Konrad Beikircher und der Umgang mit Futur 2

Von: wm
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Er schaut den Menschen seit über 40 Jahren aufs Maul. Konrad Beikircher gastierte am Donnerstagabend in der Vereinshalle in Höfen. Foto: Walter Mertens

Höfen. Mit seinem zehnten Teil der „Rheinischen Trilogie” vollführte Konrad Beikircher am Donnerstagabend in der Vereinshalle in Höfen einen ebenso genussvollen wie aberwitzigen Spaziergang durch das rheinische Universum.

Es ist dieses Gefühl des „ja stimmt” oder des „das sag ich doch”, das bei dem Vollblutkabarettisten Beikircher rüberkommt. Und in Höfen konnten sich die gut 200 Zuhörer dieses Gefühls nicht erwehren.

Der 63-jährige gebürtige Südtiroler lebt seit 44 Jahren im Rheinland, genauer gesagt in Bonn, und seit dieser Zeit schaut er den Leuten sozusagen aufs Maul. Es sind die alltäglichen kleinen Geschichten, die er beobachtet und in seiner „Rheinischen Trilogie” zum Besten gibt.

Es war ein Vergnügen

Die inzwischen zehnte Folge seiner einst als Trilogie angelegten Reihe dreht sich nach wie vor um den Kleinkosmos der rheinischen Mentalität, die als gesunde Mischung aus Feiern, Maggeln und Glauben hinreichend definiert ist.

Beikircher, ganz in schwarz (bis auf das ergraute Haar in Melaten-Blond), reißt das Publikum mit Schwung und herzlicher Umarmung auf seine Seite. Beim Thema Glauben ist natürlich rasch die Brücke geschlagen zum Kölner Kardinal Meißner und zu den Protestanten, an denen aus Beikirchers Sicht das wahre Leben vorüberzieht.

Ob das die Probleme der Übersetzung aus dem Rheinischen ins Hochdeutsche sind, wie überhaupt Übersetzungen in unserer www-Zeit, ob es das Verhältnis des Rheinländers zum Geld ist, seine Bereitwilligkeit, Fremden seine Eigenheiten zu erklären, seine wundervolle Erfindung des coniunctivus prophylacticus, sein unglaublicher Umgang mit dem Futur 2 oder die Tatsache, dass Rheinisch die einzige Sprache der Welt ist, die dem Latein so blutsverwandt ist, dass sie selbst grammatikalische Hochtrapezakte wie die Relativ-Verschränkung wörtlich und exakt übersetzen kann - immer ist es ein Vergnügen, den Mäandern, in denen Beikircher den Rhein durch sein wundervolles Universum strömen lässt, zu folgen.

Er versteht sich als Rheinischer Missionar. In seinem Vergleich des rheinischen Dialekts zum Duden liegt der Rheinländer klar vorne. Kurz und prägnant ist seine Ausdrucksweise. Beikircher hat seinen zehnten Teil der Trilogie unter das Motto gestellt: „Am schönsten isset, wenn et schön is!” Damit weiß der Rheinländer natürlich etwas anzufangen.

Dass er in der Tat nicht nur über weltgeschichtliches Grundwissen verfügt, sondern auch ein profunder Kenner der regionalen Historie ist, bewies der selbst ernannte Gesandte des rheinischen Missionswerkes auf nachhaltige Weise im Rahmen seines gut zweieinhalbstündigen Programms.

Wahres Erklärwunder

Beikircher, der ohne Luft zu holen, ein Wortgewitter von der Bühne schüttet und dabei als Erklärwunder rheinischer Begrifflichkeit pädagogisch wertvolle Hilfestellung leistet, zeigt sich auch in seinem neuen Programm als unschlagbar talentierter Analytiker rheinischen Kulturgutes.

Nach der Pause aber läuft Beikircher dann zu Hochform auf. Als Kenner des kleinen Grenzverkehrs im Wald zwischen Belgien und Deutschland packt er die alten Schmugglergeschichten aus - Geschichten wie sie rheinischer nicht sein können.

Konrad Beikircher schlägt sich in diesen Geschichten ganz auf die Seite der oft zu Unrecht vergessenen Landbevölkerung, erst recht, wenn er beklagt, dass Aachen und Eifel im rheinischen Bewusstsein („besonders in Düsseldorf”) keine Rolle spielten. Diese großstädtische Überheblichkeit ärgert ihn, und deshalb ist Beikircher ja auch ein Kabarettist des Volkes geblieben.

Mit viel Beifall wird der sympathische Wahl-Rheinländer vom Publikum verabschiedet, mit der Gewissheit, dass man sich gerne noch einmal wiedersehen würde.
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