Karneval mitten im Eifeler Sommer

Von: Sascha David
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Das Showballett „Ladykracher” aus Eicherscheid bot beim Roetgener Galaabend eine gekonnte Tanzdarbietung mit fabelhafter Choreographie zu bekannten Songs. Foto: Sascha David

Roetgen. Karneval mitten im Eifeler Sommer: So mancher Besucher fühlte sich unweigerlich an den berühmten Karneval in Rio erinnert - und das nicht bloß aufgrund des wunderbaren Wetters: Eine von Anfang bis Ende grandiose Stimmung herrschte am Samstagabend, als die Roetgener Karnevalsgesellschaft zum Galaabend ins Festzelt auf die Schützenwiese beim Sportplatz geladen hatte.

Grund der Feierlichkeiten war das 5x 11jährige Bestehen der 1954 gegründeten Karnevalsgesellschaft. Bereits die Eröffnung des Jubiläums mit einem Sternmarsch am Freitag fand großes öffentliches Interesse.

An fünf Stationen, eine davon auf belgischer Seite, spielten ortansässige und befreundete Musikvereine auf. Nach viel Musik und leiblicher Stärkung zog der sternenförmige Zug aus allen Richtungen in das geschmückte Festzelt, wo die im Roetgener Karneval wohlbekannte Coverband „Spontan” aufspielte.

Vollbesetztes Festzelt

„Spontan” stimmte auch beim Galaabend das vollbesetzte Roetgener Festzelt auf das närrische Programm ein. Nach der Begrüßung begann mit Moderator Jürgen Beckers alias Jürgen B. Hausmann aus Alsdorf ein einzigartiger Abend. Mit seinen zielsicheren Anekdoten und Bemerkungen, die vom Eifeler Leben allgemein bis hin zu bisweilen politischer Satire reichten, bekräftigte Hausmann bei seiner Abendmoderation einmal mehr den Ruf als wohl bester Comedian der Region. Der Abend sei dazu da einmal abzuschalten von den schlechten Nachrichten rund um Wirtschaftskrise und Schweinegrippe, meinte Beckers, und schon der beeindruckende Auftritt von Tanzmariechen Jana Naumann erfüllte diese Vorgabe.

Die Karnevalsveteranen Josef, Jupp und Jüppchen nahmen die entfachte Begeisterung nur zu gerne auf und unterzogen der Belastbarkeit der Lachmuskeln mit ihrem gewohnt hervorragenden Programm rund um sprachliche Missverständnisse einem echten Härtetest.

Da wurde die Wirtschaftskrise schnell zur Kneipenkrise, der Katechismus als Kamasutra begriffen und Expressionisten kurzerhand mit Exhibitionisten verwechselt. Jürgen B. Hausmann übertrieb nicht, als er sagte, Hubert Crott (Jüppchen) sei für die Region Aachen das, was ein Willy Millowitsch für Köln gewesen sei.

Ein Feuerwerk der Bühnenkunst brannte Stimmenimitator und Parodist Mr. Tomm ab. Von Rock bis Blues, von Klassik bis Schlager, ob auf Englisch, Italienisch, Deutsch oder Französisch - zahllose bekannte Künstler imitierte das Stimmwunder sowohl stimmlich als auch in Mimik und Gestik nahezu perfekt.

Ehe mit Bernd Stelter der wohl deutschlandweit prominenteste Künstler des Abends sein Programm präsentierte, bot das Showballett „Ladykracher” aus Eicherscheid eine gekonnte Tanzdarbietung mit fabelhafter Choreographie zu bekannten Songs.

Bernd Stelter war direkt von Aufzeichnungen seines „NRW-Duells” für den WDR nach Roetgen gekommen. Da gerade Sendungen für die Weihnachtszeit aufgezeichnet wurden, sah sich der Comedian mit der kurios-komischen Situation konfrontiert, im August quasi von einer Weihnachtssendung zu einer Karnevalssitzung zu ziehen.

Seine Darbietung war die thematisch umfangreichste des Abends, angefangen beim Thema Männer über 40 über mediale Ereignisse und Entgleisungen des Jahres 2008, die USA, die Bundestagswahl hin zur Banken und Finanzkrise. Gekonnt baute er neben seinen treffenden humorvollen und satirischen Bemerkungen zahlreiche bekannte Oldies ein, die er auf seiner 12-saitigen Gitarre begleitete und die er mit selbst geschriebenen deutschen Texten immer auf sein jeweiliges Thema passend ummünzte.

Zweimal verlangte das Publikum von Stelter für diese hohe Comedy-Kunst Zugaben, denen er auch nachkam: „Ich wäre bereit gewesen aufzuhören, aber einer von ihnen hat Zugabe gerufen”, fügte er schelmisch an. Im Verlaufe seiner letzten Zugabe machte die Band „Spontan” bei seiner Darbietung von „Country roads” ihrem Namen alle Ehre und begleitete Stelter unvermittelt mit voller Instrumentierung.

Drei Zugaben gespielt

Musikalisch ging es weiter im Programm: Mit „Hätzblatt”, den zweifachen Gesamtsiegern der Närrischen Hitparade im WDR Fernsehen, gelangte die Karnevalsstimmung endgültig auf den absoluten Höhepunkt. Das ganze Zelt stand, sang und schunkelte, als die fünf versierten Musiker ihre eigenen Hits und berühmte Rockklassiker zum Besten gaben. Nicht weniger als drei Mal wurden die Hätzblätter lautstark zu Zugaben aufgefordert und jedes Mal legten sie noch eine Schaufel Energie dazu. Es schien, als wolle sich um Mitternacht niemand dem nahenden Ende des Programms beugen.

Als es letztlich doch soweit war, gab es keinerlei Zweifel bei den Besuchern und den Veranstaltern, dass man einen traumhaften Abend erlebt bzw. auf die Beine gestellt hat.

Zum Ausklang der fantastischen Karnevalsgala mitten im Sommer spielte „Spontan” noch bis spät in die Roetgener Nacht hinein zum Tanz auf.
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