Klein-Sibirien in der Nordeifel

Von: kjl/pst
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Winter/Eifel
Leichte Schneeverwehungen deckten am Sonntag immer wieder die Eifeler Straßen zu. Die meisten Autofahrer aber zogen es vor, den Wagen in der Garage zu lassen. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Schlagartig gab es nach dem frühlingshaften Herbst - kurz vor dem kalendarischen Winteranfang - einen sibirischen Wintereinbruch. Viele Warnungen wurden in den Wind geschlagen und so gab es chaotische Zustände für Bahnreisende, glatte Straßen am Freitagabend und im Sturm mit Schneefällen am Sonntagmittag.

Am Sonntag schneite es den ganz Tag, der den ohnehin nicht vom Wetter begünstigten Weihnachtsmarkt in Monschau einen höchst mittelmäßigen Ausklang bescherte. Das Traumwetter am Samstag konnte zumindest atmosphärisch ein wenig entschädigen.

Viele Autofahrer vermieden bei der Gefahr von Schneeverwehungen den Ausflug in die Eifel, sodass die Verkehrslage recht entspannt blieb. Ein Sprecher der Polizei sagte Sonntagmittag: „Wer vernünftig ist, bleibt zuhause.”

In Turnschuhen - es ist kaum zu glauben - mit einem leichten Fußballtrikot bekleidet ging es am Samstagmorgen ab Bahnhof Aachen in die Fußballstadien. Auch auf den Weihnachtsmärkten froren die Besucher trotz dicker Jacken und Glühwein. Die sibirische Kälte kam für viele meist junge Menschen einfach zu überraschend.

Gegen 8.30 Uhr am Samstagmorgen und an einigen Stationen auch in den späten Abendstunden gab es Temperaturen unter -20 Grad. Nach der statistischen Auswertung von Wetterexperte Karl-Josef Linden „waren es im Kreis Aachen die niedrigsten Dezembertemperaturen vor Winteranfang seit 1938”.

An einem Dienstag, dem 20. Dezember 1938, gab es zuletzt eine solche Kältewelle im zweiten Monatsdrittel des Dezember. Die Temperaturen von damals: Lufttemperatur in Aachen: -15,5 Grad; Schneifelforsthaus: -19,5 Grad und Monschau: -20 Grad. Es waren die bisher niedrigsten im Dezember seit 1898 im Raum Monschau.

Hier nun die Tiefstwerte von Samstag, 19. Dezember 2009: Rekordhalter und damit deutlich kälter als Kalterherberg, war die Station Höfen mit -22,8 Grad. Die absolut niedrigste Temperatur am Erdboden über Schnee in der gesamten Eifel meldete der Flughafen Dahlemer Binz bei Blankenheim mit -27,9 Grad.

Hier weitere Rekordwerte vom Samstagvormittag und -abend:

Büllingen-Wirtzfeld bei Elsenborn: -23,4 Grad um 23 Uhr; Höfen: -22,1 Grad um 21.11 Uhr; Camp Elsenborn im Venn: -21,0 Grad abends; Kalterherberg-Rurtal: -19,5 Grad (Boden -21,9 Grad); Mützenich: -17,9 Grad; Alsdorf-Warden: -12,6 Grad; Aachen: -12,5 Grad;

Die Schneehöhen stiegen in der Nacht zum Samstag auf bis zu fünf Zentimeter in den Niederungen und immerhin 15 bis 20 cm zwischen Mont Rigi und Monschau.

Bei Tageshöchstwerten von nur -10 bis -15 Grad am Samstagmittag war es z.T. zu kalt für einen Spaziergang. So niedrige Höchstwerte hatten gab es zuletzt am 1 Januar 1997 (-14,8 Grad in Aachen).

Nach einem ruhigen, vormittags auch sonnigen Montag kommt am Montagabend neuer Schneefall auf. Zum Dienstag steigen die Werte in den Niederungen auf 2 bis 4 Grad und bei Schneeregen droht Blitzeis. In den Lagen oberhalb von 500-600 Meter gibt es Dienstag noch einmal 10 Zentimeter Neuschnee. Am Mittwoch bleibt es frostig bei Höchstwerten zwischen +1 und -2 Grad je nach Höhenlage.

An Heiligabend bleibt die Hocheifel tief verschneit. Es gibt neue Schneefälle, im Flachland als Schneeregen bei + 2 bis +3 Grad - also noch kein starkes Tauwetter. Vielleicht kann ja an den Weihnachtstagen in Rohren der Skilift in Betrieb gehen. An diesem Wochenende reichte es nur für eine Winterwanderung und eine Rodelpartie. Erst zum Jahreswechsel soll es deutlich milder werden.
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