Kirmes in der Eifel: Ein toller Spaß

Von: rpa
Letzte Aktualisierung:
muss-landkirmes-bu
Der Kirmesknochen gehört wie der Kirmesbaum zu den Symbolen der Eifel Landkirmes, die am Wochenende in etwa 10 Ortschaften gleichzeitig gefeiert wird. Konzens Ortsvorsteher Matthias Steffens, derzeit auch amtierenden Hahnenkönig, präsentierte im Jahr 2006 den Kirmesknochen wie eine Trophäe. Foto: R. Palm

Nordeifel. Der „Kirmesknochen” ist ein Symbol der Eifeler Landkirmes, der Kirmesbaum ein anderes. Und in Imgenbroich wird am Freitag (25. Juni) nach Jahren wieder ein Kirmesbaum aufgestellt (ab 19 Uhr am Bürger-Casino).

Der Kirmesknochen wird am Samstag ausgegraben. Im benachbarten Konzen wird der Kirmesbaum am Samstag um 16 Uhr aufgestellt, gegen 19 Uhr wird dann der Kirmesknochen, der unter dem Kirmesbaum versteckt ist, ausgegraben - dann ist die Kirmes eröffnet.

Nicht überall wird gefeiert

Landkirmes in der Nordeifel: In knapp zehn Dörfern wird die Kirmes am selben Wochenende gefeiert. In Eicherscheid wurde die Landkirmes vor Jahren mit Rücksicht auf die Heuernte auf das erste Wochenende im August verlegt, ebenso in Steckenborn, wo die Großkirmes Ende Juli stattfindet. In Kesternich wird die Kirmes seit rund 15 Jahren bereits eine Woche früher gefeiert.

Die Landkirmes ist „ein Volksfest im eigentlichen Sinne”, so lesen wir bei Karl Stollenwerk (1882-1942) 1928 in seinem Beitrag „Sitten und Bräuche des Montjoier Landes”. Da ist die Rede vom „Geloog”, von Tanzlustbarkeiten, von Rundtänzen und vom Abklatschen und auch von „heftigen Raufereien” und einer „ausgepichten Sauferei”.

Die Sitten und Bräuche haben sich seither kräftig geändert. Vor den Tagen der Landkirmes hatten zum Beispiel die Bäcker in den einzelnen Orten mächtig viel Arbeit: Die Leute brachten allerlei Obst, daraus machte der Bäcker dann Taarte on Flaam, den die Leute dann auf dem „Hüertsche” nach Hause trugen.

Karl Stollenwerk: „Ist in der Woche vor der Landkirmes dunstiges Wetter (und dies kommt nicht selten vor), so pflegt man zu sagen, dies seien die Dünste von jenen fabelhaften Mengen Reis und Obst, welche in diesen Tagen gekocht und mit Weizenmehl verbacken werden.”

Früher weit mehr als heute kamen die Verwandten aus den benachbarten Dörfern dann „opp de Körmes”. Kirmeszeit war stets Ballzeit. Organisiert wurden die „Tanzlustbarkeiten” vom „Geloog”, in dem sich die „Burschen des Dorfes” zusammengeschlossen hatten. Karl Stollenwerk: „Die Burschen übernehmen den Tanzsaal und die hinzu gehörende Musik auf gemeinschaftliches Risiko, sie kassieren den Tanzgroschen ein und der Wirt hat nur die Getränke zu liefern.

Die Burschen vom „Geloog” hatten, so Karl Stollenwerk, noch eine wichtige Aufgabe zu erfüllen: „Sie stellen jedem Fremden, der ohne Dame zum Tanzboden kommt, eine Tänzerin zur Verfügung, sie regeln die Tanzordnung, erheben den Tanzgroschen und säubern das Lokal, wenn gelegentlich eine Rauferei ausbricht.”

In den meisten Ortschaften gab es damals, also 1928, schon „regelrechte, solide und geräumige Tanzsäle, „daneben bestehen jedoch auch meist noch die alten, beschränkten Heuböden. Dann berichtet der Monschauer Heimatkundler Karl Stollenwerk über die Art der Tänze: „Es ist auf manchen Dörfern Sitte, dass die sämtlichen Rundtänze ohne Unterbrechung durchgehopst werden. Das ist ein tolles Treiben, zumal auch das Abklatschen dann in ausgiebigster Weise gehandhabt wird. Die Paare wirbeln durcheinander - Klitsch! Klatsch! Schallt es bald hier, bald dort, und die Tänzer lösen einander ab.”

Zur Kirmes gehört auch vielfach das „Hahneköppen”. Das „Hahneköppen” ist ein alter Brauch, den Karl Stollenwerk schon 1928 beschreibt: „In einem alten Strohbienenkorb wird ein Hahn so untergebracht, dass er mit Kopf und Hals oben zum Korb hinausragt. Den Teilnehmern werden nun die Augen verbunden, worauf jeder mit einem alten Haudegen einen Hieb nach dem Kopf des Hahnes ausführt. Wie der Hahn dann zugerichtet wird, ist begreiflich. Die ganze Feier aber steht im Zeichen einer ausgepichten Sauferei.”

Auch der bunt geschmückte Kirmesbaum gehört zu den Symbolen der Eifeler Kirmes. Wie etwa um das Jahr 1850 ein Kirmesbaum aussah, das beschreibt Lehrer Karl Wirtz in seiner „Ortsgeschichte von Dedenborn” unter anderem: „An einer langen Stange wird eine kleine Tanne befestigt, an deren Zweige ausgetrunkene Eier, Heringe und Flitterwerk gehängt werden.” Damals schon wurde die Kirmes „ausgegraben”, wie Karl Wirtz erzählt: „Vorher haben einige Jungen eine Flasche Schnaps vergraben. Ist die Flasche gefunden, geht´s unter Singen und Johlen zum Tanzsaal.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert