Konzener helfen in Tansania: Strom für Schule

Von: aj
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Konzen/Tansania. „Auf nach Afrika“ hieß es jetzt für eine fünfköpfige Reisegruppe aus der Eifel. Das Ziel des Abenteuers ist der Nordwesten Tansanias. Denn dort lebt seit nun ziemlich genau 48 Jahren Bruder Theo Call aus Konzen im kleinen Dorf Kabanga. Der 77-Jährige gehört den „Weißen Vätern der Afrika Missionare“ an und kämpft unermüdlich für ein besseres Leben der Menschen vor Ort.

Anna und Emil Stollenwerk sowie Theo Berners haben sich auf den Weg gemacht, um den Fortgang des neuesten Projekts des „Hokwa“, des „starken Mannes“ wie die Einheimischen ihn nennen, zu bestaunen. Begleitet werden sie dabei von Martin Krings und seiner Frau Elke, die vor einigen Jahren einen Förderverein zur Unterstützung von Bruder Theo gegründet haben. Die beiden sind reisererprobt, denn sie haben Bruder Theo schon einige Male in Tansania besucht. „In den letzten Tagen haben wir fast täglich mit der Gruppe telefoniert. Die Aufregung bei allen steigt“, erzählt Elke Krings am Dienstagabend, kurz bevor die lange Reise losgeht.

Am Mittwoch um 2.30 Uhr sind die fünf von einem Taxi abgeholt worden, das sie zum Flughafen Köln-Bonn gebracht hat. Von dort ging es mit dem Flieger über Amsterdam nach Dar es Salaam, der größten Stadt Tansanias. Ankunftszeit: 23.30 Uhr. Um 6 Uhr am nächsten Morgen wurde die Reise fortgesetzt, über Kasulu zu Bruder Theo, wo die Gruppe gegen 13 Uhr eintraf.

Doch das Hauptaugenmerk der Reise liegt dieses Mal nicht auf Kabanga, sondern auf dem 70 Kilometer entfernten Iterembogo. Genauer gesagt auf dem Bischöflichen Knabenseminar St. Josef, wo zurzeit rund 600 junge Männer zu Priestern ausgebildet werden. Diese versorgen sich selber: nachdem sie acht Stunden die Schulbank gedrückt haben, geht es hinaus auf die Felder, um den Ackerbau zu erlernen. Anschließend waschen sie ihre Kleidung und räumen ihre Zimmer auf.

Doch auch nach 14 Stunden ist der Tag noch nicht zu Ende, denn am Abend besuchen sie ihre Familien, die sich um die Schule herum angesiedelt haben, um sie zu unterrichten und ihr Wissen an sie weiterzugeben.

„Um das Seminar entsteht ein Dorf. Die Leute merken, dass sich die Infrastruktur und damit ihre Zukunft verbessert. Bei unserem letzten Besuch hatte sich die Zahl der Hütten um die Schule herum schon verdoppelt. Wir sind gespannt, was uns jetzt erwartet“, erzählt Krings.

Am Ende werden nur etwa zwei Prozent der Schüler wirklich die Priesterlaufbahn einschlagen. Aber das sei egal, es gehe darum, dass die jungen Männer eine Schulbildung erhielten, hat Bruder Theo einmal gesagt. Bald soll es ihnen sogar möglich gemacht werden, das Abitur abzulegen.

Der Förderverein hat schon den Bau der Schulgebäude mitfinanziert und jetzt steht ein neues Projekt auf dem Plan: ein 125-kW-Wasserkraftwerk zur Stromerzeugung. Bereits 2008 zeigte Bruder Theo Krings bei einem Besuch einen kleinen Fluss. „Er liegt etwa einen Kilometer vom Priesterseminar entfernt und ist vergleichbar mit der Rur in Monschau“, beschreibt Krings. Ein hydraulischer Widder, eine wassergetriebene Pumpe, die Wasser durch Rohre bis zur Schule pumpt, ist dort schon vor ein paar Jahren errichtet worden.

Bruder Theo hatte die Idee, dort zusätzlich eine Turbine zu bauen, wie er es schon in Kabanga getan hat, um Strom für das Seminar zu erzeugen. Jetzt, sieben Jahre später, kann das 400.000 Euro teure Vorhaben in die Tat umgesetzt werden. Die Bürokratie, die auch in Afrika zunimmt, ist überwunden, die Finanzierung steht, und die Container mit dem Baumaterial sind endlich angekommen, so dass der erste Spatenstich im Frühjahr 2015 möglich war.

Unterstützung hat der Förderverein unter anderem vom RWE, von der Firma Wertz aus Aachen und der „Wasserkraft Volk AG“ erhalten. Und auch Misereor und die „Ruler Energie Agency“ in Tansania beteiligen sich an der Finanzierung. Die Laster mit 1280 Säcken Zement und rund zehn Tonnen Eisen und Rohren haben die Baustelle nach holpriger Fahrt Ende Juni erreicht. Nun heben 30 Arbeiter, unter der Leitung von Bruder Theo, einen 600 Meter langen Kanal (2,10 Meter breit und 1,50 Meter hoch) mit der Hand aus. Anschließend soll das Wasser über Fallrohre auf die Durchflussstromturbine der „Wasserkraft Volk AG“ geleitet werden, die wiederum einen Dynamo antreibt. Das Wasser fließt in den Fluss zurück.

Die Entfernung zwischen Iterembogo und Kabanga beträgt zwar nur 70 Kilometer, aber der Weg dorthin ist sehr schlecht, so dass die Fahrt drei bis vier Stunden in Anspruch nimmt. Aus diesem Grund lebt Bruder Theo während der Bauphase dort und kehrt nur am Wochenende in sein Heimatdorf zurück.

Einen ausführlichen Bericht der fünf Reisenden wird es am 3. Dezember bei der Generalversammlung des Fördervereins geben.

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