Klassische Läufe verkommen zu „Events“

Von: M.S.
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Möchten (noch) vereinslose Leichtathleten von den Vorzügen einer Klubmitgliedschaft überzeugen: Die Lauftrainer Paul Boltersdorf (links) und „Kalle“ Plum. Foto: Manfred Schmitz

Nordeifel. Schon im 21. Jahr besteht der Rur-Eifel-Volkslauf-Cup. Er ist die älteste deutsche Laufserie ihrer Art – und doch jung geblieben! Der Wettbewerb registriert stetig steigende Teilnehmerzahlen in euregionalen Leichtathletik-Kreisen.

Lebendige Cup-Stützpunkte etablierten sich seit dem Premierenstart in Eschweiler, im März 1995, in vielen Winkeln der Städteregion Aachen, dem Dürener und Jülicher Land, dem Selfkant, Ostbelgien und Niederländisch Limburg. 36 Läufe sind bis zum Jahresende im „Land ohne Grenzen“ geplant. Exakt die Hälfte dieser Veranstaltungsreihe, inszeniert für Bambini bis zu den Seniorenklassen, wurde bislang in diesem Jahr absolviert. Zeit für eine Zwischenbilanz, gezogen im Gespräch mit den Pokalgründern und langjährigen Lauftrainern Paul Boltersdorf aus Nideggen und Karl-Heinz Plum (Strauch).

Beide sind, ebenso wie der verstorbene, verdienstvolle Volkslaufwart des Kreises Düren, Hans Hohn, Urgesteine eines inzwischen rasanten, sportlichen Selbstläufers. „Kalle“ Plum war vor der Cup-Premiere bereits über zehn Jahre „Vater“ und „Macher“ des legendären Aachener Volkslauf-Pokals. In diesen Tagen haben seit Jahresbeginn 2015 genau 3423 Läuferinnen und Läufer für total 6000 Starts auf unterschiedlichen Strecken gemeldet. Bis Weihnachten, schätzen die Funktionsträger selbstbewusst, „werden wir gut 5000 Erwachsene, Kinder und Jugendliche im Zieleinlauf zählen“.

Ob schnelle Stadtläufe, originelle und beschauliche „Genussläufe“ oder die Athleten bis zum körperlichen Limit fordernde Wettkämpfe über kräftezehrende, schier alpine Eifelpisten – die Organisatoren achten bei Ausschreibung eines Rennens stets penibel darauf, dass die Auswahl jedes Parcours den Aktiven unterwegs malerische Naturlandschaften erschließt. „Unser Angebot zur Wahl über verschiedene Distanzen richtet sich auch an Anfänger, neu rekrutierte Runner-Freunde und Mittelstreckler“, beschreibt Boltersdorf die Zielgruppe.

Teilnehmer am Rur-Eifel-Cup erweisen sich als treue und begeisterungsfähige Partner: „Seit Januar haben allein 74 Läufer fast tausend Starts verbucht, sie brachten es auf mindestens zehn Teilnahmen.“

Boltersorf und Plum beobachten mit gemischten Gefühlen, „dass sich klassische Laufwettbewerbe mehr und mehr zu ´Events´ mit Showcharakter entwickeln“. Viele „wilde“ Veranstaltungen gingen ohne Verbandsorientierung vonstatten, Business-Runs und Wohltätigkeitsaufgebote zum sozialen Zweck schössen aus dem Boden und trügen Züge privater Treffen mit Unterhaltungswert, Tendenz steigend. Boltersdorfs Vermutung: „Partnerschaftlich praktizierter Zusammenhalt allgemein und speziell in unserem Volkslauf-Cup wird über die zukünftige Existenz und Qualität Eifeler Wettkampfveranstaltungen entscheiden.“

30 bis 40 Prozent aller Leichtathleten, belegt die Statistik, starten zu Sportwochen, Individualwettbewerben oder Mannschaftsvergleichen und Meisterschaften als Single, ohne jede Vereinsbindung. Das will Paul Boltersdorf zum Wohle der Sportler ändern. Er sieht ein „Riesenpotential an Kandidaten“, die im Geläuf querfeldein, auf Rasen, Aschen- oder Kunststoffbahn als Klubangehörige zweifellos deutlichen Nutzen und Vorzüge im Team gegenüber Solostartern genießen könnten.

Vor fünf Jahren hatte Boltersorf darum die Idee, „einen Verein der Vereinslosen“ ins Leben zu rufen. Mit Erfolg! Der „Internationale Athletik-Club Düren/Eifel/Rur wurde aus der Taufe gehoben. Vergangenen März wiederbelebt, hat er inzwischen 17 rege Mitglieder. Sie sind in den Großräumen Aachen, Düren, Köln zu Hause, aber: „Genügend Potenzial ist da, wir wollen es zum Jahresende auf mindestens 50 Vereinsangehörige bringen“ (Boltersdorf). Dreimal pro Woche wird trainiert, „wer kommt, der kommt“, so die lockere Devise. Mittwochs, 17 Uhr, ist Lauftreff in Düren-Burgau angesagt, freitags, 15.30 Uhr in Birkesdorf und jeden Dienstag (18 Uhr) in Nideggen.

Für detaillierte Auskünfte zu den Trainingseinheiten steht Paul Boltersdorf unter der Fernruf-Nummer 02474/99890 gern zur Verfügung. Er weist darauf hin, „dass in unserer Vereinsgemeinschaft Geselligkeit und Humor nicht zu kurz kommen, wie sie der Einzelkämpfer auf einsamer Piste kaum empfinden kann“. Die Sportler verstünden sich auf Anhieb beim Kennenlernen und Kommunizieren. „Im Rennen sind sie harte, aber faire Konkurrenten, nach Zielankunft vereinsüberschreitend nur noch gute Sportkameraden, wie eine große Familie“ („Kalle“ Plum).

Beide Organisatoren beurteilen die Zukunft kleiner Sportvereine sorgenvoll: „Das Publikum strömt in Massen dorthin, wo viel los ist, spektakuläres Brimborium herrscht. Etwa, wenn auf dem Nürburgring 15000 Langstreckler ihre Runden drehen. Solche Großereignisse nehmen lokalen Ausrichtern beträchtliches Läufer- wie Zuschauerpotenzial weg und damit die Existenzgrundlage.“

Diese Sorge hat der junge Athletik-Club Düren/Eifel/Rur nicht. Seine komplette, rund 20-köpfige Mannschaft bereitet sich derzeit intensiv auf den anspruchsvollen Marathonlauf im englischen Hull vor. „In der zweiten Septemberwoche werden wir dort in der Staffel debütieren und die Eifeler Leichtathletik würdig vertreten“, so die feste Absicht.

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