Das Günther Rönnig Musikhaus in Konzen schließt nach fast 40 Jahren

Konzener Musikhaus Rönnig: Schlussakkord nach fast 40 Jahren

Von: Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
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Ausklang im Konzener Musikhaus Rönnig: Inhaber Günther Rönnig löst nach fast 40 Jahren sein Geschäft in der Heerstraße auf. Foto: P. Stollenwerk

Konzen. „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“ hat Friedrich Wilhelm Nietzsche einmal gesagt. Dieser Redensart kann auch Günther Rönnig ohne Einschränkung zustimmen, aber in diesen Tagen mischen sich auch ein paar traurige Töne in das bekannte Zitat des deutschen Philosophen. Für Günther Rönnig neigt sich das Kapitel Musik dem Ende zu. Nach fast 40 Jahren schließt der Musikalienhändler sein Geschäft in der Konzener Heerstraße.

Hier, mitten im Wohngebiet, eröffnete er 1978 sein Geschäft, für das nun der Schlussakkord eingeläutet wird. Am 3. Dezember ist Totalausverkauf; danach werden die beiden Geschäftsräume im Wohnhaus aufgelöst. Das noch ganz traditionell eingerichtete Musikhaus mit Konzertgitarren, die an der Wand hängen, Glasvitrinen, die besondere Artikel enthalten, und Regalen, vollgepackt mit Ersatzsaiten und Notenbüchern, hat die Zeit nicht überdauert. Das weiß auch Günther Rönnig. Der 77-Jährige sieht keine Zukunft mehr für sein kleines Geschäft.

„Es lohnt sich einfach nicht mehr. Manchmal kommt wochenlang kein Kunde“, sagt Rönnig. Die immer stärker werdende Konkurrenz des Onlinehandels habe ihn immer mehr ins Abseits gedrängt. „Da kann ich allein schon von der Preisgestaltung her nicht mithalten.“ Er macht den Kunden, die ausbleiben, keinen Vorwurf: Das seien eben die Gesetze des Marktes. Aber auch eine andere Erfahrung machte er in seiner jahrzehntelangen Tätigkeit: „Im eigenen Land wirst du niemals Fürst“, sagt er schmunzelnd.

Lieblingsinstrument Gitarre

Erst spät entdeckte der gebürtige Rollesbroicher die Musik. Als 18-Jähriger begann er zunächst eine Malerlehre beim Betrieb Goffart in Monschau. Schon bald erkrankte er aber langfristig, und so nutzte er die Zeit, um Gitarre zu lernen. In dieser Zeit habe er täglich fünf bis sechs Stunden geübt, erzählt Günther Rönnig. Er erweiterte seine musikalischen Fähigkeiten auf einem Musikkonservatorium in Aachen und bildete sich in Harmonielehre weiter, was später einmal die Grundlage für die Erteilung von Musikunterricht für Klarinette, Saxophon, Gitarre und Keyboard sein sollte.

Zur Gitarre griff Rönnig, „weil ich auch immer gerne gesungen habe“. Dies praktizierte er später in der Tanzkapelle „Tornado“ und heute noch im Büsbacher Männerchor. Aber seine stärkste musikalische Zuneigung gehört der Gitarre und hier vor allem den spanischen Komponisten. Im Jahr 1961 gründete Günther Rönnig das Mandolinenorchester Konzen, das er auch zwölf Jahre lang leitete, wie auch vorübergehend das Mandolinenorchester Huppenbroich. Seinen größten Berufswunsch, Musikinstrumentenbauer zu werden, konnte er sich nie erfüllen, dafür unterstützte ihn das Arbeitsamt aber bei einer zweijährigen Umschulungsmaßnahme zum Bauzeichner in Regensburg.

Doch trotz erfolgreicher Abschlussprüfung gab es auf dem Arbeitsmarkt keinen Bedarf für Bauzeichner, abgesehen von einem zweieinhalbjährigen Intermezzo beim Simmerather Architekt Lambert Johnen, der gerade den Neubau des Simmerather Rathauses betreute. In dieser Zeit eröffnete Günther Rönnig auch in Konzen seine Musikalienhandlung, allerdings zunächst nur als zweites Standbein. In einem Aachener Autohaus arbeitete er noch viele Jahre als Universal-Mitarbeiter, und die letzten Berufsjahre verbrachte er bei einem Malerbetrieb in Kesternich, ehe er als 57-Jähriger in Rente ging und sich ganz auf die Musik konzentrierte.

Musikvereine und Trommlerkorps aus der Region gehörten zu seinen Kunden. Reparaturen und Service waren immer Stärken von Günther Rönnig, den man als echtes Allroundtalent bezeichnen kann. Darüber hinaus unterrichtete er über 500 Musikschüler. Diese Arbeit würde er auch gerne nach der Geschäftsschließung noch fortführen, sagt er. „Die Gitarrenschüler würden mir schon fehlen.“

Aber Rönnig weiß, dass das Erlernen eines Musikinstrumentes nicht mehr ganz oben auf der Wunschliste der meisten Jugendlichen steht. Der Ganztagsunterricht und das Smartphone haben seiner Ansicht nach vielen anderen Hobbys den Rang abgelaufen. Die verfügbare Zeit sei für die Jugend geringer geworden: „Wer will denn da noch ein Instrument lernen und auch noch dafür üben?“, fragt sich Günther Rönnig.

Die Bereitschaft von Musikschülern, mit Disziplin und Ausdauer ein Instrument zu lernen, habe deutlich nachgelassen, ist seine Beobachtung. Gerade bei der Gitarre brauche es seine Zeit, ehe sich die ersten Erfolgserlebnisse einstellten. „Das geht beim Saxophon schneller.“

Auch wenn die Musik, wie Günther Rönnig festgestellt hat, „oft brotlose Kunst ist“, hat sie viel Harmonie in sein Leben gebracht. Daran ändert auch der etwas traurig stimmende Ausklang nichts.

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