Imgenbroich - Kein Asyl: Rückkehr in eine Heimat ohne Zukunft

Kein Asyl: Rückkehr in eine Heimat ohne Zukunft

Von: Carmen Krämer
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Der Antrag auf Asyl der Familie Cazim wurde abgelehnt. Nur noch wenige Tage bleiben in der Eifel, dann müssen die Eltern mit ihren fünf Kindern zurück nach Serbien. Foto: Carmen Krämer

Imgenbroich. Während manch einer bei diesen Temperaturen unglücklich darüber ist, dass er im Büro sitzen muss statt am See zu liegen, hat Familie Morina ganz andere Probleme. Denn Cazim und Alisa Morina müssen mit ihren fünf Kindern zu Beginn der Sommerferien Deutschland verlassen und zurück nach Novi Sad, ihrer Heimatstadt in Serbien, reisen. Und das jetzt, da die Kinder, die zwischen vier und 14 Jahre alt sind, Deutsch gelernt, sich in der Schule eingelebt und Freunde und Hobbies gefunden haben.

Die Roma-Familie kam vor knapp drei Jahren nach Deutschland, wo sie von Beginn an mit nervenaufreibenden Problemen zu kämpfen hatte. Zunächst wurde die Familie getrennt und in zwei verschiedenen Flüchtlingsunterkünften untergebracht - Cazim mit den Söhnen in Simmerath-Langschoß, Alisa mit den beiden Töchtern in Dresden. Nachdem sie Anfang 2012 auf Initiative der Aachener Sozialdemokraten zusammengeführt worden waren, lebten sie in Langschoß und wurden von der Gemeinde Simmerath betreut.

Die Unterkunft ist immer wieder in die Kritik, vor allem weil sie weit abgelegen im Lammersdorfer Wald liegt, dass es unmöglich ist, von dort aus ohne fahrbaren Untersatz einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen. Aber alles war besser als zurückzugehen. „Wir hatten in Serbien kein Essen, kein Geld und haben zu sieben Personen auf 20 Quadratmetern bei Verwandten gelebt“, sagt Cazim und streichelt traurig seiner jüngsten Tochter über den Kopf. „Nach einer Überschwemmung war alles kaputt und wir wussten einfach keinen Ausweg mehr.“

Da er als Kind mit seinen Eltern schon mal in Langschoß war, kam er hierher zurück. Nach einem halben Jahr durften die Kinder hier zur Schule gehen und haben sich sowohl in der Förderschule Eicherscheid als auch in der Grundschule Lammersdorf gut eingelebt. Doch der Asylantrag, den sie zu Beginn gestellt hatten, wurde abgelehnt. Bis zum Ende dieses Schuljahres durften sie bleiben, aber am 22. Juli müssen sie zurück. Dann stehen sie wieder vor dem Nichts.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hatte den Antrag als unbegründet zurückgewiesen, da Serbien inzwischen als sicheres Drittland gilt und der Familie hier keine Verfolgung aus politischen Gründen droht.

Sali, der älteste Sohn, ist sehr traurig. Sein Deutsch ist gut und er hat sich schnell integriert: „Ich habe den weiß-gelben Gurt im Judo gemacht, spiele Fußball und habe alle meine Freunde hier. Das einzige, worauf ich mich in Serbien freue, ist, meinen Opa wieder zu sehen.“ Freunde hat er dort nicht mehr. Und wann er dort in die Schule gehen kann, weiß er nicht. Er wünscht sich aber sehr, seinem Lieblingshobby Judo weiter nachgehen zu können. Aber seine Eltern machen ihm wenig Hoffnungen: „Das können wir niemals bezahlen.“

Erst einmal neue Papiere

Wenn die Familie in Serbien ankommt, muss sie erst einmal neue Papiere beantragen und verschiedene Anträge stellen. Wenn die bewilligt sind – und das dauert mindestens ein Jahr – bekommt die Familie 150 Euro im Monat, von denen sie dann leben muss. Die Situation der Familie mit den sympathischen Kindern scheint aussichtslos und das berührt besonders Inge Theißen vom Café International in Imgenbroich, die die Familie von Anfang an begleitet hat. Ihr bricht es das Herz, wenn sie darüber nachdenkt, welche Zukunft die Kinder womöglich erwartet. Darum setzt sie sich für die Familie ein, sammelt Spenden und ist derzeit auf der Suche nach Paten, die die Kinder schon ab zwei Euro im Monat unterstützen können.

Außerdem wird nächste Woche Montag, 15. Juli, eine besondere Aktion im Café International stattfinden. Zwischen 15 und 17 Uhr kann sich hier jeder von der Simmerather Friseurin Andrea Münstermann (Haarlekin) die Haare schneiden lassen und dies mit einer Spende nach eigenem Ermessen bezahlen.

Zudem wird es einen Flohmarkt und serbische Spezialitäten beim Café International geben. Jeder ist herzlich eingeladen, vorbeizukommen. Wer der Familie etwas spenden möchte, meldet sich bei Inge Theißen unter 02472/2955.

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