Knattern bald die Sägen im Münsterwald?

Von: Heiner Schepp
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Noch ist alles ruhig im idyllischen Münsterwald an der Himmelsleiter. Herbert Klinkenberg vom NLN geht davon aus, dass es ab Montag mit der Ruhe hier vorbei ist. Foto: Heiner Schepp

Roetgen/Aachen. Die Vorzeichen verdichten sich, dass ab kommender Woche im Münsterwald die Kettensägen knattern. „Die Vorbereitungen sind getroffen, der Beginn der Arbeiten ist noch für Februar geplant“, sagte Eva Wußing, Sprecherin des Windparkbetreibers Stawag, auf die Frage unserer Zeitung, ob die Fällarbeiten unmittelbar bevorstünden.

Davon geht man auch beim Verein Natur- und Landschaftsschutz Nordeifel (NLN) aus, der entsprechende Markierungen im Wald entdeckt hat und aus diesem Grund bereits Anfang Februar den Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp schriftlich an ein älteres Versprechen erinnert hat.

Philipp habe zuletzt am 15. Mai 2015 im Gespräch mit dem in Aachen ansässigen Naturschutzverein seine Zusage wiederholt, dass die Stadt keine Fällarbeiten zulassen würde, solange die Genehmigung nicht rechtssicher sei. „Wir möchten Sie daher eindringlich an Ihre damalige Zusage uns und auch der Presse gegenüber erinnern, mit dem Bau nicht zu beginnen, solange eine Klage eine Chance bei Gericht haben könnte.

Diese Chance sei nach wie vor vorhanden, „wir sind sogar ziemlich zuversichtlich, dass die achte Kammer in unserem Sinne entscheiden wird“, sagte NLN-Sprecher Rainer Ständer am Donnerstag. Diese Auffassung teilt man bei der Stawag, die 40 Prozent am Projekt hält (50 Prozent der Vorhabenträger Juwi, 10 Prozent Enwor) offenbar nicht. „Die Genehmigungen für den Windpark sind mit der Anordnung des Sofortvollzugs versehen, so dass die Hauptsacheklagen keine aufschiebende Wirkung haben.

Der auf die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung gerichtete Eilantrag ist abgelehnt worden und in der zweiten Instanz noch nicht entschieden. Damit liegen für die Realisierung des Windparks gültige Genehmigungen vor“, gibt Eva Wußing die Beurteilung des Energieunternehmens wieder.

Unabhängig von der Auslegung der Rechtslage betrachtet man auch bei der Stadt Aachen die seinerzeit vom Oberbürgermeister gemachten Zusagen als überholt. „Meine Zusage stammt aus einem sehr viel früheren Stand des Verfahrens und bezog sich auf die damalige Umweltverträglichkeitsprüfung. Das ist alles abgeschlossen, die Genehmigung ist erteilt“, zitiert der Fachbereich Presse der Stadt Aachen Oberbürgermeister Marcel Philipp.

„Das mag formaljuristisch so sein, entbindet Herrn Philipp aber nicht von einer moralischen Verpflichtung uns und allen Bürgern gegenüber, seine damalige Zusage einzuhalten“, sagt Rainer Ständer.

Und der NLN befürchtet in dem von seinem Vorsitzenden Heinz Gossens unterzeichneten Schreiben an die Stadt Aachen: „Wenn die Firma Juwi oder die Stadt Aachen voreilig mit den Rodungen beginnen und das OVG im Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes die Arbeiten stoppt, wäre der Wald in sieben Bereichen durch riesige Kahlflächen dauerhaft geschädigt.“

Fünf der sieben Standorte liegen, aus Richtung Roetgen kommend, links der „Himmelsleiter“ und unterhalb der Vennbahntrasse; zwei weitere reichen rechtsseitig und nördlich nah an den Premiumradweg heran. „Das wäre ein Hammer, wenn die Stawag dort zehn Hektar Wald – und keineswegs nur Fichtenwald! – flachlegen würde für einen Windpark, der vielleicht erst in zwei, drei Jahren gebaut werden darf“, sagt Rainer Ständer.

Doch für die Betreiber drängt die Zeit. Ab 1. März, 0.00 Uhr, darf nicht mehr gerodet werden, das heißt: Bis dahin müssen die zehn Hektar Rodung – das entspricht rund 14 Fußballplätzen – erfolgt sein. „Das ist eigentlich nur machbar, wenn ab Montag und auch Karneval durchgearbeitet wird“, mutmaßt Rainer Ständer. Ab Montag wird er etwas häufiger im Münsterwald spazieren gehen.

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