Kein Preußisch Sibirien mehr: Die Eifel ist im Kommen

Von: Elke Silberer, dpa
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Eifel - Monschau
Ortskern von Monschau: Lange war die Region Schattenkind und Armenhaus, die Bewohner ohne Selbstbewusstsein. Die Gründung des Nationalparks Eifel 2004 hat der Region einen Schub versetzt und mehr und mehr Touristen gebracht. Foto: dpa

Monschau. Sie galt lange als Preußisch Sibirien: Arm, verlassen, regenreich, kalt. Doch mit einem Mal fühlt sich die Eifel wie befreit. Die Touristen kommen in Scharen, die Eifel-Nische der Buchhändler platzt aus allen Nähten, und die Marmelade mit dem Eifel-Qualitätslogo ist gleich ein bisschen mehr wert.

Vorbei die Zeit, wo die Eifeler im Urlaub auf die Frage nach ihrer Herkunft verlegen mit einem „Von bei Aachen” oder „von bei Trier” antworteten. „Niemand sagte, ich komme aus der Eifel”, sagt Kabarettist Hubert vom Venn. Für ihn war das Scham.

Der Mann ist Eingeborener, auch wenn er mit seinem eigenwilligen Künstler-Outfit mit langen Haaren und Hut nicht in das Bild hineinpasst. Erstaunt beobachtet er die späte Rückkehr der „Ausgewanderten”. „Wenn die pensioniert wurden, sind die früher geblieben, wo sie waren. Jetzt kommen die wieder zurück.” Heimat habe einen neuen Wert bekommen - auch oder gerade in der Eifel.

Lange war die Region Schattenkind und Armenhaus, die Bewohner ohne Selbstbewusstsein. Die Preußen hatten vor rund 200 Jahren den Landstrich mit der blühenden Eisenindustrie zum seelenlosen Truppenaufmarschgebiet gemacht und zum Holzlieferanten degradiert. Die Preußen forsteten die Region mit der schnellwachsenden Fichte auf. Deshalb heißt die Fichte noch heute Preußenbaum.

Doch die Jahre der Fichte sind gezählt, zumindest im Nationalpark Eifel. Da soll die Fichte verschwinden. Der Hausbaum der Eifel, die Buche, wird gefördert und soll den Preußenbaum verdrängen. Das wirkt gerade jetzt wie eine symbolische Befreiung.

Die Gründung des Nationalparks 2004 hat der Region einen richtigen Schub versetzt, meint der Fotograf und Journalist Peter Stollenwerk. Schon früher war die B 258 „Himmelsleiter” sonntagsnachmittags voll, weil die Aachener zum Kaffeetrinken in die Eifel fuhren. Aber jetzt kommen sie auch wegen der Natur.

Stollenwerk: „Alles was mit Landschaft zu tun hatte, war hier Arbeit.” Das Natur auch für Freizeit und Erholung stehen kann, mussten gerade die Älteren erst lernen.

Hinter dem Niederrhein hat sich die Eifel zum touristischen Senkrechtstarter unter den ländlichen Regionen in NRW gemausert. Mit dem Nationalpark kamen auch neue touristische Angebote. Der blutjunge Eifelsteig zwischen Aachen und Trier gehört nach einer Studie zu den bekanntesten deutschen Weitwanderwegen.

Bekannt gemacht haben die Eifel auch Leute wie der Krimi-Autor Jacques Berndorf. Sein erster Roman aus der Eifel-Krimi-Reihe „Eifel- Blues” erschien 1989. Damals ahnte noch niemand, dass seine Fans später durch die Eifel fahren würden, um Tatorte anzugucken, Routen nachzufahren und sogar mal beim Protagonisten Siggi Baumeister in Dreis-Brück anzuklopfen.

„Jacques Berndorf hat die Eifel literarisch geöffnet”, meint Hubert vom Venn. Damals hätte niemand im Traum daran gedacht, eine Nobelpreisträgerin zu einer Lesung ins Eifelstädtchen Prüm einzuladen - warum sollte die auch kommen. In diesem Jahr haben sie es gemacht und Hertha Müller kommt. Sie liest am 17. Mai beim Eifel-Literatur- Festival.

28 renommierte Autoren machen die Region vom 23. April bis 6. November zum literarischen Zentrum. Mit dabei sind die Bestsellerautoren Frank Schätzing, Richard David Precht und Martin Suter. Aber nicht diese Lesungen waren als erstes ausverkauft, sondern die von Berndorf.
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