Kleine Katzen im Karton der Hitze ausgesetzt

Von: P. St.
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Natalie Hermanns, eine Freundin von Tanja Peters, hilft bei der Betreuung und Vermittlung der ausgesetzten Katzenfamilie. Foto: Peter Stollenwerk
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In diesem Karton fand Tanja Peters auf einer Wiese bei Paustenbach die Katzenfamilie. Foto: Peter Stollenwerk

Roetgen. Als Tanja Peters am vergangenen Samstag von der Siedlung Hoscheit über die Eifelstraße nach Paustenbach fuhr, hielt sie ihren Wagen am Straßenerand an, um an diesem schönen Sommertag noch ein paar Schritte in Richtung Paustenbacher Venn zu gehen. Doch schon nach wenigen Metern endete ihr Spaziergang.

Auf einer Wiese unweit der Fahrbahn entdeckte sie einen verschlossenen Karton, aus dessen Inneren ein jämmerliches Miauen ertönte.

Tanja Peters, die in Roetgen einen mobilen Tierservice anbietet, ahnte gleich, was hier vorgegangen war und wurde in ihrer Vermutung bestätigt, als sie den Karton öffnete. Eine Katzenmutter mit sechs Jungen war in einem mit braunem Dekopapier beklebten ehemaligen Windelkarton hier mitten in der Landschaft ausgesetzt worden. Gerade einmal sechs kleine Luftlöcher im Karton hatte der ehemalige Besitzer der Katzenfamilie gegönnt. Wie lange die Tiere hier bereits in sengender Sonne ohne Wasser und Nahrung ausharren mussten, ist nicht bekannt. „Da war keine Spur von Schatten.“

Die tierliebe Tanja Peters lud das halbe Dutzend Jungtiere samt Mutter in ihr Auto und nahm die Katzenfamilie mit nach Roetgen, wo die Tiere zunächst einmal Unterschlupf im Pferdestall einer Freundin an der Kalfstraße fanden. Direkt zur Stelle war auch die Roetgener Tierärztin Melanie Wolff, die sich um die Erstversorgung der geschwächten Tiere kümmerte. Die Katzenmutter, zusätzlich beansprucht vom säugenden Nachwuchs, zeigte bereits ernsthafte Symptome einer Dehydrierung und eine kleine schwarze Katze wirkte leicht apathisch.

Dank des beherzten und offenbar auch rechtzeitigen Eingreifens waren alle Tiere nach kurzer Zeit wieder wohlauf. Tanja Peters, die durch ihren Tierservice gerade jetzt in der Ferienzeit stark gefordert ist, gelang es dennoch übers Wochenende bereits fünf Katzen an neue Besitzer zu vermitteln. Ein Tierheim wollte sie bewusst nicht einschalten: „Die sind im Moment doch auch alle überlastet.“

Dass jemand dazu fähig ist, so herzlos eine Katzenfamilie ihrem Schicksal zu überlassen, ist für Tanja Peters unbegreiflich: „Wer so etwas macht, der hat für mich kein Gewissen. Ich könnte dann nicht mehr in den Spiegel schauen.“ Wenn der Besitzer gewollte hätte, dass die Tiere überlebten, „dann hätte er sie wohl nicht an dieser Stelle ausgesetzt“.

Es hätte ja auch die Möglichkeit gegeben, die Katzen an einem belebten Ort oder gleich vor einem Tierheim abzusetzen. Dort gehören anonym abgestellte Tiere in der Ferienzeit leider zum Alltagsgeschäft. Das sei zwar auch nicht „die feine Art“, aber für Tiere sicherlich die beste Lösung.

Vielleicht gelingt es ja noch, die herrenlosen Katzen einem Besitzer zuzuordnen. Die nicht alltägliche Zeichnung der Jungen mit gleich drei Färbungen im Fell sowie der auch nicht alltägliche Karton könnten da einen gezielten Hinweis geben.

Hilfe wird angeboten

Tanja Peters kennt aus dem täglichem Umgang mit Haustieren die Problematik, dass ein Besitzer der Aufgabe plötzlich nicht mehr Herr wird. Wer sich in einer solchen Lage befinde, der sollte sich an die Pfötchenhilfe, an die Katzenhilfe oder an einen Tierarzt wenden, um Unterstützung zu bekommen. „Außerdem gibt es ja auch noch die Möglichkeit einer Kastration.“

Tanja Peters ist am Ende froh darüber, dass durch einen reinen Zufall die Katzenfamilie einem qualvollen Tod entronnen ist oder war es doch kein Zufall? „Ich weiß auch nicht warum es so ist, aber ich finde jedes Jahr ausgesetzte Katzen,“ lacht die Tierfreundin erleichtert, die nun hofft, dass sich auch noch für beiden übrig gebliebenen Kätzchen eine neue Heimat findet.

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