Kiescheflitscher: Den Virus Karneval am Rursee verbreitet

Von: Karl-Heinz Hoffmann
Letzte Aktualisierung:
10662754.jpg
Ein Bild mit historischem Wert: Richard Schröder (Rurberg), Bruno Nellessen, Richard Schröder (Woffelsbach) und Heiner Jansen (von links) nach der Generalversammlung im Jahr 1980. Repro: Karl-Heinz Hoffmann

Rurberg/Woffelsbach. „Jeck es jeck un jeck blievt jeck“, mit diesen Worten charakterisiert Bruno Nellessen, Präsident des 1. Karnevalsverein 1965 Kiescheflitscher Rurberg-Woffelsbach e.V., gerne seine Kiescheflitscher, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiern. Aus diesem Anlass lassen es die Karnevalisten vom Rursee Mitte September an drei Tagen kräftig krachen.

In einem wesentlich kleineren Rahmen gestaltete sich das Geschehen in den Gründungsjahren des Vereins, der sich inzwischen weit über das Rurtal hinaus einen Namen gemacht hat. 1965 wurde der Grundstein für die Kiescheflitscher gelegt, wobei Richard Schröder, langjähriger Präsident und Ehrenpräsident, eine wichtige Rolle spielte. Seine regelmäßigen humoristischen Einlagen in den 1950er Jahren auf den Kameradschaftsabenden des Schützenvereins waren der Ursprung für die Idee, Kappensitzungen zu veranstalten und einen Karnevalsverein ins Leben zu rufen.

Neben Schröder gehörten im Jahr 1965 dem Gründungsgremium Ludwig Harth, Paul Nellessen und Hermann-Josef Jansen an. Auf Vorschlag von Jansen, der damals noch in Woffelsbach wohnte, wurde der Name „Woffelsbach“ mit in den Vereinsnamen aufgenommen. Das sollte sich auszahlen, da sich im Laufe der Zeit auch viele Karnevalisten aus Woffelsbach im Verein anmeldeten.

Der 15. Januar 1967 war ein weiterer Meilenstein in der Vereinsgeschichte. Im Saal der Familie Heinrich Bongard ging mit viel Begeisterung, selbst gebastelten Orden und ohne Mikrofone die erste Kappensitzung über die Bühne. Wie sehr der Virus Karneval sich in den beiden Rurseeorten verbreitet hatte, wird auch daran deutlich, dass im Saal Bongard neben der Prinzenproklamation über viele Jahre hinweg zwei Kappensitzungen mit fast identischem Programm über die Bühne gingen. Die Besonderheit: Die Programme wurde ausnahmslos von Aktiven gestaltet, was auch heute noch bei den Sitzungen im Antoniushof überwiegend der Fall ist.

Beim Blick in die Vereinschronik fällt zudem ins Auge, dass in den Anfangsjahren die Zahl der Büttenredner groß war. Von Richard Schröder über Rita und Hermine Lauscher bis hin zu Pastor Meurer stieg alles in die Bütt was Rang und Namen hatte. Stolz ist man bei den Kiescheflitschern seit jeher auf die sogenannten Multitalente, die gleich mehrere Auftritte im Verlauf einer Sitzung absolvieren. Hierzu gehören heute sicher die Allroundtalente vom Team „KV Kompkakt“, die immer wieder für beste Unterhaltung sorgen.

Und schließlich stellen natürlich die Tanzgruppen einen weiteren Baustein in der Erfolgsgeschichte der Kiescheflitscher dar. Neben Tanz- und Prinzengarde sowie den Mariechen, setzt die Showtanzgruppe des Vereins Jahr für Jahr auf den Sitzungen tänzerische Höhepunkte. Die Herrentanzgruppe machte durch vordere Platzierungen bei Turnieren für Männerballetts auf sich aufmerksam.

Verleihung des Rurseeordens

Auch der karnevalistische Nachwuchs kann sich sehen lassen. Kindersitzungen gehören zum festen Programm bei den Kiescheflitschern und erfreuen sich großer Beliebtheit. 1979 dann eine neue Attraktion auf der Kappensitzung: Die Verleihung des Rurseeordens an humorvolle Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise im Dorfleben verdient gemacht haben.

Erster Rurseeordenträger war damals Ewald Braun, dem danach jährlich weitere Auserkorene wie beispielsweise Heinrich Karbig (1989), Erwin Cremer (1993), Ulla und Wolfgang Harth (2003) sowie Margareta Ritter (2009) und Willi Bongard (2015) folgten. Langsam aber stetig nahm die Entwicklung bei den Kiescheflitschern ihren Lauf.

1981 fiel der Startschuss für den ersten Veilchendienstagszug. Zudem zeigten die Kiescheflitscher, dass man auch 27 Jahre lang ohne Karnevalsprinz die fünfte Jahreszeit feiern kann. 1992 war es dann soweit. Der Rurberger Ortsvorsteher Heiner Jansen ging als erster Prinz in die Vereinsgeschichte ein (Kinderprinz: Thomas Harth). Einen femininen Farbtupfer setzte 2008 das erste weibliche Dreigestirn mit Prinzessin Angelika Jansen, Jungfrau Marianne und Bäuerin Brigitte.

Prinzenbiwak gehört zur Tradition

Die Veranstaltungen zum 40-jährigen Bestehen waren die letzten im kleinen Saal Bongard. Nachdem dieser im Frühjahr 2005 verkauft wurde, fand Karneval 2006 erstmals im Festzelt am Rurseezentrum statt.

Zur Tradition bei den Kiescheflitschern gehört inzwischen auch das 2007 eingeführte Nordeifeler Prinzenbiwak mit der Rursee-Meisterschaft im Kamelle-Zielwerfen. Pünktlich zum 44-jährigen bestehen im Jahr 2009 konnten die Kiescheflitscher in den überwiegend in Eigenleistung errichteten Antoniushof einziehen, wo seitdem die karnevalistische Post abgeht.

Der Vereinsname „Kiescheflitscher“ rührt von diesem früher allgemein für die Rurberger gebräuchlichen Beinamen her. Der Grund hierfür waren die vielen Kirschbäume im Rurtal. „Flitschen“ bedeutet in diesem Zusammenhang das schnelle Fortschleudern von Kirschkernen mittels Zeigefinger und Daumen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert