Kindergartenstart: Für Kinder, Eltern und Erzieherinnen eine Herausforderung

Von: Heiner Schepp
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Felix (3, links) kannte den Kindergarten und die Räume schon von der Spielgruppe. Dies und die großen Geschwister machten ihm den Beginn des neuen Lebensabschnitts sehr einfach. „Tschö Mama!“ verabschiedete er seine Mutter schon am ersten Tag der Eingewöhnungsphase. Foto: Heiner Schepp
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Joel (2) im Kreis der Kinder und Erzieherinnen in der „Regenbogengruppe“, die das Familienzentrum Konzen und die Städteregion zum neuen Kindergartenjahr neu eingerichtet haben.

Konzen. Ganz vorsichtig verlässt Miles Mamas Schoß und krabbelt nach vorne. Die bunten Memory-Kärtchen, die Erzieherin Heike Kirch-Bock da auf dem Boden ausgebreitet hat, sind aber auch zu interessant. Der Einjährige will ein Kärtchen nehmen, traut sich aber nicht so recht, jetzt, wo alle Augen auf ihn gerichtet sind und seine Mama Verena ihn ermuntert.

„Magst Du mit den anderen Kindern spielen?“ Eigentlich will Miles, aber fürs Erste zieht er doch den geordneten Rückzug in Mamas schützende Arme vor.

Miles mit Eins

Der kleine Junge aus Höfen-Alzen besucht nun seit gut einer Woche den „Sonnenwinkel“, eine von mittlerweile zwei U3-Gruppen im Familienzentrum Konzen. Miles ist derzeit der jüngste Besucher des Konzener Kindergartens, 84 Mädchen und Jungen bis sechs Jahre besuchen aktuell die fünf Gruppen der Einrichtung. Das Nesthäkchen der Konzener Kita befindet sich noch in der sogenannten Eingewöhnungsphase, die dem Kind den Übergang vom Leben zuhause zum täglichen Besuch des Kindergartens erleichtern soll.

„Wir arbeiten nach dem sogenannten Berliner Eingewöhnungsmodell“, erläutert Silke Bongard, die Leiterin des Familienzentrums an der Konrad-Adenauer-Straße. Dieses sieht zunächst eine dreitägige Grundphase vor, in der Mutter oder Vater für eine Stunde mit dem Kind in den Gruppenraum kommen und es dann wieder mit nach Hause nehmen.

Einen Trennungsversuch gibt es zu diesem Zeitpunkt noch nicht; dieser wird erst am vierten oder fünften Tag unternommen, wobei das Elternteil für maximal 30 Minuten zwar den Raum verlässt, jedoch in der Nähe bleibt. Die Trennungsphase wird in ihrer Länge stark danach ausgerichtet, ob das Kind noch häufig Blick- und Körperkontakt zur Mutter (oder zum Vater) im Raum sucht, oder ob es sich bereits mit anderen Kindern oder den Erzieherinnen „anfreundet“.

Stabilisiert sich das Verhalten des Kindes, folgt die Schlussphase der Eingewöhnung, in der der Aufenthalt auf einen Vor- oder Nachmittag ausgeweitet wird, die Eltern aber weiterhin jederzeit erreich- und abrufbar sind.

„Die Eingewöhnung verläuft bei allen Kindern sehr unterschiedlich“, weiß Silke Bongard von kleinen Dramen, aber auch von ganz unkomplizierten Übergängen in diesen neuen Abschnitt im Leben eines Kleinkindes zu berichten.

Joel hat sich schnell in der Umgebung zurechtgefunden. Natürlich sucht der Zweijährige noch Körperkontakt zu seiner Mama Heike, wenn die im Raum ist, ansonsten aber erforscht der junge Mann neugierig die neue Umgebung. „Das liegt wohl auch daran, dass er zwei größere Brüder und auch schon einige Zeit bei einer Tagesmutter verbracht hat“, erzählt Heike Toussaint. Bei der Tagesmutter hatte sie ihren dritten Sohn übergangsweise betreuen lassen, um langsam wieder zwei Tage in der Woche zuhause in ihren Beruf als Gerichtsvollzieherin einsteigen zu können.

Noch unkomplizierter ist die Eingewöhnung bei Felix verlaufen – aber das liegt weniger daran, dass er einer von nur sieben Dreijährigen ist, die fortan die Konzener Tagesstätte besuchen. „Felix kannte das Gebäude und die Räume schon von seinem Besuch in der Spielgruppe hier“, erzählt seine Mutter Sabine vom wöchentlichen Angebot der Familienbildungsstätte vor Eintritt in den Kindergarten.

Auch in der Spielgruppe zieht sich das Kindesalter immer weiter nach vorne, so dass es Felix unter lauter Ein- und Zweijährigen irgendwann etwas langweilig wurde. „Wir haben ihn dann noch versucht für den Kindergarten anzumelden, haben aber keinen Platz mehr bekommen“, berichtet Sabine Kuck, dass Felix eher unfreiwillig erst mit Drei in die Einrichtung kommt – und sich vom ersten Tag an hier richtig wohlgefühlt hat. „Er hat zwei große Geschwister und konnte nie verstehen, warum die morgens aus dem Haus gehen und er nicht. Jetzt darf er endlich“, erzählt die Mutter lachend, hat sie die Eingewöhnung bei ihrem Ältesten vor rund zehn Jahren doch ganz anders erlebt: „Florian kam auch erst mit Drei hier in den Kindergarten – und hat dann ein halbes Jahr hier kein Wort gesprochen...“ Seine Schwester Annalena hingegen, die 2005 zu den ersten Kindergartenkindern mit zwei Jahren gehörte (Sabine Kuck: „Da haben mich einige Eltern schon etwas kritisch angeguckt...“), war eher so forsch wie nun auch Felix. So unterschiedlich können Kinder und sogar Geschwister sein.

Früher erst mit Vier

Es ist noch keine 20 Jahre her, da erwartete manche Familie sehnsüchtig den vierten Geburtstag des Kindes, damit es endlich den Kindergarten besuchen konnte. Es folgten in Deutschland die Jahre des Rechtsanspruches auf einen Kitaplatz für Dreijährige, und heute besuchen viele Kinder zwischen ein und zwei Jahren erstmals einen Kindergarten, spätestens aber mit zwei. „Von 30 neuen Kindern in diesem Jahr sind bei uns nur noch sieben über drei Jahre“, kann Silke Bongard den Wandel für das Familienzentrum Konzen auch an Zahlen ausmachen. Und aus diesem Grunde richtete der Konzener Kindergarten gemeinsam mit der Städteregion als Träger auch eine zweite U3-Gruppe, die „Regenbogengruppe“ ein, in der, wie im „Sonnenwinkel“ nebenan, maximal zehn Kinder von drei Erzieherinnen betreut werden, in der es die für jüngere Kinder notwendigen Einrichtungen (Wickelmöglichkeit) und entsprechendes Spielzeug und -gerät gibt.

Ob Ein-, Zwei- oder Dreijährige – die Eingewöhnungsphase durchlaufen alle Kinder – und auch ihre Eltern, wie Silke Bongard weiß: „Besonders beim ersten Kind ist das auch für die Eltern nicht immer einfach. Aber in aller Regel ist der Abschiedsschmerz bei den Kindern vorbei, sobald Mama außer Sichtweite ist“, so die Leiterin.

Erst wenn der Vormittag vom Kind gut geschafft wird, geht es an die Ausweitung der Betreuungszeiten, wenn dies denn von den Eltern gewünscht und gebucht ist. Im Familienzentrum Konzen ist die erste Abholphase zwischen 12 und 12.30 Uhr, die sogenannten „Mittagskinder“ aller Gruppen essen gemeinsam und können sich auf Wunsch auch im Schlafraum ausruhen. Bis 14.30 und 16.30 Uhr laufen in Konzen die Abholphasen zwei und drei. Noch längere Betreuungszeiten – früher morgens und bis zum Abend – hatten Städteregion und Familienzentrum im vergangenen Jahr einmal abgefragt, doch bei lediglich fünf interessierten Familien kam das Angebot nicht zustande.

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