Klangexperiment mit Rattern und Hymne

Von: Stefan Schaum
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Ein hymnisches Finale beim Abs
Ein hymnisches Finale beim Abschlusskonzert der „String Theory” im Alsdorfer Energeticon: „Take Me Far Out” heißt der Song der Aachener Band Alvida, bei dem fast alle am Workshop beteiligten Musiker auf der Bühne waren. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Einfach mal loslassen, den Tönen ganz viel Raum geben. Den vertrauten Klängen und den ungewöhnlichen. Um größtmögliche Freiheit geht es bei der „String Theory”, um eine Musik ohne Grenzen. Dabei hat das internationale Musikprojekt „String Theory” bei der Präsentation im Alsdorfer Energeticon am Wochenende auch zahlreiche Künstler aus der Region in Szene gesetzt.

In Berlin begann 2007 die musikalische Reise des Projekts, das in Göteborg sein zweites Standbein hat. So waren auch einige Musiker aus Schweden nach Alsdorf gereist, wo im Rahmen des Kulturfestivals der Städteregion Aachen ein fünftägiger Workshop stattfand.

Dabei versteht sich die „String Theory” als Netzwerk befreundeter Künstler, die in immer wechselnden Formationen Workshops und Konzerte geben. Der Abschluss dieser Etappe des Klangexperiments wurde zu einem Genuss für gut 400 Zuhörer.

Eine besondere Mischung

Rund 40 Künstler fanden Platz vor der Turbine im alten Bergmannsgebäude. Versierte Orchestermusiker trafen dort auf Mitglieder von Schülerbands, klassisch geschulte Instrumentalisten auf elektronische Klangbastler. Die Performance zog ihre Reize aus dieser Mischung. Während des 90-minütigen Auftritts hielten sich eingängiger Pop und herausfordernde Klangcollage fein die Waage.

Gleich zu Beginn wurde diese Richtung deutlich. Die Tonkünstlerin Helena Persson hatte während des Workshops Geräusche in Aachen und Alsdorf gesammelt, etwa von den Arbeiten am derzeitigen Ausbau der Euregiobahn. Dieses aufgezeichnete Brummen und Rattern eröffnete den Abend. Erst nach und nach umhüllten die Streicher die Geräuschkulisse und gaben dem Ganzen eine Form, dem Hörer einen Halt. Mal ganz geradlinig und rockig wie bei den Songs der Aachener Musiker Michael Witte und Spjelle, mal deutlich angeschrägt wie beim Stück „Nah dran” der Band Celno & Gypsies - die Arrangeure der „String Theory” hatten während der einwöchigen Proben viele Wege beschritten, um die von den regionalen Künstlern mitgebrachten Songs frisch zu interpretieren.

Am Dirigentenpult wechselten sich dabei Simon Bauer, Ben Lauber, Nils Tegen und Patrick Christiansen, der unter dem Künstlernamen „Nackt” firmiert, ab. Wobei sich der Part des jeweiligen musikalischen Leiters auf das Nötigste beschränkte. Nämlich darauf, das Ensemble herauszufordern und in immer neue Richtungen zu treiben. Mal druckvoll und groß, mal ganz verhalten agierten die Musiker und ließen den Sängern des Abends Platz, sich zu entfalten. Unterstützt wurde die soghafte Wirkung der Auftritte durch Videocollagen, die die Künstlerinnen Cherié (Berlin) und Christina Vantzou (Brüssel) in Alsdorf entwickelt hatten und auf eine Tuchbahn hinter den Musikern projizierten.

„Es geht um Freundschaften”

Geradezu hymnisch geriet das Finale: der Song „Take Me Far Out” der Aachener Band Alvida. Ein Pop-Song, mit Wucht gespielt und gesungen. Ein hymnischer Chorgesang und ein Abschluss, dem im Energeticon stehende Ovationen folgten. Das nächste Kapitel der „String Theory” soll in Paris aufgeschlagen werden, doch der Alsdorfer Workshop findet ebenfalls Nachklang: Die Stücke sollen demnächst auf CD veröffentlicht werden. Für Projektleiter Sebastian Gäbel ein logischer Schritt. „Wir sind total zufrieden mit dem Ergebnis. In Alsdorf sind viele inte-ressante Künstler Teil des Projekts geworden. Darum geht es uns vor allem: um Freundschaften.”
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