Keine Einigung in Sicht: Die Planung im Postweg ist festgefahren

Von: P. St.
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Die Roetgen-Therme plant die Erweiterung ihres Angebotes um einen Hotelneubau (li.) mit 50 Zimmern. Eine Brücke über den Postweg soll Alt- und Neubau verbinden.
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Die Roetgen-Therme möchte expandieren. Das jetzige Gästehaus (links) soll in den Hotelneubau integriert werden. Foto: P. Stollenwerk
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So kann der Nachbar sein Grundstück problemlos erreichen:, aber so ruhig ist es nicht immer im Roetgener Postweg.

Roetgen. Wer im Roetgener Postweg, der kleinsten Straße des Ortes wohnt, muss Ausdauer und Nervenstärke besitzen. Das hat weniger mit Verkehrsbelastung oder Verkehrsberuhigung zu tun, sondern allein mit einer ganz speziellen nachbarschaftlichen Beziehung.

Im Postweg gibt es praktisch nur zwei Gebäudekomplexe von Bedeutung – einmal der Sauna- und Gastronomiebetrieb Roetgen-Therme und zum anderen direkt angrenzend das alte Roetgener Forsthaus, das als privates Wohnhaus genutzt wird.

Die Roetgen-Therme hat in den letzten Jahren ihren Betrieb den steigenden Erwartungen der Gäste durch kontinuierliche Investitionen angepasst und möchte sich nun mit einem angegliederten Hotel-Neubau für die Zukunft aufstellen, während die benachbarte Wohnpartei in der denkmalgeschützten Hofanlage aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sich durch diese Entwicklung bedrängt fühlt und auch mit juristischen Mitteln die Expansionswünsche bzw. deren Folgen einschränken möchte.

Die beiden ungleichen Nachbarn haben daher in der Vergangenheit auch schon so manchen Streit vor Gericht ausgefochten.

Hotelbau mit 50 Zimmern

Nun steht mit der 9. Änderung des Flächennutzungsplans Postweg und der Neuaufstellung des Bebauungsplanes Nr. 31 Postweg eine zukunftsweisende Entscheidung an. Die Roetgen-Therme hat die Neuplanung für ein Sondergebiet in Auftrag gegeben. Ziel ist, den Betrieb um ein Hotelgebäude mit rund 50 Zimmern zu erweitern und zum anderen den Bestand langfristig zu sichern. Der Bauausschuss der Gemeinde Roetgen beschloss jetzt mehrheitlich die Aufstellung der beiden Pläne und die Beteiligung der Öffentlichkeit im Zuge der öffentlichen Auslage.

Das Hotel soll auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Therme errichtet werden. Die beiden hier liegenden Gästehäuser sollen in den Neubau eingebunden werden. Über einen Brückengang in der zweiten Etage sollen Alt- und Neubau verbunden werden. Nunmehr hat der Nachbar zu Beginn des neuen Verfahrens eine außergerichtliche Einigung angeboten und vorab den Verzicht auf Rechtsmittel erklärt. Voraussetzung ist allerdings, dass die Verkehrssituation im Postweg wie vom Nachbarn vorgeschlagen gelöst wird. Dieser Vorschlag sieht vor, den Postweg, der als Einbahnstraße ausgewiesen ist, hinter der Roetgen-Therme mit Hilfe eines Pollers zu sperren. Würde dieser Vorschlag umgesetzt, müssten allerdings ausreichende Wendemöglichkeiten vor der Therme geschaffen werden.

Seitens der Therme wäre ein solcher Einigungsvorschlag mitzutragen unter der Voraussetzung, dass der Nachbar in seinem Eigentum befindliche Flächen auf der gegenüberliegende Seite des Postweges für die Schaffung von Wendemöglichkeiten abgeben würde. Diesen Vorschlag wiederum lehnt der Nachbar ab, da seiner Meinung nach die Therme auf ihrem eigenen Grundstück genügend Flächen für die Realisierung einer Wendemöglichkeit zur Verfügung habe.

Diese Anregung hat nun der Architekt geprüft und die Möglichkeit einer Umfahrung des Hotelgebäudes in Erwägung gezogen. Demnach könnte man vom Postweg aus scharf links an der Rückseite des Gebäudes vorbei fahren, um dann wieder auf die Bundesstraße zu gelangen. Für eine solche Schleppkurve aber würden die noch vorhandenen drei Meter Grundstücksfläche nicht ausreichen, da die Straße unmittelbar an die Hausfassade heranreichen würde. Eine Reduzierung des Baukörpers, um die Kurve zu verbreitern, würde den Wegfall von Hotelzimmern bedeuten. Eine Verschiebung des gesamten Baukörpers ist laut Architekt nicht möglich, da der Erweiterungsbau an das Bestandsgebäude gebunden sei. Eine Umfahrt würde laut Architekt nur dann funktionieren, wenn dafür ein drei bis vier Meter breiter Streifen des unbebauten Nachbargrundstückes in Anspruch genommen würde, was aber der Nachbar bekanntlich abgelehnt hat.

Ein dritte Möglichkeit, die eine Durchfahrt zwischen jetzigem Gästehaus und Hotelgebäude vorsieht, kommt für den Investor ebenfalls nicht Frage, da damit eine bauliche Verbindung der beiden Häuser ausgeschlossen werde und der Verkehrslärm der Bundesstraße nicht mehr abgeschottet werden könnte.

Unter diesen Umständen kann man die aktuelle Situation im Postweg wohl nur als festgefahren bezeichnen.

Daher herrschte auch bei der Beratung im Bauausschuss ein wenig Ratlosigkeit. „Ein Beschluss bringt in dieser Situation nichts“, meinte Silvia Bourceau (UWG); besser sei ein „sinnvolles Gespräch“ zwischen den Beteiligten, während es Michael Seidel (CDU) für angebracht hielt, „in das Verfahren zu gehen“. Für Klaus Onasch (SPD) stellte sich die Grundsatzfrage, „was eigentlich in Roetgen an Entwicklung gewollt ist“. Auch fragte er, ob es zu viel verlangt sei, wenn der Investor „etwas kleiner baut“.

Die Grünen vermissten eine konkrete Planung für das Neubau-Vorhaben. Ein Bebauungsplan ohne Planung sei daher „nicht beschlussfähig“, meinte Gudrun Meßing und Bernhard Müller beantragte die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans, auch um zu klären, ob eine offene oder geschlossene Bauweise erfolgen solle.

Dieser Antrag wurde allerdings bei Stimmengleichheit abgelehnt. Zuvor hatte Thermen-Besitzer Stamos Papas darum gebeten, nicht noch „zusätzliche Schwierigkeiten“ durch einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzubauen. Es liege noch keine konkrete Planungsabsicht vor; daher sollten nicht schon im Vorfeld die Möglichkeiten einer Planung eingeschränkt werden.

Im Gespräch mit der Lokalredaktion ergänzt Stamos Papas, dass eine Reduzierung der Hotelkapazität die Wirtschaftlichkeit einer solchen Investition in Frage stelle: „Nicht immer ist klein bauen schön und groß bauen hässlich.“ Es sei ohnehin schwierig genug, einen Investor zu finden.

Papas verweist auf die Bedeutung eines Vier-Sterne-Übernachtungsbetriebes für Roetgen, „der den gesamten Eingangsbereich des Ortes aufwertet“. Die Gemeinde habe viel Geld in den Vennbahn-Radweg und den Eifelsteig (Wanderstation) investiert, da sei eine weitere Entwicklung des sanften Tourismus in diesem Umfeld nur konsequent. Von einem zusätzlichen Angebot profitiere auch die ortsansässige Bevölkerung. Die Politik müsse dafür aber die „Rahmenbedingungen schaffen“.

Das neue Konzept müsse alle Interessen berücksichtigen – sowohl die der Gäste wie auch der Anwohner. Bei dem vorhandenen Interessenkonflikt seien „kreative Lösungen“ gefragt. Stamos Papas: „Das ist eine schwierige Abwägung.“ Diese Abwägung müsse gewissenhaft erfolgen und vor dem Hintergrund der Frage, „was eine Kommune eigentlich will. Ansonsten kann man jedes Bauvorhaben zu Fall bringen.“

Ein Poller im Postweg unter der Voraussetzung, dass der Nachbar bereit sei, drei Meter von seinem Grundstück für die Umfahrung abzugeben, wäre aus Sicht von Papas „für beide Seiten schmerzhaft“, aber ein möglicher Kompromiss. „Besser wäre es, so Stamos Papas, „wenn der Postweg bleibt wie er ist.“

„Fronten verhärtet“

Interesse an einer einvernehmlichen Lösung signalisiert auch Jan Willen, der am stärksten betroffene Nachbar im Postweg. Durch den jahrelangen Streit seien die „Fronten inzwischen verhärtet“, sagt er. Stein des Anstoßes sei seinerzeit das Problem der öffentlichen Parkplätze im Postweg gewesen. Diese Situation habe dazu geführt, dass immer wieder die Zufahrt zu seinem Privatgrundstück zugeparkt worden sei, und er auch regelmäßig durch Anlieferverkehr behindert worden sei.

Den neuen Bebauungsplan sieht Willen mit gemischten Gefühlen. Da dieser eine geschlossene Bebauung des gesamten Grundstückes vorsehe, „dient der Plan nur den Interessen des Investors“.

Der Nachbar sieht jetzt die Gemeinde Roetgen in der Pflicht zu handeln. Er habe kein Interesse an einem Dauerstreit. Jan Willen: „Mir geht es weder darum, den Hotelneubau zu verhindern, noch um eine Fußgängerzone vor meinem Haus, sondern allein darum, störungsfrei auf mein Grundstück zu gelangen.“ Er wolle jetzt zunächst einmal abwarten, wie der Gemeinderat sich zum neuen Bebauungsplan stelle. „Bis dahin halte ich mir eine erneute Klage offen.“

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