Kirche hat kein Geld mehr für die Kapelle

Von: Helga Giesen
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Die Marienkapelle in Roetgen: Die Kirche hat kein Geld mehr für den Unterhalt. Ein Förderverein will sich jetzt für den Erhalt des Gebäudes einsetzen. Foto: Helga Giesen

Roetgen. Der allgegenwärtige Zwang zum Sparen macht bekanntlich auch vor den Kirchen nicht halt. So kann zum Beispiel das Bistum Aachen seine Zuschüsse zu Baumaßnahmen in den Pfarren bzw. Gemeinschaften der Gemeinden (GdG) nicht erhöhen und den tatsächlich vorhandenen Bedarf nicht mehr decken.

Statt der derzeit benötigten rund 18 Millionen Euro stehen nur 10 Millionen zur Verfügung. Konsequenz daraus ist, dass das Bistum zukünftig nicht mehr die Instandhaltung aller kirchlich genutzten Gebäude bezuschussen kann.

Viele Kirchen, Pfarrhäuser und Gemeindezentren werden heute nicht mehr in dem Rahmen genutzt, wie es in der Vergangenheit üblich war. Die Gründe sind vielfältig, u. a. geht die Zahl der Gottesdienstbesucher insgesamt zurück und die Erwartungen der Gemeindemitglieder an die Kirche und ihre Angebote haben sich geändert.

Mit dem kirchlichen Immobilienmanagement, kurz KIM, hat das Bistum ein Instrument entwickelt, das alle kirchlichen Gebäude erfasst – im Schnitt sind es 45 pro GdG – und ihre Nutzung auf den Prüfstand stellt. Ein von den Verantwortlichen vor Ort entwickeltes Pastoralkonzept soll bei der Entscheidung helfen, welche Gebäude künftig für eine pastorale Nutzung dringend benötigt werden und welche aus der Bezuschussung herausgenommen und eventuell einer anderen Nutzung zugeführt werden können. Dabei gilt es inhaltliche Aspekte und lieb gewordene Gewohnheiten mit wirtschaftlichen Fakten zu vergleichen und gegeneinander abzuwägen.

Zu den Gebäuden in der GdG Kornelimünster/Roetgen, die einen „Roten Punkt“ bekommen haben, gehört die Marienkapelle in Roetgen. Ihre Unterhaltung wird nicht mehr durch Zuschüsse des Bistums gefördert, das heißt, die Mittel für Reparaturen etc. müssen künftig aus anderen Quellen kommen.

Die Marienkapelle ist nicht nur vielen Roetgenern besonders ans Herz gewachsen, sondern sie gehört zusammen mit der Staumauer der Dreilägerbachtalsperre zu den Wahrzeichen der Gemeinde, die auch in der Außendarstellung, z. B. in der Tourismuswerbung, ein bevorzugtes Motiv sind.

In der heutigen Marienkapelle liegen seit ihrer Einweihung als Pfarrkirche im Jahr 1660 die Wurzeln kirchlichen Lebens in Roetgen. Eine ausführliche Dokumentation über die mehr als 350-jährige Geschichte hat der Heimat- und Geschichtsverein im vergangenen Jahr herausgegeben.

Der von Autor Guido Minninger gewählte Titel „Die Kirche im Dorf“ nimmt nicht nur Bezug darauf, dass dörfliches und kirchliches Leben untrennbar verbunden waren, sondern erinnert auch an den Standort der ersten Kirche „e je Dörp“ (im Dorf), das als Ortsteil damals das Zentrum der verstreuten Siedlungen wie Brand oder Schwerzfeld war. Nach dem Neubau der jetzigen Pfarrkirche wurde das alte Gotteshaus zurückgebaut und genau 200 Jahre später, am Pfingstmontag 1860, als „Marienkapelle“ neu geweiht.

Einige engagierte Bürgerinnen und Bürger haben sich nun Gedanken gemacht, ob ein Förderverein künftig den Erhalt und die Nutzung der Marienkapelle sicherstellen könnte. „Wir stehen in der Nachfolge der Erbauer und sehen uns in der Verpflichtung, dieses Erbe für unsere Nachfahren zu erhalten“, erläutert Dr. Marion Behrendt-Höhne vom Kirchenvorstand der Pfarre St. Hubertus die Motivation des Teams, zu dem Hildegard Faymonville, Gisela Kanther, Herbert Hennes und Werner Kreitz gehören.

Die Marienkapelle ist Eigentum der katholischen Kirchengemeinde. Das Gebäude und die Umgebung wurden immer durch größere und kleinere Sanierungsmaßnahmen wie am Mauerwerk oder Dach sorgfältig instand gehalten und befinden sich daher in einem guten baulichen Zustand. „Dicke Brocken“ hat ein Förderverein also nicht zu befürchten, zumal auch laufende Kosten wie Versicherungen etc. weiterhin abgedeckt sind. Es geht vielmehr um Unterhaltungsmaßnahmen wie kleinere Reparaturen, Verschönerungen oder Neuanschaffungen und vor allem auch um ein Konzept zur künftigen Nutzung. Dabei solle der sakrale Charakter erhalten bleiben.

Die Ergebnisse der ersten Überlegungen sollen nun auf einem Informationsabend am Dienstag, 4. Februar, 19.30 Uhr, im Pfarrheim „De Kerchbröck“ in Roetgen vorgestellt und diskutiert werden. Dabei hofft das Team auf einen guten Besuch und freut sich auf viele Anregungen zum Erhalt des kulturellen Erbes interessierten Roetgener Bürgern.

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