Klinik trennt sich von Chefarzt: Patienten starten Hilferuf

Von: P. St.
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Nachdem Chefarzt Dr. Klaus Gen
Nachdem Chefarzt Dr. Klaus Generet nicht mehr an der Eifelklinik Simmerath tätig ist, befürchten die Lungenpatienten eine Versorgungslücke. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. Für Erstaunen, Unverständnis und Irritation hat in der Öffentlichkeit eine Personalangelegenheit an der Eifelklinik St. Brigida Simmerath gesorgt, nachdem sich die Artemed-Gruppe als Träger des Hauses mit sofortiger Wirkung vom Chefarzt der Inneren Abteilung, Dr. Klaus Generet, getrennt hat.

Besonders die zahlreichen Lungenpatienten, für die das Krankenhaus Simmerath seit Jahren eine vertrauensvolle und kompetente Adresse darstellt, befürchten nun eine Versorgungslücke. Was in der Bevölkerung sowie in Patienten- und Mitarbeiterkreisen als plötzlicher Akt wahrgenommen wurde, hat jedoch eine längere Vorgeschichte, wie Pressesprecherin Leonie Böhringer vom vom Artemed-Klinikverbund Tutzing auf Anfrage betont.

Das Verfahren, sich von Dr. Generet zu trennen, sei bereits durch die Malteser als Vorgänger in der Trägerschaft eingeleitet worden. Zu den Gründen der Trennung übt sich die Artemed-Gruppe, die im September 2010 das kränkelnde Haus übernahm und seitdem einen vielversprechenden Neustart begann, in vornehmer Zurückhaltung. An den Verdiensten und der medizinischen Kompetenz des Internisten und Pneumologen, der vor fünfeinhalb Jahren nach Simmerath kam, lässt die Artemed-Gruppe aber keinen Zweifel. Die Neuausrichtung der Eifelklinik mit dem Schwerpunkt Kardiologie erfordere die Personalveränderung, außerdem habe man sich gegenüber den Mitarbeitern „in der Pflicht gesehen, zu reagieren”.

In einem offenen Brief an „Ärzte und Politiker” hat sich nun auch Dr. Ing. Hans Generet aus Schmithof, der Vater des entlassenen Chefarztes, in die Diskussion eingeschaltet und kritisiert scharf die Vorgehensweise. Sein Sohn sei während seiner ambulanten Sprechstunde „ohne jegliche Begründung mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert und der Klinik regelrecht verwiesen worden”, obwohl er seit Dezember 2010 beim Arbeitsgericht Aachen eine Kündigungsschutzklage führe.

Keine Schlammschlacht

Artemed-Sprecherin Leonie Böhringer zeigte sich „überrascht” über diese Wortmeldung; die Geschäftsführung habe jedoch entschieden, nähere Gründe über die Entlassung nicht bekannt zu geben und sich auch nicht an einer „Schlammschlacht” zu beteiligen.

Die jetzt entstandene vakante Situation am Simmerather Krankenhaus erfüllt die betroffenen Lungenpatienten mit großer Sorge. Rund 50 Teilnehmer der vor drei Jahren von Dr. Klaus Generet ins Leben gerufenen Lungensportgruppe trafen sich jetzt in der Josef-Jansen-Sportstätte in Simmerath, um hier zum Ausdruck zu bringen, dass sie ihre künftige medizinische Versorgung gefährdet sehen. Eine Unterschriftenliste machte die Runde, wo diese Befürchtungen zum Ausdruck gebracht werden, aber auch gesagt wird, das die Entlassung von Dr. Generet nicht nachvollziehbar sei. „Das ist keine Aktion gegen die Eifelklinik sondern eine Hilferuf der Betroffenen”, betont Peter Walter aus Simmerath als Sprecher der Lungensportgruppe.

Emotional, aber insgesamt sachlich, ging es bei dem Treffen in der Halle zu, wozu auch Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns geladen worden war, der auch Vorsitzender des Krankenhausbeirates ist. Gemeinsam mit einer Vertretung der Gruppe fand zuvor auch ein gemeinsames kurzfristig ermöglichtes Gespräch bei Dr. Sören Eichhorst, dem Geschäftsführer der Eifelklinik Simmerath, statt. Hermanns berichtete von diesem Gespräch und betonte ebenfalls, dass die Dr. Generet betreffende Personalentscheidung „aus bestimmten Gründen” gefallen sei und keine Entscheidung gegen die Lungenpatienten bedeute. Die Versorgung der stationären Patienten sei gesichert, aber es gebe in der Tat ein Defizit im Bereich der ambulanten Behandlung. Die Räumlichkeiten im Krankenhaus könnten von der Selbsthilfegruppe weiter in Anspruch genommen werden.

Hermanns berichtete weiterhin, dass die Geschäftsführung keine Aussage darüber getroffen habe wie es nun weitergehe, aber zugesagt habe, sich in absehbarer Zeit um eine bestmögliche Lösung zu bemühen, auch wenn es nicht leicht sei, einen kompetenten Lungenarzt für Simmerath zu gewinnen. Zwischen 400 und 500 Patienten, auch aus dem weiteren Umkreis, nehmen derzeit die Dienste des Simmerather Krankenhauses in Anspruch.

„Dr. Generet war ein kompetenter Arzt”, sprach eine Betroffene, die regelmäßig aus Köln anreist, vielen Patienten aus dem Herzen. Nun habe man ein großes Problem, zumal auch viele Lungenärzte in der Region keine neue Patienten mehr annehmen würden. Außerdem müsse öffentlich deutlich gemacht werden, warum die Kündigung erfolgt sei. Solange dies nicht geschehe, blieben Vermutungen und Gerüchte im Raum stehen.

Für Gerüchte, betonte Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns, gebe es keinen Anlass. Noch einmal bezog er sich dabei auf das Gespräch mit Dr. Eichhorst, wobei mehrfach die Verdienste und der Einsatz von Dr. Generet herausgestellt worden seien. Man müsse aber Verständnis dafür aufbringen, wenn ein Arbeitgeber die konkreten Gründe für die Trennung von einem Mitarbeiter nicht in die Öffentlich trage.
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