Knöllchen sorgen für Aufruhr beim Weihnachtsmarkt

Von: V.M.
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Im Auftrag der Kuratorinnen de
Im Auftrag der Kuratorinnen der Retrospektive „Nie wieder störungsfrei” konzipierten sechs Künstler der „Designmetropole Aachen” eine Performance in Monschau, verteilten „Knöllchen” und leiteten ohne wenn und aber den Besucherstrom zum und vom Weihnachtsmarkt. Foto: V. Monterey

Monschau. Unter dem Titel „Nie wieder störungsfrei” wurde am vergangenen Samstag abermals „die Kunst vom Sockel gestoßen” und wie einst für Aufregung gesorgt, dieses Mal in der Monschauer Altstadt.

Wollte man als Weihnachtsmarktbesucher die Straße vom KuK zum Marktplatz passieren, wurde man kontrolliert, bekam gegebenenfalls ein Knöllchen fürs Falschparken und wurde obendrein durch ein Gehwegeleitsystem gezwungen, sich brav und artig anzustellen, um einzeln durch einen Parcours, einer nach dem anderen, die Straße zum Marktplatz zu passieren.

Der erste Schreckmoment wurde aber sofort aufgehoben mit der Vergabe einer Plakette „quality control 2011” oder einem Knöllchen, welches dem Verkehrsteilnehmer mitteilte, er habe sein Fahrzeug „ordnungsgemäß abgestellt” und das „Belohnungsverfahren” sei eingeleitet worden. Und er würde mit diesem Schreiben „freien Eintritt in die aktuelle Ausstellung” des KuK in Monschau erhalten. Mit diesem „Strafzettel” in der Hand, ausgezeichnet und markiert durfte ein Jeder weitergehen.

Die Reaktionen der Passanten waren unterschiedlich. Die einen machten sich überhaupt keine Gedanken und hielten das Vorkommnis für vollkommen normal, wie zum Beispiel das Paar Eric und Corinna Meiser aus Saarbrücken, die meinten, „wir haben das ernst genommen und waren keineswegs erschrocken”. Im Gegenteil, man fände es gut, dass der „Besucherstrom geleitet wird”. Andere waren verwirrt und fragten, ob das etwas koste oder ob man denn hier auch wieder zurückgehen könne.

Die Aktion, die Kunst aus dem Museum, aus der Ausstellung heraus auf die Straße zu holen, kam im Durchschnitt sehr gut an und viele Passanten folgten der Einladung, ins gegenüberliegende Kunst- und Kulturhaus zu gehen, um sich die Sammlung „Die Unwahrscheinlichkeit des Augenblicks” aus der Sammlung des Herforder Marta-Museums und die Ausstellung „The good times” von Thomas Stricker anzusehen.

Ziel war es aber, die Besucher des Weihnachtsmarktes zu irritieren, ebenso wie es einst in den 60er und 70er Jahren der Fall war, als die Künstler dieser Zeit, allen voran die Fluxus-Bewegung, „provokant und absolut grenzüberschreitend” Tabus gebrochen und die Kunst in das öffentliche Leben, sprich: nach draußen gestellt hatten.

Die sechs freischaffenden Künstler und Künstlerinnen der Designmetropole Aachen und ehemalige Studierende der Kunstakademie Maastricht - Patricia Yasmine Graf, Fabian Seibert, Jürgen Reichert, Julia Magr, Clara Scharping und Barbara Brouwers, beauftragt von den Kuratorinnen der Retrospektive „Nie wieder störungsfrei” - sorgten somit abermals für eine Interaktion zwischen Künstler und Betrachter.

Ihr Ziel hatten sie in der kurzen genehmigten Mittagszeit schnell erreicht, nämlich den Besucher zu verunsichern, ihn aufmerksam zu machen und ihn auf gegenwärtige Probleme und unvorhergesehene Situationen hinzuweisen, ähnlich wie eine vorhergehende Aktion im Ludwig-Forum. Dort sorgte eine Sicherheitskontrolle am Eingang mit Metalldetektoren und einer Sicherheitsschleuse für Aufruhr, und die als Security-Personal verkleideten Künstler registrierten die Besucher einer Ausstellungg namentlich.

Das Experiment wurde in Monschau ebenfalls mit der Kamera festgehalten und zeigt auf, „was wir heute alles mit uns machen lassen, ohne aufzumucken”. Auch in Monschau ging manch einer, in Gedanken versunken, durch die Sperre, ließ sich ohne Worte eine Plakette auf den Ärmel kleben und schlenderte unbeirrt durch den Parcours.

Andere wiederum reagierten vorerst verwirrt, gar erschrocken und dann erleichtert, als der „Schockmoment mit Humor aufgelöst wurde”. Andere wieder fanden die Aktion brillant, wie die Weihnachtsmarktbesucherin Agnes Le Grand aus Albert in der Picardie, Frankreich. Die Aktion sei sehr gut und sie würde sogleich die Ausstellung im KuK besuchen.

Die Performance soll in Absprache mit dem Leopold-Hoesch-Museum, der Sammlung NRW und dem KuK im Januar in Kornelimünster und Düren an ähnlich frequentierten Plätzen wiederholt und ebenfalls filmisch dokumentiert werden.
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