Kiloweise leere Patronenhülsen im Naturschutzgebiet

Von: P. St.
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Kalterherberg. Normalerweise suchen Wanderer das Naturschutzgebiet Perlenbachtal auf, um in der Abgeschiedenheit der Natur den besonderen Reiz dieser einzigartigen Landschaft im deutsch-belgischen Grenzgebiet zu genießen.

Auch Erich Güttler aus Schleckheim war in diesen Tagen im Perlenbachtal unterwegs, weil er die ruhige Atmosphäre abseits der besucherintensiven Wochen zur Narzissenblüte im Frühjahr ganz besonders schätzt.

Auf unerwartete Weise unterbrochen wurde für den Wanderer aber das Landschaftserlebnis als er von der Bieley kommend entlang des Heisterbachs wanderte und plötzlich auf dem Boden zwischen Heidekraut und Moos massenweise leere Patronenhülsen entdeckte. Mehrere Kilo Messinghülsen lagen hier. Was aus militärischer Sicht vielleicht ein alltäglicher Anblick ist, irritierte die Wandergruppe nicht wenig.

Offenbar handelte es sich um Übungsmunition wie sie in Maschinengewehren zum Einsatz kommt. Der Fundort befand sich exakt an der Grenze zum 27 Quadratkilometer großen militärischen Sperrgebiet des Lagers Elsenborn. „Solche Hinterlassenschaften gehören nicht in ein Naturschutzgebiet“, findet Erich Güttler. Weil er der Meinung war, „dass solche Sachen hier nicht liegen bleiben können“, nahm er einen Teil der Patronenhülsen mit. Dass die verbrauchten Platzpatronen für die Umwelt keine akute Gefährdung darstellen, ist auch Güttler klar. „Letztlich aber geht es doch um den Respekt vor den Werten der Natur.“

Ein anderer Wanderer hatte aus den Messinghülsen die Worte „Make love, not war“ geformt.

In der Zeit vom 2. bis 22. November finden auf dem belgischen Truppenübungsplatz Elsenborn Schießübungen statt, die auch immer wieder Straßensperrungen auf deutscher Seite zur Folge haben.

Einer, der sich im Perlenbachtal auskennt, ist auch Wanderführer Christoph Dosquet aus Höfen. Leere Patronenhülsen in größerem Umfang mitten im Gelände sind ihm bislang noch nicht begegnet. Andererseits empfinde er es als nicht ungewöhnlich, dass man im Randbereich eines Militärgeländes Übungsmunition vorfinde. „Das ist aber kein Grund, Angst zu bekommen“, findet er.

Auch bei der belgischen Lagerverwaltung in Elsenborn misst man den leeren Hülsen keine größere Bedeutung zu. Man habe auch schon häufiger erlebt, dass Wanderer leere Patronenhülsen aufsammelten und dann gehäuft an einem Platz ablegten, damit sich jemand darum kümmere, so ein Sprecher des Lagers.

Mecar und das Thema Munition

Das Thema Munition im Lager Elsenborn hatte vor rund zehn Jahren besondere Brisanz erhalten, als sich zahlreiche Bürger und Institutionen grenzüberschreitend gemeinsam mit der Bürgerinitiative „Stop Mecar“ gegen die dauerhafte Genehmigung von Munitionstests durch das Rüstungsunternehmen Mecar stellten. 2008 entzog die wallonische Region dann dem Unternehmen die Globalgenehmigung für Munitionstests auf dem Truppenübungsplatz Elsenborn.

Die Munitionstests mitten im deutsch-belgischen Naturpark galten als höchst umstritten. Anwohner der umliegenden Orte beklagten sich über massive Lärmbelästigung, außerdem wurden erhebliche Umweltschäden durch die verwendete Spezialmunition befürchtet. Beispielsweise könnte es zu Belastungen des Grundwassers beiderseits der Grenze kommen. Unter anderem gibt es Bachzuläufe aus dem Sperrgebiet in die Perlenbachtalsperre.

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