Keine Gewerbeflächen: Roetgener Betrieb sitzt in der Klemme

Von: P. St.
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Bis unters Dach hat Ralph Schnermann sein Lager gefüllt. Der Online-Versandhändler aus Roetgen sucht dringend neue Gewerbeflächen im Ort. CDU-Bürgermeisterkandidat Björn Schmitz (re.) kann die Nöte des Unternehmers nachvollziehen. Foto: P. Stollenwerk

Roetgen. Das bebaute Grundstück von Ralph Schnermann an der Grünepleistraße in Roetgen ist ziemlich zugeparkt. Wo ein Plätzchen frei ist, steht ein Pkw. Dabei stehen eigentlich genug Garagenplätze zur Verfügung, doch wenn man die Garagentore öffnet, sieht man sich einem Berg von Kartons gegenüber. Jede Ecke ist ausgefüllt. Bis unter die Decke stapeln sich versandfertige Pakete und bestelltes Material.

Schnerman führt in Roetgen einen florierenden Online-Versandhandel. Er hat sich auf Ersatzteile rund um den Kartsport spezialisiert. Im Jahr 2006 machte sich der heute 53-jährige Unternehmer selbstständig und begann mit bescheidenen sechs Bestellungen im Monat. Dann startete er durch, und heute sind es nahezu 160.00 Bestellungen im Jahr, vom Achslager bis zur Zylinderkopfschraube, die den Betrieb in Roetgen verlassen und rund um den Erdball verschickt werden.

Vom Hobby zum Profi

Der gelernte Informatiker fand über das Hobby seines Sohnes Thomas Zugang zu diesem Nischenprodukt. Der junge Kartfahrer aus Roetgen fuhr von Erfolg zu Erfolg, wurde zweimal Deutscher Meister in seiner Klasse, und die ganze Familie war an 27 Wochenenden im Jahr auf den Kart-Rennstrecken in ganz Deutschland unterwegs. Auf diese Weise wurden viele Kontakte geknüpft, und es entwickelte sich die Geschäftsidee.

Die rasante Entwicklung vom Hobby-Versender zum inzwischen größten Ebay-Händler blieb nicht ohne Folgen. Nicht nur die Garagen sind vollgestopft mit Material, auch Keller und Dachboden des Einfamilienhauses dienen längst dauerhaft als Stauraum.

Auch die Anmietung einer weiteren Lagerfläche an der Bundesstraße in Roetgen brachte noch nicht den Befreiungsschlag. Auch im Außenlager dominiert der Platzmangel. Zwischen den Hochregalen herrscht höchste Enge; es gibt kaum Platz zum Verpacken, und man kann es kaum glauben, dass einer der Top-drei-Versender seiner Branche in Europa sich immer noch mit einem Provisorium begnügt, um 6000 unterschiedliche Artikel in eine überschaubare logistische Grundordnung zu bringen.

Die Not ist so groß, dass Ralph Schnermann einen kompletten Container, der mit Neuware in Hamburg steht, derzeit nicht abholen kann, weil in seinem Roetgener Betrieb akuter Platzmangel herrscht. An einen Ausstellungsraum, der von Kunden häufiger nachgefragt werde, sei überhaupt nicht zu denken.

Neue Arbeitsplätze nicht möglich

„Ich könnte noch wesentlich mehr machen“, seufzt Ralph Schnermann, der seinen Betrieb gerne erweitern möchte, aber trotz intensiver Suche einfach keine geeignete Gewerbefläche in Roetgen für die Errichtung eines neuen Betriebsgebäudes findet. Das Gewerbegebiet Roetgen am Ortsausgang ist ausgelastet, und im Ort selbst ist es schwierig. Dabei würden schon 400 bis 600 Quadratmeter Betriebsfläche ausreichen.

Fünf Familienmitglieder und fünf weitere Mitarbeiter sind inzwischen im Betrieb beschäftigt. „Ich möchte noch gerne weitere Arbeitsplätze schaffen, aber unter den augenblicklichen Bedingungen funktioniert das nicht“, sagt Schnermann, abgesehen davon, dass die Aufteilung auf zwei Standorte betriebswirtschaftlich wenig effektiv ist. „Das ist ein echtes Handicap“, sagt der Unternehmer. „Wenn ich nur rein kaufmännisch denken würde, dann müsste ich mit meinem Betrieb morgen aus Roetgen weg sein“, sagt Schnermann. Als professionell arbeitendes Unternehmen brauche man auch professionelle Standortbedingungen. Am liebsten aber würde er in Roetgen bleiben, auch wenn er bereits andere Angebote geprüft habe, „aber es muss ja auch bezahlbar bleiben“.

Diese Klagen vernahm jetzt auch Björn Schmitz, der politisch in der Gemeinde Roetgen Fuß fassen möchte und bei den Wahlen im September für die CDU neuer Bürgermeister werden möchte. Mit seinem Anliegen stieß der Roetgener Unternehmer beim Kandidaten, der in Sachen Wirtschaftsförderung bei der Stadt Monschau bereits über große Erfahrung verfügt, auf offene Ohren.

Für Schmitz zeigt das Beispiel des Betriebes Schnermann wie dringend notwendig weitere Gewerbeflächen seien. Nicht nur, dass der Gemeinde Roetgen Gewerbesteuer und neue Arbeitsplätze verloren gingen, es drohe auch eine Abwanderung von Betrieben, die in Roetgen keine Zukunftsperspektiven mehr sehen würden.

Björn Schmitz: „Das ist kein Einzelfall. Es gibt mehrere Betriebe in Roetgen, die an ihre Grenzen gestoßen sind.“ Ihm seien Unternehmen bekannt, die Gewerbesteuer in sechsstelliger Höhe zahlten und ernsthaft darüber nachdenken würden, Roetgen zu verlassen.

Daher solle man nicht nur die mögliche Erweiterungsfläche an der Bundesstraße im Bereich Münsterbildchen im Blick haben, sondern das gesamte Gemeindegebiet auf Flächen hin untersuchen, die für nicht störende Gewerbeansiedlungen in Betracht kämen. Auch integrierte Standorte müssten möglich sein. Andernfalls, so Schmitz, „vertut Roetgen täglich eine Chance“.

Das Problem ist bekannt

Die Problematik fehlender Gewerbeflächen in Roetgen sei bekannt, kann auch Bauamtsleiter Dirk Meyer von der Gemeindeverwaltung nur bestätigen, aber man könne beim Thema Wirtschaftsförderung Roetgen und Monschau nicht miteinander vergleichen. „In Roetgen gibt es kein Himo“.

Zutreffend sei, dass das Gewerbegebiet an der Bundesstraße ausgereizt sei, und weitere im Flächennutzungsplan vorgesehene Potentialflächen nicht verfügbar seien, weil sich diese in Privathand befänden. Daher sei die Gemeinde ja auch auf die Idee gekommen, auf die noch freie andere Straßenseite zu schauen. Hier wiederum stelle sich das Problem der Anbindung an die Bundesstraße. Bislang zeichne sich keine Lösung ab.

Selbstverständlich, so Meyer, habe man auch bereits die Möglichkeit in Erwägung gezogen, Freiflächen für Gewerbe in Mischgebieten zu finden, aber auch hier sei man auf Privatleute angewiesen. „Wir tun, was wir können“, sagt Meyer, und verweist auf eine laufende Bauleitplanung für einen Teilbereich der Hauptstraße, um dort die Möglichkeit der Ansiedlung für nicht störendes Gewerbe zu schaffen.

Ganz aktuell sehe man am Beispiel der alten Schreinerei an der Bundesstraße, wie schwierig die derzeitige Gewerbeflächen-Situation sei. Die Gemeinde möchte bekanntlich den Bereich als Gewerbefläche erhalten, ein Investor aber habe die Umwandlung in Wohnraum beantragt.

Ralph Schnermann hofft unterdessen auf eine schnelle Lösung für seinen Betrieb, wie auch darauf, dass es in diesem Zusammenhang auch mit der Internetanbindung besser wird. Ein schnelles DSL ist für den Versand-Händler überlebenswichtig. Derzeit zahlt er aus eigener Tasche 70 Euro im Monat zusätzlich für eine Funkverbindung. Aber das ist eine andere Baustelle...

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