Kein Winter wie er früher einmal war

Von: Carmen Krämer
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Reiten statt Wintersport: Der Januar mit seinen bislang fast vorfrühlingshaften Temperaturen wirkt sich auch auf das Freizeitverhalten aus. Diese Reiter bei Kalterherberg genossen den milden Sonntag. Weit im Hintergrund strahlt das Kreuz im Venn in der Mittagssonne. Foto: P. Stollenwerk
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Die meisten Eifeler kümmern sich frühzeitig um die Winterreifen. Das berichten die Mitarbeiter der VW-Werkstatt Düsseldorf. Foto: Carmen Krämer

Nordeifel. Es ist ständig in aller Munde, sorgt bei manchem gerade für Kopfschmerzen oder Kreislaufschwäche, bei anderen setzen die ersten Allergien ein und doch beschwert sich im Moment höchstens der hartgesottene Wintersportler wirklich darüber.

„Das Wetter spielt ja verrückt, aber es ist wunderbar“, so begann der ein oder andere Dialog der Spaziergänger, die sich am Sonntag zum Beispiel im Hohen Venn oder beim „Ründchendrehen“ im Dorf begegneten. Strahlender Sonnenschein, milde Temperaturen und frische Luft locken jetzt die Leute häufig vor die Tür, bereiten oftmals gute Laune und haben auch Auswirkungen auf einige Betriebe in der Region.

Während Dachdecker Axel Piana aus Monschau im Januar des vergangenen Jahres insgesamt an nur sechs Tagen arbeiten konnte, hat er in diesem Jahr nur vereinzelt Arbeiten aufgrund von gefrorenen Dächern nicht erledigen können. „Im Moment arbeiten wir eigentlich normal. Die Sachen, die im letzten Jahr liegen blieben sind, werden jetzt aufgearbeitet. Das sind aber nur kleinere Reparaturen“, erklärt er.

Nur wenig Ausfälle

Größere Sanierungsarbeiten könne man jetzt nicht beginnen, denn das Wetter könne schließlich von heute auf morgen auf Winter umschwenken. „Damit warten wir noch bis März oder April, aber die ersten Anfragen liegen jetzt schon vor. Nur reißen wir natürlich jetzt keinem das Dach über dem Kopf weg. Das Risiko, dass der Winter plötzlich einbricht und dann wochenlang bleibt, ist jetzt einfach noch zu groß.“

Ebenso wie der Dachdecker freuen sich auch die Bauunternehmen über die milden Temperaturen: „Wir hatten bisher nur einen halben witterungsbedingten Ausfalltag“, erklärt Thomas Koll vom Bauunternehmen Rudi Henn aus Simmerath. Das habe es in den letzten fünf Jahren nicht gegeben. „Den milden Winter haben wir uns wirklich mal verdient. So kann es von uns aus gern bleiben“, sagt er.

Während diese beiden Betriebe mehr Arbeiten erledigen können als üblich, mussten die Streufahrzeuge der Straßenmeisterei in Simmerath in diesem Jahr deutlich seltener ausrücken. Rund 400 Tonnen Streusalz wurden bisher auf den Straßen verteilt – in einem strengen Winter können es über 6000 Tonnen sein. Aber das kann ja noch kommen...

Über so einen Wintereinbruch freuen würden sich sicherlich die Wintersportler, die gern in die Region reisen, um sich an Loipen oder dem Rohrener Skihang zu erfreuen. Diese Besucher bleiben im Moment natürlich aus, aber dafür finden unzählige Wanderer den Weg in die Nordeifel, wie Karin Birkhoff von der Rursee-Touristik beobachtet. „Die kurzentschlossenen Wanderer kommen eigentlich das ganze Jahr über, wenn schönes Wetter ist. Da jetzt das Wetter häufig schön ist, sind es sehr viele, die kommen, um hier die frische Luft zu genießen. Das können wir auch an den Autos auf den Parkplätzen erkennen“, erklärt sie.

Statt sich über die Loipen zu informieren, würden die Besucher allerdings derzeit eher anrufen und danach fragen, welche Restaurants geöffnet haben und wo sie übernachten können. „Das ändert sich natürlich komplett, wenn Schnee liegt. Dann fragen sie danach, ob gespurt ist und wie die Witterungsverhältnisse sind“, so Birkhoff.

Dass wesentlich mehr Wanderer unterwegs sind, hat auch die Monschau Touristik bemerkt. „Wenn es, wie sonst im Januar, eher neblig und frostig ist, kommen sicherlich nicht so viele Leute zum Wandern hierher wie jetzt“, sagt Barbara Frohnhoff. Ob in diesem Jahr dafür weniger Wintersportler kommen, kann sie jedoch nicht vorhersagen. „Das weiß man erst in ein paar Wochen. Schließlich kann der Winter immer noch kommen.“

Bemerkbar machen sich die milden Temperaturen auch bei einigen Reifenhändlern. „Die Kunden, die normalerweise mit ihren alten, schlechten Winterreifen kommen, sobald der erste Schnee fällt, bleiben im Moment natürlich aus. Die versuchen jetzt, bis zum Frühjahr mit den alten Reifen auszukommen“, erklärt Beate Stollenwerk, Mitarbeiterin der Firma Reifen Klar in Roetgen. Das sei aber nachvollziehbar: „Genauso wie der Eismann in einem verregneten Sommer weniger Eis verkauft, verkaufen wir im Moment weniger Winterreifen.“

Diesen Eindruck können die Mitarbeiter des Autohauses Düsseldorf in Monschau hingegen nicht bestätigen. „Bei uns hat sich das so eingespielt, dass die Kunden ihre Reifen bis zum 1. November gewechselt haben. Die meisten waren daher schon im Oktober hier“, so Servicemitarbeiter Harald Barth. „Wer Winterreifen braucht, kümmert sich schon früh genug darum“. Aus diesem Grund sähen sie auch keinen Unterschied zu den Jahren, in denen der Winter kälter gewesen sei.

Allergien und Zecken

Wer von Allergien geplagt ist, muss damit rechnen, dass er sich nun häufiger die Nase putzen muss als normalerweise Anfang Januar. „Die ersten Frühblüher melden sich schon“, sagt Christoph Vanberg von der Biologischen Station der Städteregion. „Normalerweise sind die Haselpollen Ende Januar, Anfang Februar unterwegs. Das ist jetzt schon der Fall.“

Außerdem könnte es möglicherweise, wenn die Temperaturen so mild bleiben in der Region bald ein Zecken-Problem geben. „Der Winter hat normalerweise eine gewisse heilende Wirkung im Bezug auf Zecken“, erläutert Dr. Bernhard Theißen von der Biologischen Station.

Dass der Winter bislang so mild sei, bedeute aber nicht, dass etwas aus dem Lot gerate. Schließlich können die frostigen Tage durchaus noch kommen.

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