Kesternichs Kirchturm soll dem Himmel näherkommen

Von: P. St.
Letzte Aktualisierung:
10382421.jpg
So sieht es heute aus: In zweckmäßiger Form wurde nach dem Krieg der Kesternicher Kirchturm hergerichtet. Foto: P. Stollenwerk
10382414.jpg
So könnte der neue Kesternicher Kirchturm bald aussehen, wenn die Überlegungen des Kirchenvorstandes auf Resonanz in der Bevölkerung stoßen.

Kesternich. Am 1. September 1944, ein halbes Jahr vor Kriegsende, wurde die Pfarrkirche St. Peter und Paul Kesternich von Soldaten der deutschen Wehrmacht gesprengt. Damit sollte den nachrückenden amerikanischen Einheiten ein markanter Zielpunkt der Artillerie aus dem Blickfeld entfernt werden. Die Aktion war sinnlos und nicht mehr kriegsentscheidend.

Im ohnehin fast komplett zerstörten Ort hatte es nun auch noch die Pfarrkirche getroffen. Nach dem Krieg und der Übergangszeit in einer Notkirche wurde zu Beginn der 1950er-Jahre die wieder errichtete Kirche eingeweiht, aber das Gebäude hatte viel von seinem ursprünglichen Charakter verloren. Die einst stolze Kirchturmspitze, die 54 Meter in den Himmel ragte, war auf ein zweckmäßiges und einfaches Kirchendach zurückgefahren worden. Mehr Geld war in den Nachkriegsjahren einfach nicht vorhanden.

Mehr als 60 Jahre nach dem Wiederaufbau aber könnte die Spitze des Kesternicher Kirchturms nun wieder nach historischem Vorbild gestaltet werden. Der Kirchenvorstand hat den rund 1000 Gläubigen der Pfarre jetzt die Frage präsentiert, ob das dringend sanierungsbedürftige schiefergedeckte Kirchendach einfach nur repariert werden soll, oder ob im Zuge dieser unaufschiebbaren Maßnahme die Kirchturmspitze ein neues Gesicht erhalten soll, das an das ursprüngliche Aussehen, so wie es viele ältere Kesternicher Bürger noch in positiver Erinnerung haben, angelehnt werden soll? Der Kirchturm würde gegenüber der jetzigen Situation um etwa neun Meter höher und das Gotteshaus als Wahrzeichen von Kesternich deutlich aufwerten.

Vor rund drei Wochen wurde ein informativer Flyer in der Kirche ausgelegt, der inzwischen bereits vergriffen ist. Die Kirchengemeinde befindet sich jetzt mitten in der Phase der Meinungsbildung. „Das ist ein sehr spannendes Vorhaben“, sagt Ernst Wilden, Mitglied des Kirchenvorstandes, aber die Machbarkeit des Projektes Kirchturmspitze müsse von der gesamten Gemeinde unterstützt werden. Erst wenn man diese Gewissheit habe, könne man den Umbau in Angriff nehmen. Die bisherigen Reaktionen wertet er als interessiert und aufgeschlossen, und die ersten Spendengelder sind auch bereits eingegangen.

Die wohl wichtigste Frage bei diesem Vorhaben, wie die Finanzierung bewerkstelligt werden soll, ist bereits zu großen Teilen beantwortet. Würde die Pfarre sich lediglich auf die notwendige Reparatur der Kirchturmspitze konzentrieren, käme man mit 35 000 Euro aus, die durch Eigenleistung der Pfarre und einen Zuschuss des Bistums gedeckt wären.

Ein Bürger spendet 100.000 Euro

Kommt aber eine neue schlankere, höhere und auch ohne Zweifel ästhetisch schönere Spitze zur Umsetzung, würde die Baumaßnahme laut Kostenermittlung des Architekten mit 200.000 Euro fast sechsmal so teuer. Nun liegt dem Kirchenvorstand die verlässliche Zusage eines Kesternicher Bürgers vor, die stattliche Summe von 100.000 Euro zu spenden. Durch dieses außergewöhnliche Angebot motiviert und gestärkt, hat der Kirchenvorstand seine Überlegung zur Wiederherstellung der originalgetreuen Kirchturmspitze intensiviert, zumal das Bistum auch für eine neue Turmspitze 35.000 Euro beisteuern würde. Außerdem hat der Kirchenvorstand beruhigende Signale von weiteren Sponsoren vernommen, das auch die verbleibende Deckungslücke von 65.000 Euro gestemmt werden könnte.

Ernst Wilden und seine fünf Mitstreiter im Kirchenvorstand hoffen nun, dass man ein überzeugendes Konzept vorgelegt hat und die Gläubigen die Überlegungen mittragen werden: „Damit würde nicht nur die Kirche in einen Top-Zustand versetzt, sondern das gesamte Erscheinungsbild des Ortes verbessert.“

Eher zurückhaltend betrachtet aber Michael Stoffels, Pfarrer der Gemeinschaft der Gemeinden Simmerath und Vorsitzender des Kirchenvorstandes, das Vorhaben. Er spricht von einem „Luxus-Objekt“, das nicht zeitgemäß sei. Der katholischen Kirche stehe in der heutigen Zeit Bescheidenheit besser zu Gesicht, eine Haltung, die auch immer wieder von Papst Franziskus eingefordert werde.

Stoffels sieht aktuell andere Prioritäten in der GdG Simmerath, wie beispielsweise die Umsetzung der Bistumsforderung, ein Drittel der Kosten bei den kirchlichen Immobilien einzusparen. Dies sei eine große Herausforderung, wolle man die kirchlichen Gebäude weiterhin erhalten. In diesem Zusammenhang sehe er auch die Unterbringung von Flüchtlingen als eine weitere wichtige Aufgabe.

Pfarrer Michael Stoffels betrachtet das Kesternicher Kirchengebäude auch dank des Engagements der Gemeinde als gut ausgestattet. Die Architektur der Kirche sei nun einmal durch die jüngste Vergangenheit geprägt, doch auch dieses Erscheinungsbild „hat seine Berechtigung.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert