Simmerath - Kinder lernen „Stopp!” und „Nein!” zu sagen

Kinder lernen „Stopp!” und „Nein!” zu sagen

Von: hes
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Im Kurs mit Ju-Jutsu-Trainerin Vera De Brouwer (re.) lernten die Simmerather Grundschulkinder, einem Erwachsenen gegenüber mit Stimme und Körperhaltung Ablehnung deutlich zu machen. Am Freitag zogen sie dann los, um in 30 Simmerather Geschäften ihre „Rettungsinseln” anzubringen. Foto: Heiner Schepp

Simmerath. In einem Nordeifeldorf nahe der Grenze sprechen zwei Männer in einem dunklen Golf drei Mädchen im Alter von sechs und sieben Jahren an und fragen, ob sie sie fotografieren dürfen. Obwohl die Kinder die Frage verneinen, packen die Unbekannten eine Kamera aus, schießen mehrere Fotos von den Mädchen und verschwinden.

In einem anderen Ort der Nordeifel kurbelt morgens ein älterer Autofahrer die Scheibe herunter und fragt zwei achtjährige Jungen, die gerade auf dem Weg zur Schule sind, ob er sie ein Stück mitnehmen soll. Die Jungen lehnen ab, doch der ihnen unbekannte Mann fährt weiter langsam neben ihnen her. Erst als die Beiden einen Mitarbeiter der Müllabfuhr auf der anderen Straßenseite um Hilfe bitten, lässt der Mann von ihnen ab und fährt mit hohem Tempo davon.

Zwei wahre Begebenheiten aus der jüngeren Vergangenheit in unserem engsten Lebensraum, die zeigen, dass auch in der beschaulichen Eifel Kinder oft Gefahren ausgesetzt sind, die aber häufig nicht sogleich als solche erkannt werden können.

Um auf solche Situationen vorbereitet zu sein, hat die Katholische Grundschule (KGS) Simmerath nun ein Selbstbehauptungs-Projekt für die Kinder des ersten Schuljahrs gestartet. „Nicht mit mir - Starke Kinder schützen sich!” lautet der Name des Projekts, das in Zusammenarbeit mit dem Rurberger Sportverein durchgeführt wird.

Kursleiterin ist Vera De Brouwer vom Deutschen Ju-Jutsu Verband, sie schult die Erstklässler auch darin, auf eine Gefahrensituation mit einer entsprechenden Körperhaltung zu reagieren. „Die Kinder lernen durch Rollenspiele, Verhaltenstraining und Auseinandersetzung mit Geschichten, wie man Gefahrensituationen rekennen und möglichst vermeiden kann”, so De Brouwer.

Dabei erfahren die Kinder ihre eigenen Stärken und lernen auch, die eigene Stimme zielgerichtet einzusetzen, indem sie „Stopp!” und „Nein!” sagen üben. „Das ist nicht selbstverständlich. Kinder sind zumeist so zur Höflichkeit erzogen, dass sie diese Wörter gegenüber einem Erwachsenen eher nicht zur Ablehnung benutzen”, hat Klassenlehrerin Beate De Brouwer beobachtet.

Im Kurs lernen die Kinder auch, dass es häufig die beste Lösung ist, sich bei Gefahr die Hilfe von Erwachsenen zu holen. Deshalb wird das Projekt begleitet von der Aktion „Rettungsinsel”. In der Schule haben die Kinder runde und bunte Rettungsinseln gemalt, ausgeschnitten und laminiert, die seit Freitag in über 30 Simmerather Geschäften gut sichtbar im Schaufenster oder an der Ladentür hängen.

„Die Rettungsinseln signalisieren allen Kindern: Hier findest Du Hilfe, wenn Du Dich in einer gefährlichen Situation auf offener Straße befindest”, erläutert beate de Brouwer und ist dankbar für die Mitarbeit der Simmerather Geschäftswelt: „Alle Geschäftsinhaber waren sofort bereit, unsere Aktion zu unterstützen und die Rettungsinsel bei sich anzubringen.”

Mit dem Anbringen der bunten Bilder im Zentralort ist die Aktion aber nicht beendet. „Wir möchten die Aktion auf die anderen Herkunftsorte unserer Grundschulkinder ausdehnen und den Selbstbehauptungskurs auch in kommenden Schuljahren fortführen”, kündigte die Pädagogin an.
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