Katastrophenhelfer berichtet über seinen Hilfseinsatz

Von: ale
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Die Hebammen hatten alle Hände voll zu tun, wie Mario Lennartz beim Vortrag über seinen Hilfseinsatz in Haiti zu berichten wusste. Das Krankenhaus samt Entbindungszelt hatten der Schmidter DRK-Mann und seine Kollegen binnen weniger Tage aufgebaut. Foto: Anneliese Lauscher

Schmidt. Vier Wochen war Mario Lennartz aus Schmidt im Katastrophengebiet von Haiti tätig, nachdem das Erdbeben vom 12. Januar dort verheerende Verwüstungen angerichtet hatte. Nun berichtete er am Freitagabend im „Schützenhof” interessierten Zuhörern, Freunden und Kollegen von seinen dortigen Erfahrungen.

Sein gut vorbereiteter Vortrag beinhaltete Fakten zur geografischen Lage, zur Geschichte und derzeitigen politischen Situation. Die Arbeitslosenquote in dem armen Land beträgt zwischen 40 und 50 Prozent. Bei dem Erdbeben, dessen Stärke mit 7,2 auf der Richterskala angegeben wurde, kam es zu unvorstellbaren Zerstörungen, auch weil die Bauweise der meisten Gebäude und Häuser sehr unzureichend war.

Die Hütten der Armen fielen wie Kartenhäuser zusammen, und selbst offizielle Bauten wie der Regierungspalast stürzten ein. Mario Lennartz zeigte beeindruckende Fotos, auf denen man erkennen konnte, dass Stützen und Pfeiler die Last von Decken nicht tragen konnten; zusammengedrückte Häuser bildeten ein Chaos.

Er ist Rettungssanitäter im Deutschen Roten Kreuz und Techniker. Mit einer Transportmaschine, in einem Unimog sitzend oder liegend, kam er über Kanada nach Haiti. Das DRK hatte ein komplettes Krankenhaus auf die Unglücksinsel transportiert; Gesamtkosten 1,4 Millionen Euro, eine deutsch-finnische Kooperation. Dies galt es zunächst, umsichtig und gut organisiert aufzubauen, und zwar einige Kilometer von der Hauptstadt entfernt in Carrefour. Die Bilder vom Sportplatz, der dem DRK zur Verfügung steht und der sich mehr und mehr mit Zelten füllte, waren sehr aufschlussreich.

„Dies ist die größte Hilfsaktion, die das Rote Kreuz jemals in einem Land durchgeführt hat”, erläuterte Mario Lennartz. Der Zulauf zum Krankenhaus wurde rasch immer größer, die Wartezone in einem Zelt - bei 40 Grad und mehr kann man sich kaum in der Sonne aufhalten - war ständig voll. Viele einheimische Helfer wurden integriert, sie waren äußerst arbeitswillig und einsatzfreudig. Und sie halfen mit bei der Überwindung der Sprachprobleme: Die Einheimischen sprechen meist Creol, und diesen Dialekt verstanden die 65 ausländischen Helfer nicht.

Die Station „Geburtshilfe” hatte sehr viel zu tun, an einem Tag kamen einmal 16 Kinder auf die Welt! Und die Chirurgen operierten unaufhörlich, mehrfach gebrochene Beine gehörten zu den häufigsten Verletzungen. Professionell war man auf das meiste vorbereitet, eine eigene Trinkwasseraufbereitungsanlage hatte das Rote Kreuz mitgebracht. Doch „Improvisieren lernt man am schnellsten”, berichtet Mario Lennartz. Wie aus einem Plastikgartenstuhl ein Rollstuhl wird und man Schienen aus Kisten macht, das belegen seine Bilder.

Fachpersonal kümmert sich um die traumatisierten Kinder, wieder einmal stellt man fest, dass das Wort „Kindergarten” in vielen Sprachen gebräuchlich ist. Natürlich fanden die Zuhörer des Vortrags die niedlichen dunkelhäutigen Mädchen mit ihren drolligen Zöpfchen allerliebst! „Es war anstrengende Arbeit und wir hatten keinen Acht-Stunden-Tag. Aber es hat unheimlich viel Freude gemacht, wirksam und nachhaltig helfen zu können”, resümiert Mario Lennartz, der mit Achtung von Kollegen aus der ganzen Welt spricht; sie kamen aus Finnland, Österreich, der Schweiz, Korea, Hongkong, insgesamt 20 Katastrophenhilfe-Einheiten des Roten Kreuzes. Würde er noch mal dorthin gehen? „Jederzeit.”
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