Konzener Journalist gewinnt den Deutschen Fernsehpreis

Von: Julia Bäumler
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Hoch dekorierter TV-Journalist
Hoch dekorierter TV-Journalist: Christian Esser stammt aus Konzen und gewinnt den deutschen Fernsehpreis. Foto: imago/Future Image

Berlin. „Nein, gerechnet habe ich damit überhaupt nicht”, antwortet der ZDF-Journalist Christian Esser, ausgezeichnet mit dem Deutschen Fernsehpreis 2012. Gemeinsam mit seinem Kollegen Lutz Ackermann drehte der Frontal 21-Autor insgesamt ein Jahr lang die Reportage „Mister Karstadt - Der rätselhafte Nicholas Berggruen”.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn neben den Nominierungen für „Ich Putin - Ein Porträt”, sowie „Günter Wallraf deckt auf. Der neueste Fall des Undercover-Spezialisten” wurde „Mister Karstadt” Anfang Oktober mit dem deutschen Fernsehpreis für die beste Reportage ausgezeichnet.

Die Idee entstand, weil die beiden Journalisten Nicholas Berggruen „einfach spannend” fanden. Aus der eigentlichen Absicht, eine Art Biografie über den „guten” Nicholas Berggruen zu drehen, wurde letztendlich eine investigative Geschichte.

„Wir waren tatsächlich fasziniert von Berggruen und hatten eher ein Porträt als eine investigative Geschichte im Sinn. In all den Medienberichten las man immer über den ökologischen, den ?guten Investor, ohne dass das jemand mal hinterfragt hat. Und das haben wir dann getan,” sagt Esser.

Nach einem Jahr wurden die insbesondere in der Endphase anstrengenden Dreharbeiten abgeschlossen und die Reportage konnte in der Sendung ZDF-Zoom ausgestrahlt werden.

Doch dann passiert etwas unerwartetes: Esser berichtet, wie sie plötzlich drei Wochen vor der Preisverleihung von ihrer Nominierung erfahren haben, was große Freude ausgelöst habe, denn für einen Fernsehjournalisten sei dieser Preis von großer Bedeutung.

Auch in der Eifel freut man sich gemeinsam mit dem Preisträger, denn Christian Esser stammt aus Konzen. Und er erlernte sein journalistisches Handwerk vor Ort: Er arbeitete von 1988 bis 1995 in unserer Lokalredaktion, für die Eifeler Nachrichten.

„Mit 15 Jahren fing ich an zu schreiben. Damals fragte mich der ehemalige Redaktionsleiter Raimund Palm, ob ich nicht über die Generalversammlung des Trommler- und Pfeifferkorps Konzen schreiben möchte. Seitdem war ich freier Mitarbeiter für die Lokalredaktion”, erzählt Esser.

Ob Schützenfest oder Karneval: Christian Esser erinnert sich gerne an „eine sehr schöne Zeit”. Und die Lokalredaktion habe somit auch die Basis für seinen journalistischem Werdegang gelegt.

Wenn er nun an die Zeit bei der Tageszeitung zurückdenkt, kann er nicht behaupten, dass es in der Redaktion stressfreier zuging, als bei seinem Job beim ZDF. „Oft war es so, dass ich drei Termine am Wochenende hatte.

Mit Mofa oder Fahrrad ging es dann von der einen Generalversammlung zur nächsten. Und morgens, um sechs Uhr, packte ich dann meine Schreibmaschine aus und begann zu schreiben, denn einen Computer hatte ich damals ja noch nicht”, sagt er.

„Das Geschäft einer Tageszeitung ist mit Sicherheit nicht stressfreier als die Arbeit bei Frontal 21. Dort jeden Tag die Seiten für den nächsten Tag zu füllen, ist mindestens genauso stressig. Und trotz der Unterschiede zwischen dem Fernsehen und der Zeitung gibt es eine Gemeinsamkeit: Man muss den Menschen Vertrauen geben können, so dass sie beginnen ihre Geschichte zu erzählen”, berichtet Christian Esser über seine journalistischen Erfahrungen.

Dabei sah sein Werdegang anfangs ganz anders aus. Er besuchte zunächst die Elwin Christoffel-Realschule in Monschau und anschließend die höhere Handelsschule in Simmerath. Sein Abitur machte er auf dem zweiten Bildungswege in Würselen am Euregiokolleg. Anschließend begann er eine Ausbildung bei der Sparkasse als Bankkaufmann, blieb aber seiner Tätigkeit als freier Mitarbeiter der Lokalredaktion weiterhin treu.

Doch irgendwann kam dann der große Umschwung und Esser begriff, dass der Journalismus wohl doch eher das Richtige für ihn sei. Er studierte in Köln, Zürich und Berlin und hospitierte unter anderem bei der „Süddeutschen Zeitung” und in der Berliner Redaktion des Magazins „Der Spiegel”. Die Hauptstadt Berlin hatte es ihm dann letztendlich auch angetan. Hier lebt er seit 1999 gemeinsam mit seiner Frau, die ebenfalls Journalistin ist, und seinen beiden Kindern.

Seine Eltern und seine Schwester wohnen nach wie vor in Konzen. Und ungefähr zwei bis dreimal im Jahr zieht es ihn auch in die Eifel. „Hauptsächlich komme ich natürlich wegen meiner Familie”, erzählt Esser, jedoch gibt es noch einen weiteren Grund, warum ihn die Eifel so anzieht: Die Bäcker.

„In Berlin gibt es einfach keine guten, normalen Bäcker”, lacht er. „Oft schickt mir meine Mutter Pakete mit Eifeler Spezialitäten, wo dann auch immer eine Riesenpackung Printen dabei ist. Meistens ist es so, dass meine Kollegen schon fragen, wann denn endlich noch mal ein Paket aus der Eifel käme.”

Christian Esser bleibt jedoch trotz Printen und Bäckereien in Berlin, denn hier fühlt er sich seit 2003 beim ZDF und Frontal21 gut aufgehoben. Er reist viel um die Welt. Mal ist er in New York, mal in Istanbul, oder aber in Paris. „Das hört sich jetzt zwar toll an, ist aber auch super anstrengend. Einen normalen Alltag gibt es daher für mich auch gar nicht.” Doch trotzdem bleibt Esser dem ZDF treu: „Ich möchte keinen anderen Job machen.”

Sein nächstes Projekt ist bald wieder bei Frontal 21 zu sehen. Es handelt sich um eine Reportage über Kinder und Jugendliche, denen ein Elternteil im Alltag fehle, weil es im Gefängnis sitzt. Das betreffe momentan rund 100 000 Kinder, für die es keine Betreuungsangebote gebe. Der nächste Sendetermin des Magazins Frontal 21 ist der 23. Oktober.
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