Lammersdorf - Kirchenmusikalische Andacht: Gefangen von der Leidensgeschichte

Kirchenmusikalische Andacht: Gefangen von der Leidensgeschichte

Von: ho
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Eine beeindruckende Darbietung bot am Karfreitag der Lammersdorfer Kirchenchor. In der Pfarrkirche wurde die Markuspassion von Reinhard Keiser in der Fassung von J.S. Bach zu Gehör gebracht. Foto: Hoffmann

Lammersdorf. Wenn der Lammersdorfer Kirchenchor St. Johannes der Täufer zum Konzert lädt, wissen Musikliebhaber und Kenner, dass Musikgenuss auf hohem Niveau angesagt ist. Sofern dann nach Verklingen des letzten Tones sich auch der nicht so spezialisierte Musikfreund spontan von seinem Platz erhebt und stehend anerkennenden Beifall spendet, kann man davon ausgehen, dass die Akteure Beeindruckendes geboten haben.

Bei der kirchenmusikalischen Andacht, die der Kirchenchor am Karfreitag in der vollbesetzten Lammersdorfer Pfarrkirche bot, war am Ende genau dieses Szenario gegeben, und der Chor hatte unter Leitung von Gabriele Scheidweiler-Pleines erneut ein Markenzeichen gesetzt.

Passend zum Feiertag hatte der Chor die Zuhörer zu der von Reinhard Keiser (1674 – 1739) um 1700 komponierten Passion nach dem Evangelisten Markus für Solo, Chor und Orchester in der Fassung von J. S. Bach geladen.

Wie Hedwig Dercks vor Beginn des Konzerts den Besuchern erläuterte, zählt diese Markuspassion zu den sogenannten oratorischen Passionen, also dem Passionstyp, bei der dem Bibeltext in der Regel unverändert beibehalten und vertont wurde. Von Bach wurde die vertonte Leidensgeschichte Christi zwischen 1713 und 1748 in Weimar und Leipzig insgesamt drei Mal aufgeführt.

Für einen kurzen Moment Stille

Der Lammersdorfer Chor gab am Karfreitag die Weimarer Fassung wieder, da von ihr die Aufführungsmaterialien weitgehend vollständig überliefert wurden.

Von dem besinnlichen Charakter der vom Kirchenchor vorgetragenen Markuspassion waren die Besucher von Anfang an gefangen. Begleitet von einem zwölfköpfigen Instrumental-Ensemble, das mit viel Feingefühl und Hingabe, Sängerinnen und Sänger unterstützte, wurden die Zuhörer einfühlsam in die Leidensgeschichte Christi eingeführt. Hierbei waren im ersten Teil der Passion die Solisten Walter Drees (Tenor) und Ingo Pleines (Bass) die Hauptprotagonisten, die im Rezitativ, ein dem Sprechen angenäherter Gesang, bei dem der Sänger die Freiheit hat, den Text rhythmisch frei zu deklamieren, stimmliche Akzente setzten.

Dabei fiel dem Part der „Chor-Leihgabe“ in Person von Walter Drees mit seiner glasklaren Stimme als vortragender Evangelist der Markuspassion ohne Zweifel die Hauptarbeit zu. Beindruckend im Solobereich jedoch ebenso Judith Scheidweiler (Sopran), Hendrik Löhn und Gaby Roßkamp mit ihrer faszinierenden Alt-Stimme.

Verzaubert vom Festival der Solostimmen zeigten sich die Zuhörer auch bei den vorgetragenen Arien. Walter Drees, Ingo Pleines, Judith Scheidweiler und Gaby Roßkamp brachten dabei ihr ganzes Können zu Gehör. Daneben glänzten die Sängerinnen und Sänger des Chores bei ihren Einsätzen in gewohnter Art und Weise.

Am Ende der kirchenmusikalischen Andacht nach knapp 90 Minuten herrschte dann zunächst für einen kurzen Moment absolute Stille in der Lammersdorfer Kirche, da die Zuhörer schlichtweg gefangen und beeindruckt waren. Den dann einsetzenden lautstarken Applaus nahmen alle Akteure gerne entgegen. Chorleiterin Gabriele Scheidweiler-Pleines bedankte sich anschließend wie üblich in bescheidener Art und Weise bei den zahlreichen Gratulanten, die sich schon auf das nächste Konzert des Chores freuen.

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