Klaus Blumberg ist als Kapitän auf dem Rursee zu Hause

Von: Andreas Gabbert
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Klaus Blumberg hat seinen Traumberuf gefunden: Kapitän an Bord der „Aachen”. Foto: Andreas Gabbert

Schwammenauel. Aufmerksam gleitet der Blick über das Wasser. Auf dem Rursee ist zwar nicht besonders viel los, nur ein paar einzelne Boote ziehen ihre Bahnen, doch als Kapitän der Rursee Schifffahrt hat Klaus Blumberg stets ein wachsames Auge auf die Wasseroberfläche gerichtet.

Schließlich kann sich ein aus dem Wasser ragender Ast schnell als ein ganzer Baum entpuppen, dann ist rasches Handeln gefragt.

Seit 2003 ist der 42-Jährige aus Heimbach der Kapitän der rund 38 Meter langen „Aachen”, die zwischen Schwammenauel und Rurberg verkehrt. Seine Liebe zum Wasser entdeckte er schon als Kind. Als sich sein Bruder ein Boot kaufte, stand für ihn fest: „Das will ich auch mal machen.”

Nach einer Bäckerlehre landete er bei der Bundeswehr und schließlich auf der Fregatte „Karlsruhe” als Versorgungsunteroffizier. Bei einem Spaziergang entdeckte er dann die Stellenausschreibung der Rurseeschiffahrt und bewarb sich. Seitdem ist er für die Sicherheit von bis 472 Personen an Bord des Schiffes verantwortlich.

Aufmerksam behandelt der Kapitän auch seine Passagiere. Nach dem Anlegen empfängt er die Fahrgäste an Bord und hilft so mancher älteren Dame mit ihrem Rollator das Schiff zu besteigen.

Bei Wind wird es turbulent

Meistens geht es hoch oben auf der Brücke der „Aachen” recht gemütlich zu. Ein paar Familienfotos hat Blumberg dort aufgehangen und leise spielt die Musik im Radio. Auch die höchstpersönliche Thermokaffeetasse darf nicht fehlen. „Die hält warm bis Woffelsbach”, sagt der Schiffsführer und lacht.

Unter bayrischer Flagge

Auf dem Rursee kann es aber auch ganz schön turbulent zu gehen, wenn es windig wird. Die Aufbauten des Schiffes verhalten sich in solchen Situationen wie ein großes Segel. „Dann sitzt man hier auch nicht mehr in Ruhe, sondern wartet hochkonzentriert auf die Windböen”, erklärt Blumberg. Die Leute an Bord bekommen davon meist gar nichts mit.

Viele kleine Geschichten weiß er zu erzählen. Am liebsten erinnert er sich aber daran, als er zu Ehren seiner damaligen Freundin aus München unter bayrischer Flagge fuhr. Mittlerweile sind die beiden verheiratet. Hätte er damals nicht das Angebot erhalten, Kapitän auf der Aachen zu werden, wäre er wohl zu ihr nach München gezogen. Jetzt würde er aber gern bis zur Rente über den Rursee schippern.

Er mag die verschiedenen Stimmungen die der See zu bieten hat - den Nebel der sich am Morgen über das Wasser legt oder den letzten Schnee im Frühjahr. Tausende Male hat er als Kapitän den See befahren, jede Biegung kennt er mittlerweile wie seine Westentasche und gegen schlechte Laune hat Blumberg auch ein Geheimrezept: „Wenn man schlecht drauf ist und zweimal über den See gefahren ist, ist es wieder gut. Das beruhigt.”

Inwieweit man auf der Brücke entspannen kann, hängt aber nicht nur vom Wetter ab: „Bei viel Betrieb ist man froh, abends abschalten zu können und niemanden mehr zu hören. Bei schlechtem Wetter bin ich allerdings froh, wenn mich mal jemand hier oben besucht”, schildert der Kapitän.

Richtig hektisch wird es an Bord der „Aachen” aber nicht oft, auf ein paar Minuten kommt es nicht an - die Schiffe der Rurseeflotte sind nur selten auf die Minute pünktlich. Andere Dinge sind wichtiger. Etwa dass die vielen älteren Fahrgäste sicher und in Ruhe das Schiff betreten und verlassen können. Sollte jemand im letzten Moment kommen, so wird geduldig gewartet. Vor der Abfahrt läutet Blumberg die Schiffsglocke, damit auch wirklich jeder mitbekommt, dass es jetzt los geht.

Unterwegs stoppt Blumberg das Schiff an Anlegestellen, wo potentielle Fahrgäste warten. „Die haben oft nur eine Frage, beispielsweise warum man so spät komme”, weiß der Schiffführer aus Erfahrung. Passiert so etwas öfter, „sitzt man hier irgendwann doch auf heißen Kohlen”.

Und wie kommt Blumberg mit den vielen Wassersportlern auf dem See zurecht? Mit Seglern hat er kaum Probleme. Schließlich versteht er sie aus eigener Erfahrung - früher ist er selber gerne auf dem See gesegelt. Bei Wind sei das alles kein Problem, nur bei einer Flaute könnten die Segelboote eben keinen Platz machen. „Bei einer Regatta versuchen wir den Seglern entgegen zu kommen und ihnen die Vorfahrt zu lassen. Leider geht das nicht immer. Wenn viel Betrieb ist, haben wir gewissermaßen unserer eigene Regatta.” Mit Kajakfahrern hat er es nicht so. „Die wollen immer in die Heckwelle rein.”

In solchen Fällen erweist sich der Schiffführer gerne als Spielverderber und stoppt eine der Maschinen, wenn die Kajaks angefahren kommen.

Sommerzeit bedeutet für die Rurseeschifffahrt Hochsaison, täglich lassen sich die Menschen über den See fahren. Doch im Winter, wenn es kaum noch jemanden an den See zieht, hat Blumberg wieder mehr Zeit für seine Familie. Bis dahin hat er genügend Stunden auf seinem Arbeitszeitkonto angesammelt, um auch mal die Füße hochzulegen.
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