Klare Worte von der Kanzel gegen Nazis

Von: P. St.
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Auf viel Interesse dürfte Dr.
Auf viel Interesse dürfte Dr. Herbert Arens (re.) mit seiner Dokumentation über NS-Verfahren gegen katholische Geistliche im Dekanat Monschau stoßen. Kurt Mertens, Ehrenmitglied im Geschichtsverein des Monschauer Landes, ließ sich vom Autor ein Exemplar signieren. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. „Es ist unverantwortlich, die katholische Jugend einem derartig zweifelhaften und sehr in Frage gestellten Ziele entgegenzuführen wie es zur Zeit geschieht”: Das sind mutige Worte, vor allem weil sie in die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland fielen.

Die Worte stammen von Kaplan Joseph Brosch und sind einer Predigt zum Thema Erziehung der katholischen Jugend entnommen, die er am 22. April 1934 in der Pfarrkirche Monschau hielt.

Diese klaren Worte von der Kanzel waren für das NS-Regime aber nichts anders politische Unterwanderung und reine Provokation. Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten: Der damals 27-jährige Geistliche wurde von den Nationalsozialisten in „Schutzhaft” genommen. Er war ein Jahr zuvor in die Pfarre St. Mariä Geburt gekommen, um den damaligen Oberpfarrer Gerhard Roeben in seiner seelsorgerischen Arbeit zu unterstützen.

Willkürliche Maßnahmen der Nazis ohne jede Rechtslage gegen Geistliche waren in der damaligen Zeit an der Tagesordnung.

Wie sich die Situation im Monschauer Land damals darstellte, wird ausführlich in einer jetzt erschienen Dokumentation unter dem Titel „NS-Verfahren gegen katholische Geistliche im Dekanat Monschau” beschrieben. Autor der über 200-seitigen Dokumentation ist Dr. Herbert Arens, der den Beitrag in der Schriftenreihe des Geschichtsverein des Monschauer Landes herausgegeben hat.

Im neuen Domizil des Geschichtsvereins, am Holzmarkt 5 in Monschau, stellte der 1939 geborene Autor seine Dokumentation jetzt vor. Die Präsentation der spannenden Darstellung wurde gleichzeitig zu einer intensiven und kurzweiligen Geschichtsstunde der Vorkriegszeit im Monschauer Land. Die Form der Dokumentation hat Arens bewusst gewählt, damit der Leser, die zahlreichen Protokolle und Aufzeichnungen vor Augen, sich sein eigenes Bild von der damals herrschenden politischen und gesellschaftlichen Situation vor Ort machen kann.

Trotz dieser sachlichen Betrachtungsgrundlage beweist der Autor aber dennoch viel Mut: Er hat nämlich ganz bewusst darauf verzichtet, Namen von Betroffenen zu verschwiegen. Herbert Arens: „Es ging mir auch darum, der Willkür des Regimes ein Gesicht zugeben.”

Konkret dokumentiert werden drei Verfahren. Neben der Schikanierung von Joseph Brosch, der im damaligen Gemeindegefängnis auf der Kirchstraße mehrere Tage in Schutzhaft verbrachte, werden auch die NS-Verfahren gegen den Kalterherberger Pfarrer Paul Müller (ebenfalls in den Jahren 1934/35) dargestellt wie auch die Verhaftung des Ordensgeistlichen Clemens Stroick in Konzen (1938).

Interessant im Falle von Pfarrer Müller ist die Tatsache, dass er vom einem Nazi-Änhänger denunziert wurde, obgleich es in den Dörfern des Monschauer Landes damals nur ganze wenige überzeugte Parteisoldaten gab. Müller verbrachte einige Tage im Polizeigefängnis des Monschauer Amtsgerichtes, ehe er später in Aachen in Schutzhaft genommen wurde.

Die Umstände der Verbannung von Pfarrer Müller zeigen auch auf, welchen Gewissenskonflikten viele Menschen damals ausgesetzt waren. So war der damalige Amtsgerichtsrat in einer besonders schwierigen Lage, weil der von den Nazis Beschuldigte gleichzeitig sein Beichtvater war.

In der Dokumentation schildert der Autor dann auch noch acht weitere Beispiele gegen Geistliche gerichtete Schikanen und Repressalien im Dekanat Monschau, mit denen die Nazis das Ziel verfolgten, das Gemeindeleben zu stören. In zwei Fällen benennt der Autor aber Strafverfahren gegen Priester wegen Überschreitung des Züchtigungsrechtes.

Insgesamt aber, so hält Herbert Arens fest, habe sich katholische Kirche auch in den Zeiten der freundlichen Kooperation „ideologische dem Nationalsozialismus nicht gebeugt.”

Schriftenreihe „Beiträge zur Geschichte des Monschauer Landes” (Nr. 12): Herbert Arens: NS-Verfahren gegen katholische Geistliche im Dekanat Monschau. Eine Dokumentation.

206 Seiten mit einigen Abbildungten. Für Mitglieder des Geschichtsvereins kostet das Buch 8,00 Euro, im örtlichen Buchhandel ist die Dokumentation für 9,80 Euro erhältlich.

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