Nordeifel - Kneipen müssen sich auf angekündigtes Rauchverbot einstellen

Kneipen müssen sich auf angekündigtes Rauchverbot einstellen

Von: ho
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Immer weniger Gäste rauchen,
Immer weniger Gäste rauchen, stellt Wirt Johann Wilden aus Simmerath fest. Foto: Hoffmann

Nordeifel. „Hören Sie mir bloß mit dem Thema auf! Was die sich da in Düsseldorf ausdenken, müssen wir ausbaden und gehen dann den Bach runter.” Dieser Kommentar einer Monschauer Gastwirtin spricht vielen Kollegen, die im gleichen Gewerbe tätig sind, aus der Seele, wenn sie auf das geplante absolute Rauchverbot in Nordrhein-Westfalen angesprochen werden.

Fakt ist, dass die rot-grüne Landesregierung spätestens ab Sommer 2012 ein uneingeschränktes Rauchverbot in Gaststätten plant. Bisher mögliche Ausnahmen für Brauchtumsveranstaltungen wie Karneval und Schützenfeste, sowie für Festzelte und Raucherclubs werden dann aufgehoben.

Darüber hinaus geht aus dem Gesetzentwurf hervor, dass die Einrichtung von Raucherräumen nicht mehr möglich sein wird und Eltern auf Spielplätzen ebenfalls nicht mehr rauchen dürfen.

Im Gaststättenbereich sollen nach dem Willen von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) bzw. Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) durch das absolute Rauchverbot endlich gleiche Bedingungen geschaffen werden. Hierbei ist sich die Landesregierung nach eigenen Angaben darüber im Klaren, dass u.a. die Eckkneipen Nachteile hinnehmen müssen und deren Wirte wohl gezwungen seien, „auf andere Betriebskonzepte auszuweichen.”

Allein schon diese Formulierung versetzt viele Wirten in Rage, wobei sich dieser Zustand noch verstärkt, wenn sie hierzu die Ratschläge aus dem Gesundheitsministerium in sich aufnehmen. „Kekse statt Kippen” lautet einer der Tipps zur Umstellung des Betriebskonzepts. Ferner sollen Wirte künftig auf regionale Küche umstellen, um alte Gäste neu zu begeistern und neue Gäste zu gewinnen.

Dass das Ministerium weitsichtig nachhaltige Umsatzrückgänge ausschließt, stößt auch beim Hotel- und Gaststättenverband Dehoga in NRW auf Verwunderung. Dessen Sprecher Thorsten Hellwig polterte unlängst, dass es nicht mehr nur um den Schutz von Nichtrauchern, sondern auch darum gehe, ganz bestimmte Lebensweisen zu sanktionieren. Ferner sei die Gastronomie nicht dafür da, aus schlechten bessere Menschen zu machen, sondern für Gäste mit unterschiedlichen Wünschen gute Gastgeber zu sein.

Der Bayrische Hotel- und Gaststättenverband (BHG), der nach einem Jahr mit dem „Schmarrn” des absoluten Rauchverbots bereits Erfahrungen gesammelt hat, prophezeit für NRW genau wie in Bayern das Sterben kleiner Kneipen, Umsatzrückgänge in den Restaurants und eine Verminderung der Szenengastronomie.

Wie aber sehen die betroffenen Gastwirte in unserer Region die Probleme, die da eventuell mit dem absoluten Rauchverbot auf sie zukommen?

Anneliese Strauch (Nichtraucherin) vom „Mon-Bistro” in der Eschbachstraße in Monschau redete gleich Klartext: „Ich kann es nicht mehr hören. Wenn das kommt, brauchen wir mit Sicherheit nicht mehr aufzumachen. Meine überwiegend einheimischen Gäste beim kleinen Dämmerschoppen ab 17 Uhr werden dann vermutlich weg bleiben.”

Enstpannter mit dem Gesetzentwurf kann man in Rott im Gasthof „Hütten” umgehen. Nathalie Hilgenfeldthierzu: „Uns trifft das Gott sei Dank weniger, da wir aufgrund unserer Betriebsgröße schon jetzt absolutes Rauchverbot haben, so dass sich für uns nichts ändern wird.”

Der gleiche Tenor ist aus dem „Brander Stübchen” in der Wilhelmstraße in Roetgen zu vernehmen. Rolf Schermuly teilte zum Rauchverbot mit: „Bei uns ist das Rauchen sowieso nicht gestattet und diese Regelung gefällt uns auch besser. Außerdem war abzusehen, dass das genau so wie in Belgien kommt.”

Derzeit noch gelassen blickt Lothar Brewer vom Simmerather „Bierbaum” in die Raucherzukunft: „Natürlich halte ich gar nichts davon. Im Moment weiß aber auch keiner so richtig, was da auf uns zukommt. Warten wir also einfach mal ab.”

Mit der bei ihm bekannten gewohnten Ruhe äußerte sich nach anfänglicher Zurückhaltung auch Nichtraucher Franz Conrad, der in der Bahnhofstraße in Lammersdorf die Szenekneipe „Joe´s Garage” seit Jahrzehnten führt: „Wie vermutlich alle Wirte, bin ich natürlich auch nicht von der geplanten Änderung begeistert. Nichtraucher können momentan doch noch selbst entscheiden, ob sie in eine Kneipe gehen, wo geraucht wird, oder ob sie sich anders entscheiden.”

Wesentlich deutlichere Worte kamen da schon aus der „Köpi-Galerie” in Simmerath, wo 80 Prozent der Gäste Raucher sind. „Das Ganze ist einfach lächerlich”, meint Frank Lutterbach und ergänzte hinter her: „Es ist einfach ein Witz, dass man denkt, mit Erwachsenen so umgehen zu können. Mit dem geplanten Gesetz wollen sich doch nur u.a. einige grüne Politiker profilieren.”

Peter Krämer von der Traditions-Gaststätte „Im Haller” in der Monschauer Eschbachstraße ist gleichfalls wenig begeistert und erwartet auch Nachteile was das Ambiente seiner Gaststätte angeht: „Bei uns sind viele Gäste Raucher und tragen mit dazu bei, dass eine gewisse Gemütlichkeit und Atmosphäre ent steht.”

Mit Nichtraucher Johann „Schang” Wilden, der als Wirt in der fünften Generation (!) die gleichnamige Gaststätte in der Bruchstraße in Simmerath führt, soll das Spektrum der Äußerungen geschlossen werden. „Fakt ist, dass die Raucher immer weniger werden,” stellt „Schang” Wilden zunächst einmal fest und ergänzt: „Wenn ich die Veranstaltungen bei mir im Saal nehme, stellen die Raucher dort die absolute Minderheit dar. Vor 20 Jahren war das genau umgekehrt. Die Knobelrunden bei mir an der Theke bestehen aber zu 90 Prozent aus Rauchern. Die Frage ist, wie die sich in Zukunft verhalten.” Dieser Betrachtungsweise ist nichts hinzuzufügen.
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