei Kilometern wurden die 50- und 100-km-Läufer getrennt. Für die 100-km-Läufer ging es dann auf den ersten langen Anstieg. Auf rund acht Kilometern mussten 1400 Höhenmeter überwunden werden. Am Ende des Anstieges auf einer Höhe von 2200 Metern erwartete die Läufer der Schnee der letzten Tage. Der Wind pfiff, aber die Aussicht auf die umliegenden Gipfel und ins Tal waren eine Entschädigung. Im Wald wechselte er sich mit Stephan Peters immer wieder ab und jeder machte mal den „Bär-bleib-weg-Lärm” mit seiner Pfeife.

Es folgten mehrere kurze und heftige Auf- und Abstiege durch die Wälder, gespickt mit ein einigen Bachdurchquerungen. Das Wetter wurde zunehmend schlechter, Wind und Regen ließen die Temperatur und die Stimmung sinken.

Kurz vor Kilometer 30 kam noch mal die Sonne raus und trocknete die Läufer – nur damit sie sich beim kommenden Anstieg wieder nass schwitzen konnten. Denn jetzt stand der zweite lange Anstieg an. Mit 1100 Höhenmetern auf nur fünf Kilometern war er noch etwas steiler als der erste. Zudem gab es wieder Schnee auf dem Gipfel. Die Anstiege nutzte Holger Lapp immer wieder, um sich zu Hause bei seiner Frau Ina per SMS zu melden. Denn die Familie war nicht mitgereist und fieberte zu Hause mit.

An dem Verpflegungspunkt bei Kilometer 35 waren schon 3500 von 6100 Höhenmetern geschafft. Jetzt wechselte er die Socken und fühlte seine Speicher mit Tee, Bananen und Nüssen auf und machte sich alleine weiter auf den Weg.

Mit Stirnlampen durch die Nacht

Der nächste Teil der Strecke war wieder ein Auf und Ab durch die Wälder . An zwei Stellen war er froh sein Navigationsgerät dabei zu haben, denn ansonsten hätte er den Weg nicht ganz so einfach gefunden. Bei Kilometer 50 erreichte er den Verpflegungspunkt am Stausee.

Von hieran bis zum Kilometer 80 teilte er sich den Weg mit einem Ultraveteran aus Deutschland. Sie hatten Glück und konnten die letzten Ausblicke auf den Bucsa, einen der Berge der transsilvanischen Alpen, genießen. Bevor sie mit dem Sonnenuntergang den Abstieg angingen, wurden die Stirnlampen ausgepackt. Da sich bei seinem Mitstreiter Magenprobleme einstellten, trat Lapp die letzten 20 Kilometer alleine an. Klingt nach nicht viel, aber es kamen noch mal 700 Höhenmeter und ein langer Anstieg zum „Withe Stones”. Oben angekommen war alle Müdigkeit wie weggeblasen, das Adrenalin stieg, er würde es schaffen, nur noch zwei kleine Anstiege und dann runter ins Tal.

In Bran angekommen, wurde er dann von einem sehr unfreundlichen Hund empfangen, der aber schnell abzog, als er sich ihm brüllend und mit seinen Stöcken bewaffnet entgegenstellte. Es ging noch mal einige Meter die Rampe zur Burg hoch und dann war es geschafft. Nach 20 Stunden und 30 Minuten erreichte Lapp das Ziel, bekam eine handgemachte Holzmedaille, die daheim schon aufgrund ihrer Einzigartigkeit einen Ehrenplatz erhielt, und einen warmen Tee. Das Rennen beendete er als Fünfter in der Gesamtwertung. Zuhause konnte die Familie endlich aufatmen.

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