Kirchturmsanierung: Wann geht es weiter?

Von: Peter Stollenwerk
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An diesen Anblick hat man sich in Kesternich fast gewöhnt: Seit über einem Jahr ist der Kirchturm der Pfarrkirche St. Peter und Paul eingerüstet. Foto: Peter Stollenwerk

Kesternich. Im Dorf spricht man von einer „Lachnummer“, obwohl die Angelegenheit eher unlustig ist: Da ist der Turm der Pfarrkirche St. Peter und Paul nun seit ziemlich genau einem Jahr eingerüstet, aber auf dem Gerüst ist kein Mensch zu sehen. Die begonnenen Arbeiten der Kirchturmsanierung ruhen seit dem vorigen Spätherbst, weil die an der Ausführung beteiligten Firmen dem Gerüstbau nicht trauen.

Die Konstruktion sei fehlerhaft errichtet worden und biete bei den Arbeiten in luftiger Höhe nicht das nötige Maß an Sicherheit, heißt es. Fachleute haben diese Auffassung bestätigt.

„Eigentlich sollten die Arbeiten schon seit einem Jahr fertig sein“, weiß auch Ernst Wilden vom Kirchenvorstand, und auch dass man in der Bevölkerung über diese Posse nur noch den Kopf schüttelt. „Ich bin über alle Maßen verärgert“, schimpft er, aber ausrichten könne der Kirchenvorstand auch nur wenig, solange der Sicherheitsaspekt beim Gerüst nicht geklärt sei.

Geht es nächste Woche weiter?

Aber es könnte sein, dass der Ärger demnächst verraucht, denn alles deutet darauf hin, dass in der kommenden Woche die Arbeiten endlich wieder aufgenommen werden können. Wenn dann alles planmäßig läuft, müssten die restlichen Arbeiten in maximal sechs Wochen erledigt sein.

Die berechtigte Hoffnung, dass alle Anforderungen an das Gerüst jetzt den Vorschriften entsprechen, hat auch Ursula Bongard-Soltain, die Architektin der Maßnahme. Von Beginn an sei sowohl von Seiten der dort tätigen Handwerker, wie auch von der Berufsgenossenschaft die zunächst vom Erdboden bis zur Traufe reichende Gerüstkonstruktion des Kirchturms als nicht ordnungsgemäß eingestuft worden.

Dennoch begann der Dachdeckerbetrieb damals mit den Arbeiten, „obwohl er sich auf einem Gerüst befand, dass nicht sicher war“, bemerkt die Architektin. Etwa zwei Drittel des Auftrages sind bislang erledigt.

Endgültig eingestellt worden seien die Arbeiten aber dann vor rund vier Monaten, als der zweite Teil des Gerüstes für die Erreichbarkeit der Kirchturmspitze in 45 Meter Höhe errichtet worden sei. Dieser Teil des Gerüstaufbaus stelle noch einmal eine besondere Herausforderung dar, betont die Architektin, „weil da ganz andere Lasten anfallen“. Dabei hätten sich aber so viele Probleme ergeben, dass das Gerüst nicht freigegeben worden sei. Nach mehreren Gesprächen seien aber nun die geforderten Sicherheitsaspekte erfüllt worden, so dass einem Fortgang der Arbeiten nichts mehr im Wege stehe, sagt Ursula Bongard-Soltain.

Beim Bistum erkundigt

Den Auftrag für den Gerüstbau hatte seinerzeit der Kesternicher Kirchenvorstand erteilt. Der günstigste Anbieter habe den Auftrag erhalten, berichtet Ernst Wilden, allerdings habe man sich zuvor bei der Bauabteilung des Bistums Aachen abgesichert, dass das Unternehmen auch in der Lage sei, den anspruchsvollen Auftrag ordnungsgemäß zu erledigen. Seitens des Bistums seien keine Bedenken geäußert worden.

Eigentlich sollte die schon länger fällige Sanierung des Kirchturmdaches ja in eine ganz andere Richtung gehen. Vor etwa anderthalb Jahren hatte der Kirchenvorstand Überlegungen öffentlich gemacht, die sanierungsbedürftige Kirchturmspitze wieder in der ursprünglichen Form herzurichten, die gegen Ende des Zweiten Weltkrieges einem amerikanischen Artillerieangriff zum Opfer gefallen war. Dann wäre der Kirchturm etwa neun Meter höher geworden.

Nur „kleine Lösung“

Es lag bereits die verlässliche Zusage eines Spenders über 100.000 Euro vor, aber trotz eines realistischen Finanzierungsplans kam der neue Kirchturm nicht zur Ausführung. Das Vorhaben fand damals nicht den nötigen Rückhalt in der Pfarre, so dass der Kirchenvorstand sich mit der kleinen Lösung begnügte.

Schon früh zeichnete sich ab, dass die veranschlagten 35.000 Euro für die Kreuz- und Dachsanierung wohl nicht ausreichen werden, da die Balkenunterkonstruktion stark angegriffen ist. Das Kreuz mit dem neuen vergoldeten Kirchturmhahn als Krönung, das kurz vor Weihnachten 2015 in einer spektakulären Kran-Aktion abmontiert worden war, liegt längst fertig renoviert bereit. Nicht nur Ernst Wilden würde gern sehen, dass der Hahn, der sich 63 Jahre lang auf der Kirchturmspitze drehte, nach einjähriger Pause wieder auf seinen Ursprungsplatz zurückkehrt.

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